Den Ausführung der exzellenten Rezension von "Lateingott" ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen. Stünde sie hier allein, würde ich selbst wohl keine schreiben. Da aber auch ein Verriss dabei ist, möchte ich mich auch zu Wort melden und diese CD alles in allem loben.
Es ist gar nicht leicht, eine Aufnahme der kompletten Egmont-Musik zu bekommen. Neben dieser hier kenne ich nur noch eine von Claudio Abbado (Berliner Philharmoniker) mit Cheryl Studer als Klärchen und Bruno Ganz als Sprecher, die aber dieser Aufnahme hier nicht das Wasser reichen kann. Die Aufnahme von
Thomas Dausgaard mit dem Schwedischen Kammerorchester kenne ich nur durchs Reinhören in die Downloadtracks. Ich weiß nicht, wer seine Sängerin ist, aber sie überzeugt mich weniger als Frau Janowitz.
Gundula Janowitz macht ihre Sache meines Erachtens sehr gut. Man nimmt ihr das tieftraurige Mädchen für meinen Geschmack auch gut ab. Gerade "Freudvoll und Leidvoll", die Quelle des rauf- und runterzitierten "Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt" singt sie formidabel und, weil das hier bestritten wurde, sie singt es eben wirklich. Es ist nicht nur die Instrumentalversion zu hören.
Am Spiel der Berliner Philharmoniker ist nicht viel auszusetzen. Es gibt allerdings sowohl von Karajan mit dem Orchester als auch von anderen Interpreten bessere Aufnahen der Egmont-Ouvertüre. Ist doch etwas arg viel Getöse und etwas zu wenig Transparenz was Karajan hier veranstaltet. Natürlich ist das typisch für Karajan, aber die Aufnahme in seinem vorletzten Symphonien-Zyklus, die wenige Jahre später aufgenommen wurde ist ein wenig besser. Das betrifft dann natürlich auch die "Siegessymphonie".
Ich bin an und für sich überhaupt kein Freund des Militärs, aber ich muss gestehen, für Märsche habe ich etwas übrig. So sind mir sämtliche Gelöbnis- und Zapfenstreichveranstaltungen suspekt. Aber der York'sche Marsch, vorschriftsmäßiger Teil solcher Zeremonien, gefällt mir. Herrlich den hier mal von einem Weltklasseorchester zu hören. Für die übrige Militärmusik gelten die gleichen Vorbehalte und das gleiche Kompliment.
Vor gut 2 Jahren kam ich einem an und für sich exzellenten Musikgeschäft an einem Verkäufer vorbei, der gerade von einem Kunden nach der "Schlachtensymphonie" gefragt wurde. Er bekam Empfehlungen für die "Eroica", hätte aber eigentlich genau dieses Album in die Hand gedrückt bekommen müssen (die einzige Aufnahme im Sortiment des Geschäfts), denn wie hier schon erwähnt handelt es sich Beethovens "Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria". Zu Beethovens Zeit berühmter und beliebter als seine Symphonien, Klaviersonaten bzw. -konzerte oder das Violinkonzert. Ein Treppenwitz der Geschichte, denn diese Komposition ist wahrlich nichts bedeutendes. Fanfaren, Kampfgeräusche, "Rule Britania"-Zitate usw.. Historisch interessant und ein nettes Kuriosum, aber im Grunde verzichtbar.
Egmont hätte 5 Sterne verdient, die Militärmusik ist sehr gut gespielt und auch nett anzuhören, aber jetzt auch kein Muss. Wellingtons Sieg ist aus meiner Sicht einfach keine gute Musik, so dass ich wohl hier einmal tatsächlich für die Beethoven-Komposition einen Stern abziehe und nicht wegen interpretorischer Mängel.
Schließlich aber noch eine Klarstellung: wer hier Mängel bei der Tonqualität hört, den verstehe ich nicht. Für eine Aufnahme aus den 70ern ist die Tonqualität exzellent. Von dem hier bemängelten räuspern, umblättern, notenständerrücken und was nicht alles bemängelt wurde, höre ich nichts und ich bin diesbezüglich eigentlich überdurchschnittlich empfindlich.