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Befreiung: Roman [Gebundene Ausgabe]

Sándor Márai , Christina Kunze
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

1. Januar 2010
1945 entstanden, ist »Befreiung« Sándor Márais letzter in Ungarn verfasster Roman und liegt nun erstmals auf Deutsch vor: Unerbittlich und mit großer Intensität erzählt er von der jungen Erzsébet, der im belagerten Budapest auf tragische Weise Befreiung widerfährt. Dezemberkälte liegt über dem belagerten Budapest, zwischen Todesangst und Erschöpfung wartet die junge Erzsébet zusammen mit den anderen Bewohnern im Keller eines Hauses auf ihr Schicksal. Tag und Nacht, Mittag und Morgen sind unterscheidungslos geworden. Inmitten von stehlenden, streitenden Menschen empfindet sie dennoch eine Art Milde, denn nun ist er endlich da, der Augenblick der Wahrheit. Während die anderen vor den heranrückenden Belagerern fliehen, beschließt Erzsébet zu bleiben. All ihre Sinne sind hellwach, als plötzlich ein junger Russe den Keller betritt. Geprägt von der Intensität des eigenen Erlebens, erzählt Sándor Márai von Freiheit, Anstand und dem letzten Augenblick seiner sich selbst zerstörenden bürgerlichen Welt.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 1 (1. Januar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492053726
  • ISBN-13: 978-3492053723
  • Originaltitel: Szabadulás
  • Größe und/oder Gewicht: 19,4 x 12,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 371.385 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Ein Leben in der Belagerung, kurz vor der Befreiung: Das ist das Leben der jungen Erzsébet, 1944. In dem von Nazis und Russen umkämpften Budapest, zwischen Luftschutzkellern und zerbombten Straßen, versucht sie einem Alltag nachzugehen, der die Menschen entweder wahnsinnig macht oder abstumpfen lässt. Allein ihre Erinnerungen an das Leben vor dem Krieg, ihre bürgerliche Gedankenwelt, bieten ihr einen Halt. Doch Erzsébet kommt an einen Punkt, an dem sie alle Hoffnung auf Befreiung und die Wiederherstellung ihrer Welt aufgibt. Diese Resignation ins Fatalistische ist das philosophische Herzstück von Sándor Márais 1945 verfasstem Roman "Befreiung". Nicht umsonst gilt der in Vergessenheit geratene ungarische Autor seit der erstmaligen Übersetzung von "Die Glut" im Jahre 1998 als die Wiederentdeckung der letzten Jahre. Márai, der eigene Erlebnisse dieser Zeit in Budapest verarbeitet, stellt auf eine leise, aber äußerst eindringliche Weise Erzsébets resignierende Gedankenwelt im Belagerungszustand dar. Diesen Zustand macht Márai für uns begreifbar, indem er den Sprachfluss der Erzählung durch mehr und mehr einsetzende Monotonie fast zum Erliegen bringt: "Und dann breitet sich plötzlich eine große Ruhe in ihr aus. Aha, so ist das, denkt sie. Und als wäre alles in Ordnung, der Krieg und alles, was geschehen ist, dieser Tote, und sie Erzsébet, die jetzt frei ist, aber mit dieser Freiheit nichts anfangen kann, sie nicht, die anderen nicht, auch nicht der gelähmte Mann unten im Keller, nichts kann er anfangen mit der Freiheit, weil er ein Mensch ist." (lka) -- kulturnews.de

Über den Autor

Sandor Marai, geboren 1900 in Kaschau (heute Slowakei), starb 1989 in San Diego, Kalifornien. Er gehörte in den dreißiger Jahren zu den gefeierten Autoren in ganz Europa, geriet aber nach seiner Emigration in Vergessenheit. Mit dem internationalen Erfolg seines wiederentdeckten Romans "Die Glut" wurde Sándor Marai als einer der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts gefeiert. Seit 1998 erscheinen seine Tagebücher, essayistischen Schriften und zahlreichen Romane - zuletzt "Befreiung", "Die Möwe" und "Die Schwester" - im Piper Verlag.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5.0 von 5 Sternen Die Schrecknisse der Zeit 9. Februar 2010
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch ist eine Überraschung. Geschrieben wurde es 1945 - direkt nach der Befreiung Ungarns durch die Russen. Erst 1989 - nach dem Selbstmord des Autors - tauchte das Manuskript auf.

Der direkte Zusammenhang zwischen dem historischen Geschehen und dem Aufzeichnungen verleiht dem Buch - Sándor Márai hat wohl nie eine Veröffentlichung gedacht - ein hohes Maß an Authentizität. Der Text hat aber auch, der Eile geschuldet, noch etwas Vorläufiges, noch nicht ganz Ausformuliertes. Und doch haben wir es mit einem kleinen Meisterwerk zu tun - mit einem Roman, der die Schrecknisse der Zeit beschreibt, die allgemeinen sowohl als auch die individuellen.

"Der Krieg ist hier, man hört ihn keuchen, man spürt seinen heißen, fauligen Atem...". So empfindet das auch die "Heldin" des kleinen Romans, die im Budapest der letzten Tage und Stunden vor der sehnlichst erwarteten Befreiung durch die Sowjetarmee erwartet - erwartet und auch ein wenige befürchtete.

Vor allem waren es die Juden, die von Pfeilkreuzlern, von Nazis und ihren Schergen gejagt wurden. Erzsébet erlebt die Bedrohung hautnah. Mit Mühe und Not hat sie ihren alten Vater noch verstecken können. Sie hat ihn einmauern lassen. Mit Mühe und Not auch sich selbst - zusammen mit anderen Verfolgten in muffigen, dunklen Kellern. Bedrohung und Hoffnung, Todesangst und Verzweiflung und das zermürbende Warten bestimmen die Tages- und Nachtabläufe. Dazu Streit und Missgunst unter den Eingeschlossenen.

Sachlich, fast unterkühlt beschreibt Márai diese Situation, die zu eskalieren droht, als die erwartete Befreiung fast mit Händen zu greifen ist, als die ersten Kellerbewohner ihren Zufluchtsort verlassen. Vielfach mit einem tragischen Ende.

Das jüdische Mädchen Erzsébet - ein wunderbares Frauenporträt - erlebt das Ende, die Befreiung auf andere Weise. Es wird von einem jungen sibirischen Soldaten vergewaltigt. Eine brillant geschilderte Szene, eine sehr anrührende - wenn man diese Wort dafür gebrauchen darf - Szene zwischen dem Opfer und dem Täter, der ebenfalls als Opfer zu sehen ist. Am Ende verlässt Erzsébet den Keller, sie geht vorbei an der Leiche des sibirischen Soldaten, hinaus in die ersehnte Freiheit.

Dieser Roman ist ein Stück Zeitgeschichte, er erinnert noch einmal an eine Zeit, die wohl nie ganz überwunden werden kann. Er ist zugleich Mahnung, eine Mahnung, die aus der Vergangenheit zu uns gekommen ist.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Soziologie der Belagerung 24. März 2010
Von Gerhard Mersmann TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Der ungarische Schriftsteller Sándor Márai entpuppt sich in allen seinen Schriften als ein Meister der psychologischen Studie. Immer wieder gelang es ihm, die emotionalen Triebkräfte seiner Figuren in einem besonderen Licht zu sehen. Die Handlungen kommen ohne auf den Effekt abzielende Plots aus, das, was als der pulsierende Handlungsstrom beschrieben werden kann, ist bei Márai die Besonderheit der humanen Motivationslage. Die Biographie als programmatische Vorbedingung für das menschliche Handeln im Hier und Jetzt ist das Unabwendbare. Nun erschien zum ersten Mal seine auch im Ungarischen erst im Jahr 2000 veröffentlichte Aufzeichnung mit dem Titel Befreiung. Man fand das Skript über fünfzig Jahre nach seiner Erstellung.

Die Handlung spielt im Budapest des Jahres 1944, die parafaschistischen Pfeilkreuzler und die deutschen Besatzer bereiten alles vor, um die Stadt gegen die Rote Armee zu verteidigen. Hauptfigur ist Erzsébet, eine junge Frau, die ihren Vater, einen berühmten Wissenschaftler, der sich offen für die Juden eingesetzt hat und jetzt auf der Todesliste steht, vor den Suchenden zu verstecken weiß. Er wird mit anderen in einem Keller eingemauert, um nicht gefunden zu werden. Sie selbst geht in einen Luftschutzkeller, wo sie mit vielen anderen die Bombardements erlebt. Dort ist ein sehr pittoreskes Publikum vertreten. Bildungsbürger, Kohlenträger, intellektuelle Juden, Frauen, die dem KZ entflohen sind und ein Hausmeister, der mit den Faschisten kollaboriert.

Erzsébet beobachtet die sozialen Beziehungen dieser zusammen gewürfelten Gesellschaft sehr genau, ihr entgeht nichts und gleichzeitig entspannt sich in ihr ein innerer Monolog über das Wesen der kurz bevor stehenden Befreiung. Wie in einer soziologischen Studie seziert sie den Verfall der bestehenden Ordnung und entwickelt Thesen über die zu erwartende neue. Es beginnt eine Auflösung ihrer inneren Haltung, die die Grauen der Vergangenheit kennt und gleichzeitig die Illusionierung des Zukünftigen zerstört. Als die Straßenkämpfe näher rücken, wird der Keller von den Faschisten evakuiert, doch Erzsébet und ein Gelähmter verbergen sich und bleiben zurück. Sie wollen die Befreier dort erwarten. Und plötzlich steht ein junger Rotarmist im Keller und es entwickelt sich ein Dialog zwischen der jungen Frau und dem Sibirier, ohne dass die beiden die Sprache des jeweils anderen verstünden. Urplötzlich vergewaltigt der Rotarmist die junge Frau, um nachher verlegen zu sein und sich zu schämen. Erzsébet selbst hat Mitleid mit dem Mann, der aus dem Keller geht. Als sie selbst ins Freie tritt, liegt der Rotarmist tot auf der Straße und sie kniet sich über ihn, um ihm das Blut aus dem Gesicht zu wischen.

So wie Primo Levi in Ist das ein Mensch? kalten Auges die Soziologie des KZs beschrieben hat, so figuriert Sándor Márai Belagerung und Befreiung, die keine ist. Scham steigt auf, nicht wegen einer Nation oder einer Ideologie, Scham steigt auf, weil der Mensch ein Mensch ist.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bedrückend 7. März 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Der Roman spielt in den letzten Kriegstagen 1945 in Budapest, wo die junge Erzsébet zusammen mit anderen Leidtragenden im Keller eines Hauses einem ungewissen Schicksal entgegen sieht. Die Wartezeit auf das Eintreffen der roten Armee wird ausführlich in einer gefühlvollen Sprache geschildert, deren Eindringlichkeit die Grausamkeit in einer Weise vermittelt, die bei Einigen zur häufigen Unterbrechung der Lektüre führen dürfte; die Erschütterung ist einfach zu groß. Problematisch ist allerdings die Schilderung von Erzsébets Vergewaltigung mit deren Folgen, die in der (vom Autor-Mann) gewählten Form schwer nachvollziehbar ist. In diesem Bereich einen Bezug von Menschlichkeit vermitteln zu wollen, ist schlicht ein falscher Ansatz. Insgesamt gesehen ein aussagekräftiges und bedrückendes Buch.
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