Das Buch 'Sklavin' erschütterte 2004 die Welt, da es bewies, dass Sklaverei auch im 21. Jahrhundert noch ein Thema ist. Im Sudan werden weiterhin Kinder gestohlen, verschleppt und versklavt. Mende Nazer arbeitete acht Jahre lang 18 Stunden täglich in Khartoum, ohne finanziellen Ausgleich, ohne Rechte, ohne Urlaub. 2000, mittlerweile in London als Sklavin für einen sudanesischen Diplomaten, gelingt ihr eine spektakuläre Flucht und ihre Geschichte erschüttert alle.
Das Jahr 2006, Mende ist frei und arbeitet in London als Friseurin. Doch wirklich frei ist sie nicht, sie macht sich große Sorgen um ihre Familie, die immer noch direkt im Kriegsgebiet lebt. In ihr wächst der Wunsch, zurückzukehren, ihre Familie zu sehen, sie zu umarmen, ihnen zu erzählen, wie es ihr ergangen ist, zu hören, wie es ihnen ergangen ist. Sie ahnt nicht, dass sie eine Berühmtheit in den Nuba-Bergen ist, jeder dort kennt ihre Geschichte, weiß, wie sie sich für die Rechte der Menschen dort einsetzt.
Damien Lewis, der bereits bei 'Sklavin' als Co-Autor fungierte, unterstützt ihren Plan und macht sich auf, gemeinsam mit Mende und einem Fernsehteam, in den Sudan ' in ein Land, das vom Bürgerkrieg gebeutelt ist. Es ist eine Reihe voller Gefahren in die Heimat Mendes, immer mit dem Ziel vor Augen, die Familie wieder zusammen zu bringen. Doch wird dieser Plan gelingen? Erreichen Mende und Damien dieses Ziel? Im Sudan angekommen, erkennt Mende, dass sie die Reise nicht nur riskant ist, für sie als Beruhigung der Einsamkeit und der Angst dienst, sondern sie nimmt die Aufgabe an, die ihr zugeteilt ist-ihrem Volk zu helfen und Verantwortung für die Nuba zu übernehmen. So gehen Teile der Verkaufserlöse dieses Buches in ihre Stiftung.
Zutiefst bewegend ist das lang ersehnte Wiedersehen mit den Eltern, den Geschwistern, doch Mende begreift erst hier, wie sehr der Krieg Land und Leute verändert und beeinflusst hat.
Im Sudan besucht sie auch ein Flüchtlingslager und allein diese Geschichte ist so emotional, dass man danach erstmal Pause machen muss vom Buch, um Tränen zu trocknen und um zu begreifen, was dort vor sich geht, wieviel Leid Menschen erdulden müssen.
Mende trifft viele Menschen, die sich Hilfe von ihr versprechen, doch nicht allen kann sie helfen, aber sie hört sich geduldig ihre Geschichten an und auch sie ist immer wieder erschüttert, was mit ihrem Land geschehen ist. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Heimat und der Welt, in der sie jetzt lebt und überlegt immer wieder, wie sie ihrem Volk helfen kann, was für Unterstützung am dringendsten ist. Dabei wäre es eigentlich so einfach: ein harmonischer und friedvoller Alltag ohne Krieg.
Die Geschichte wird ergänzt durch zahlreiche Bilder, die das Gelesene erlebbarer machen. Wer 'Sklavin' nicht gelesen hat, sollte dies vor der Lektüre von 'Befreit' unbedingt nachholen, sonst werden einige Dinge nicht gleich begreifbar. Wer 'Sklavin' bereits gelesen hat, wird sich wahrscheinlich direkt auf dieses Buch stürzen, um zu wissen, wie es mit Mende weiterging und wir können es absolut empfehlen! Viel Spaß können wir nicht dabei wünschen, auch keine gute Unterhaltung, aber wir versprechen einen eindrucksvollen Reisebericht in den Sudan und einen Lebensbericht der Menschen im Sudan. Das Buch kann man nicht aus der Hand legen, weil das Schicksal dieser Menschen so sehr ans Herz geht, man will etwas tun und sei es erstmal nur, dieses Buch komplett zu lesen...