Vielleicht darf ich vorwegschicken, dass ich gewöhnlich ein wenig misstrauisch gegenüber jeglicher Art von Dirigentenkult bin. Aber hier hielten solche kleinlichen Besorgnisse genau zwei Takte an: Zwei Takte, weil allein der Einsatz im ersten Takt nicht ganz genau erfolgt. Dann aber baut sich plötzlich in der langsamen Einleitung eine Binnenspannung auf, die einem fast den Atem nimmt und die ich so noch nie gehört habe. Vor dieser Aufnahme kannte ich vor allem die klassische von Karjan; aber erst Kleiber entlockt etwa dem bohrenden Motiv in den tiefen Streichern den ganzen Sinn. Überwältigend ist die ungeheure Dynamik des Spiels. Fast scheint es, als würde hier nur ein Mann spielen, und zwar mit vollem Risiko. Daraus entstehen wirklich die hier bereits beschriebenen Schauer tiefen Glücksgefühls.
Nach solchen Aufnahmen sucht der Fan ein Leben lang, erlebt viele Enttäuschungen, die irgendwo hinten in seinem Plattenschrankt verschwinden und vergessen werden, vor Glück, endlich eine solche Aufnahme in Händen halten zu können.
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