1907 organisierten die damaligen New Yorker Großbanken eine Finanzkrise und traten dann anschließend als Retter der Sparer auf, indem sie kurz vor der Pleite stehenden Finanzinstituten scheinbar selbstlos und großzügig Kredite gaben, um panische Kunden ihre Ersparnisse abheben zu lassen. Mit dieser "Rettungsaktion" brachten sie die in den USA damals aus gutem Grunde unpopuläre Idee einer immer liquiden und stets hilfreichen Zentralbank ins Spiel. 1913 schließlich wurde eine solche Institution putschartig in der Vorweihnachtszeit installiert. Die Federal Reserve (Fed) ist aber weder eine Bundesinstitution, noch hat sie Reserven. Vielmehr gehört sie dem New Yorker Großbankenkartell.
Die Fed ist für den Aufstieg ihres Dollars zur Weltreservewährung ebenso verantwortlich wie für zahlreiche Wirtschaftskrisen, auch für die jetzige. Das behauptet der Autor, und damit ist er nicht allein. Doch die Abschaffung der Fed würde keines der vorhandenen Probleme lösen, denn die eigentlichen Verursacher sind die riesigen Großbanken, von denen eine allein so viel Finanzmacht besitzt, dass sie ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben kann. Leider dringt der Autor zu dieser Erkenntnis nicht vor.
Wenn Politiker sich über das Finanzsystem äußern, dann hat das stets etwas von Realsatire, nicht nur, weil sie mit ihren Schuldenorgien ihre wirtschaftliche Inkompetenz dokumentieren, sondern weil sie es waren und sind, die dieses System und seine Regeln erst ermöglicht haben und es andererseits zur Finanzierung der gigantischen Staatsschulden auch dringend brauchen. Es wundert deshalb nicht, dass zwar viel über Reformen dieses Systems geredet, aber nichts getan wird. Ron Paul ist zwar auch Politiker und war in der Vorwahlperiode 2008 Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Doch Paul ist völlig untypisch für die weltweite politische Klasse. Das dokumentiert nicht zuletzt dieses Buch
Bereits in den ersten beiden Kapiteln macht er deutlich, dass die Fed nicht in das demokratische System der USA passt. Das Geld spielt eine zentrale Rolle im Leben einer Gesellschaft. Es wird jedoch in den USA von einer privaten Institution geschöpft, die sich nicht in die Karten gucken lässt. Die angebliche Rettung des amerikanischen Finanzsystems im September 2008, die den amerikanischen Steuerzahler hunderte Milliarden neue Schulden aufbürdete, lief beispielsweise völlig an allen gewählten Organen der USA vorbei. Nichts sagt mehr über die wirklichen Machtverhältnisse als diese Ereignisse.
Im dritten Kapitel beschreibt Paul, wer auf sein Denken besonderen Einfluss hatte. Insbesondere erwähnt er dabei die österreichische Wirtschaftsschule um den Nobelpreisträger Hayek. Das vierte Kapitel behauptet, dass der Eintritt der USA in beide Weltkriege ohne das Zentralbankwesen nicht oder anders stattgefunden hätte. Am Ende dieses Kapitels steht folgender Satz, der gleichzeitig der zentrale Gedanke des Buches ist: "Je länger wir die Umstellung auf solides Geld, weg vom Zentralbankwesen hinausschieben, desto schlimmer wird die Krise in all ihren Formen, und desto mehr wird sich der Staat auf Kosten unserer Freiheiten ausdehnen."
Im fünften Kapitel berichtet der Autor über im Sande verlaufende Bemühungen, in den 1980-er Jahren irgendeine Form des Goldstandards in den USA wieder einzuführen. Kapitel sechs und sieben enthalten kommentierte Diskussionen von Paul mit den "großen weisen Vorsitzenden" Greenspan und Bernake anlässlich von Kongressanhörungen. Man kann an dieser Stelle wunderbar sehen, wie sinnlos solche Anhörungen sind, denn die Fed-Chefs verstehen es meisterhaft mit vielen Worten nichts zu sagen.
Das achte Kapitel beschreibt geistiges Beharrungsvermögen am Beispiel amerikanischer Kongressabgeordneter. Die Mehrheit hat keine Ahnung vom Wesen des Geldes und auch kein Interesse, es zu verstehen. So lange etwas scheinbar funktioniert und man seinen Vorteil daraus ziehen kann, bleibt es bestehen.
Im neunten Kapitel erklärt der Autor eine seiner zentralen Aussagen: Wenn der Staat und damit der Steuerzahler jedes Risiko abdeckt, nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen, dann kann daraus nur folgen, dass jedes Risikobewusstsein und damit auch persönliche Verantwortung und sorgfältiges Arbeiten verschwinden. Im Amerikanischen bezeichnet man das als Moral Hazard. Die entscheidende Konsequenz ist Unfreiheit. Wer das nicht glaubt, der möge sich noch einmal die Begründungen für die zahlreichen "Rettungen" der letzten Zeit durchlesen. Dort taucht stets das Wort "alternativlos" auf.
Die nächsten fünf Kapitel begründen noch einmal ausführlich, warum nach Ansicht des Autors die Fed abgeschafft werden muss. Am Ende seines Buches versucht Ron Paul einen Ausweg aus dem durch die Fed verursachten Schlamassel aufzuzeigen. Dieses Kapitel ist recht dünn, leider nicht nur was den Umfang anbetrifft.
Fazit.
Ron Paul ist ein erklärter Gegner jeder Art von Zentralbank. Er erzählt in diesem Buch, wie es die amerikanische Fed geschafft hat, den Dollar zu zerstören und immer schlimmere wirtschaftliche Störungen und Katastrophen herbeizuführen. Obwohl Paul sich an manchen Stellen etwas schwer tut, eine klare Gedankenführung beizubehalten, liest sich das schmale Büchlein gut. Zentralbanken sind nur dann notwendig, wenn an sich wertloses Papiergeld zur Zwangswährung erhoben wird. Also müsste es doch eigentlich weniger um die Abschaffung der US-Zentralbank und viel mehr um die Errichtung eines neuen Geldsystems gehen. Darüber hinaus gelingt es Paul merkwürdigerweise nicht, seinen Grundgedanken zu Ende zu denken. Denn dann wäre er zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es die Großbanken überall auf der Welt geschafft haben, für sich den Kapitalismus abzuschaffen. Industrieunternehmen, die schlecht wirtschaften, gehen in Konkurs. Wenn eine Großbank in eine solche Situation gerät, weil sie unakzeptable Risiken in Kauf genommen hat, dann wird sie gerettet, weil ihre Pleite in eine gesamtgesellschaftliche Finanzkatastrophe führen würde. Wir haben also nicht zu viel Markt, sondern faktisch gar keinen auf diesem Gebiet. Ohne Markt gibt es jedoch keine freiheitliche Gesellschaft.
Obwohl das Buch die erwähnten Schwächen aufweist, hat es mehr als vier Sterne verdient. Es zeigt immer wieder, dass sich das jetzige Finanzsystem zu einem Geschwür entwickelt hat, dem es bereits gelungen ist, seinen Wirt vollständig zu dominieren.