Wer Marianne Faithfull kennt, weiß, dass leichte Kost auf ihren Alben keine Chance hat. Auch auf ihrem neuesten Werk "Before The Rain" gibt es kaum fröhliche Töne und die zwei herausragenden Musiker, die sie bei dem Album unterstützten, stehen auch nicht gerade für fröhliche, chartkompatible Pop-Musik: Nick Cave und PJ Harvey. Da kann man nur sagen: Ein Glück! Die Songs entführen den Hörer in die schmerzhaften Abgründe der Seele von Marianne Faithfull, die scheinbar viele traurige Erfahrungen im Zusammenhang mit Liebe einstecken musste. Die Melodien und Klänge auf "Before The Poison" sind dabei gar nicht so sperrig, wie es zuerst den Anschein macht. Gerade die wunderschöne Ballade Crazy Love kommt mit einer verzaubernden Melodie daher (Nick Caves Werk). Die Lyrics stammen von Marianne Faithfull, die bei sieben Songs auf "Before The Poison" die Texte verfasst hat. Die können aufwühlend sein wie jener von "Desperanto", bei dem Nick Cave eine total abgedrehte Melodie entwickelte oder leicht morbide wie bei "City of Quartz", bei dem eine Spieluhr mitläuft. Das folkig angehauchte No Child of Mine glänzt mit einer geschmackvollen Melodie, die von PJ Harvey verantwortet wurde. Diese kann man auch ausdrucksstark mit ihrer schneidenden Stimme im Refrain hören, sowie kongenial an Gitarre und Piano. "Before The Passion" ist ein dunkles Album wie geschaffen für den stürmischen Herbst. Echte Gefühle, aufwühlende Stimmungen und über allem die raue, vom Leben geschliffene Stimme Marianne Faithfulls.