Die Missa Solemnis steht als großes sinfonisches Werk neben der neunten Sinfonie für Ludwig van Beethovens letzte Schaffensphase. Das Sakralwerk zählt nicht nur zu den größten musikalischen Leistungen des Komponisten, es gilt auch als eine der bedeutendsten Messen überhaupt.
Anläßlich des Gedenkens an die Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg führte Christian Thielemann und die Staatskapelle Dresden das Werk am 13. und 14. Februar 2010 in der Semperoper auf. (Die vorliegende Aufnahme stammt vom 13. Februar.)
Das Kyrie zu Beginn gelingt weihevoll und klar, während das Gloria darauf sehr kraftvoll wird. Immer wieder läßt Thielemann vom Tal aus den Gipfel stürmen, und das Orchester entlädt sich eruptiv an der Spitze. Dann stets Rückfälle ins Tal, wo es filigran wird, bevor erneut zum Sturm angesetzt wird. Im Anschluss kommt das Credo zunächst voluminös daher und wird im Vergleich zum vorigen Satz ein Gloria im Kleinen: einerseits mit Gipfelsturm und andererseits mit vielen atemberaubend zarten und weichen Passagen. Im Sanctus fesseln Thielemann und die Staatskapelle den Hörer regelrecht. Es ist ein tief empfundener, bewegender Satz, dessen Solo-Violine schließlich grandios die Ankunft des Heiligen Geistes auf Erden verkündet. Der Finalsatz, das Agnus Dei, beginnt mit einem flehend schmerzlichem 'miserere nobis', bei dem die Solisten durch ihr Können erneut bestechen. Das folgende 'dona nobis pacem' wächst glänzend an, bis schließlich der Chor ein versöhnliches Ende und Frieden verkündet.
Thielemann und die Staatskapelle bieten eine warme und würdevolle Missa Solemnis. Die Leistungen des Staatsopernchors und der Solisten sind herausragend. Das Problem, das ich persönlich oftmals habe, daß Sakralwerke steril und abweisend klingen, trifft hier keinesfalls zu. Diese Missa Solemnis ist groß, breit und "saftig". Dennoch wird sie der Würde des Moments gerecht - unterstrichen durch den traditionell fehlenden Applaus zu Beginn und am Ende. Für rund 80 Minuten wird der Hörer bzw. Zuschauer regelrecht entrückt.
Zur DVD
Es liegen PCM Stereo und DTS 5.1-Tonspuren vor. Untertitel sind auf Latein, Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Japanisch verfügbar. Das Begleitheft widmet sich in einem zweiseitigen Text dem Gedenkkonzert - auch in deutscher Sprache.