Wie fällt man in der grossen Menge von Interpreten auf ? Zum Beispiel ,indem man Konzerte ohne Schuhe geigt, dafür eine Begründung liefert, aber in jedem Fall Aufmerksamkeit erzeugt.
Dann bekommt Begrüssungen wie diese: "Zwei Jungstars lassen aufhorchen! Geigerin Patricia Kopatchinskaja und Pianist Fazil Say mit eigenwilligem Programm, gespielt mit Verve und Sentiment: expressiver Beethoven, bluesig-melancholischer Ravel, angriffiger Bartók. Als Überraschung die bildhafte Klangwelt in der Sonate von Fazil Say." findet sich auf der webside von Patricia Kopachinskaja.
Der grosse Vergleich ist natürlich die Kreutzersonate. Bei den anderen Stücken ist die Konkurrenz deutlich keiner, bei dem Stück von Say wahrscheinlich gar keine vorhanden.
Die Kreutzersonate allerdings ist von allen Geiger/Innen gespielt worden und viele machten davon Aufnahmen.
Ist diese Sonate so gegen den Strich gebürstet ? Denke an die frühe Aufnahme von Thomas Zehetmair, finde ich diese noch leidenschaftlicher, denke ich an Frau Argerich, kommt mir Fazil Say in seinem heftigen Zugriff nicht so einzigartig vor.
Sicher kann man die Kreutzer-Sonate zu einem Hochwerk der Klassik erklären und den ihr zukommenden Respekt einfordern. Aber es gibt kaum ein Musik-Stück, dass so viele Emotionen ausgelöst hat. Sei es nun Dieter Kühn, der darüber praktisch ein Buch geschrieben, Tolstoi, der sie zum Gegenstand einer Novelle macht, Magriet de Moor oder Janacek.
Beethoven war als Feuerkopf bekannt und bei der Uraufführung im Wiener Augarten soll er dem Geigenvirtuosen Bridgetower vor Begeisterung um den Hals gefallen sein und gerufen: noch einmal, lieber Bursch,man findet diese Geschichte zum Beispiel im Beethoven-Handbuch ( S. 304). Es wurde berichtet, Brigdetower habe sehr " extravagant" gespielt.
Hört man leidenschaftliche Interpretationen, deren es einige gibt,auch Busch und Serkin müssten genannt werden ( 1941), so finde ich diesen Zugang als " werkgetreu" und abgezirkelte klassische Interpretationen als Verrat an den Emotionen, die diese Musik auslösen kann.
Wenn man sich also nicht von Musik-ferneren Eigenheiten abhalten lässt, kann man zwei kreativen Musiker beim gemeinsamen Tun zuhören.