"Before Night Falls" ist der Soundtrack zu Julian Schnabels gleichnamigen Filmbiografie des kubanischen Dichters und Romanciers Reinaldo Arenas. Anders als in dem Film, der vor allem von den Kompositionen Carter Burwells getragen wurde, stehen auf der CD die Aufnahmen legendärer kubanischer Künstler im Mittelpunkt. El Guayabero ist der Künstlername des mittlerweile 93jährigen Sängers, Gitarristen und Komponisten Faustino Oramas, den er sich in Anlehnung an seinen 1939 geschriebenen Song "En Guayabero" zulegte. Auf dieser CD ist Oramas, der für seine oft doppeldeutigen, pikanten Texte geliebt wird, mit einem anderen Klassiker zu hören: "El tumbaito".
Das Trío Matamoros wurde 1925 von Miguel Matamoros mit dem Gitarristen Rafael Cueto und dem Percussionisten Siro Rodríguez gegründet und löste sich erst 1969 auf. Unter Miguel Matamoros' über 200 Kompositionen befinden sich Dutzende Hits wie "Lagrimas negras", "Mamá, son de la loma", "Mujer de Antonio", "El que siembra su maiz", "Tu veras" und "El trio y el cicion". Die drei letztgenannten werden auf dieser CD vorgestellt.
Das 1939 gegründete Orquesta Aragón (oder auch Charanga Aragón) gilt noch heute als eines der populärsten Blasorchester Kubas und hat sich im Laufe der Jahrzehnte den ändernden Musikmoden der Karibikinsel immer wieder angepaßt. Ob Danzóns, Danzonetes, Boleros, Rumbas, Mambos oder Chachachás, das Orquesta Aragón beherrscht sämtliche Rhythmen und Stile und war deshalb oft auch die ideale Begleitband für singende Stars wie Beny Moré oder Pérez Prado. "Los tamalitos de Olga" war einer ihr größten Erfolge.
Ernesto Lecuona, der 1963 im Alter von 68 Jahren auf Tenerifa verstarb, gilt als der bedeutendste kubanische Musiker des frühen 20. Jahrhunderts. In den späten 20er Jahren schuf er mit "La Malagueña" aus der Suite "Andalucía" einen der bekanntesten Songs der lateinamerikanischen Musik. Mit seinen Lecuona Cuban Boys feierte er in den 30er und 40er Jahren auch Erfolge in den USA und Europa. Von Ernesto Lecuona erklingt hier "Crisantemo".
Pianist Bebo Valdés gelang 1994, 34 Jahren nach seinem Weggang von Kuba und seiner letzten Plattenaufnahme, auf Initiative des Saxophonisten Paquito D'Rivera ein strahlendes Comeback. Innerhalb von nur drei Tagen, so die Legende (andere Quellen sprechen sogar nur von 36 Stunden), komponierte, arrangierte und spielte er damals das Material für das Album "Bebo Rides Again" ein, das auf dem deutschen Label Messidor herauskam. Und dies mit 76 Jahren! Zum Soundtrack von "Before Night Falls" steuerte der Vater des Irakere-Pianisten Chucho Valdés "Duerme" bei.
Der 1963 verstorbene Beny Moré war einer der populärsten kubanischen Sänger aller Zeiten, vergleichbar etwa mit Frank Sinatra oder Nat "King" Cole in den USA. Er interpretierte romantische Boleros, fetzige Mambos, sinnliche Rumbas und verschmolz den afro-kubanischen Son mit dem spanischstämmigen Guarijo zu einem ganz neuen, eigenen Stil. "Conoci la paz" und "El canonero" erinnern an diese Legende der kubanischen Musik.
Der 1952 geborene Sänger und Gitarrist Pedro Luis Ferrer verbindet in seinem Spiel Einflüße der klassischen Gitarrenmusik mit denen der kubanischen Popularmusik. Mitte der 70er Jahre nahm er sein titelloses Debütalbum auf und tourte durch Europa. Als wenig später Miriam Ramos, eine junge Sängerin der Nueva Trova-Bewegung, mit seinem Stück "Ay, mariposa" großen Erfolg hat, rückt auch Ferrer etwas mehr ins Rampenlicht. "Ay, mariposa" ist hier in einer Version des Komponisten zu hören.
Die Band La Sonora Matancera hatte ihre Blütezeit in den Jahren von 1947 bis 1958 und bestritt u.a. 1950 das erste kubanische Fernsehprogramm. Ihre "Descarga sonora" ist die kubanische Antwort auf eine amerikanische Jamsession.
Der als Ignacio Jacinto Villa geborene Pianist und Sänger Bola de Nieve (Schneeball) war ein weiterer kubanischer Künstler, der in Mexiko seinen großen Durchbruch erlebte. Vom 1971 verstorbenen Bola de Nieve ist auf dieser Compilation der Song "Por que me la dejaster querer?" zu hören.
Ein wenig aus dem Rahmen dieses ansonsten rein kubanischen Repertoires fallen die beiden Filmkompositionen von Carter Burwell ("Balloon Escape" und "Return From The Hospital") sowie "Kamata mariyam", ein Song der libanesischen Sängerin Fairuz. (Universal)