Kein Easy-Reader über ein musikalisches Genie, kein Buch für Notenanalphabeten und vor allem in erster Linie kein Buch über Beethoven selbst, sondern eine durchaus ins technische gehende Analyse einer jeden der 32 Sonaten, zum Teil nur angerissen, zum Teil in detaillierten Betrachtungen, z.T. auch mit Notenbeispielen. Jede einzelne dieser Analysen ist recht knapp gehalten, bedingt durch den vorgegebenen Buchumfang, jedoch ebenfalls, oder gerade deswegen von grosser sprachlicher Präzision und Dichte. Als musikalischer Laie bin ich nicht sicher, ob musikalische Werkanalysen überhaupt sinnvolle Literatur darstellen, aber es hat im vorliegenden Fall das Lesen selbst erhebliche Freude bereitet, das (auch heute noch aktuelle) Ringen um die Sonatenform mitzuerleben. Wenn über Musik zu schreiben so ist, wie ein Essen zu malen, so ist hier immerhin ein sehr gelungenes Gemälde entstanden, welches bestenfalls davon übertroffen wird, dem Autor selbst bei der Aufführung von einem der hier behandelten Werke beizuwohnen.