Barenboim als Dirigent und Solist auf BluRay - was für eine Chance. Man mag über Für und Wider des dirigierenden Solisten an anderer Stelle streiten. Barenboim's Klavierkonzertaufführungen (genauso: Mozart) sind in jedem Fall ein Live-Erlebnis, ganz besonders mit seiner eingespielten Staatskapelle Berlin. Die zweite Chance: BluRay als wirklich neue Dimension in Audio und Bild, Potential angedeutet von Abbado / Brandenburger Konzerte oder natürlich Tiedemann mit den Wiener Philharmonikern. Jedenfalls ein Lichtblick für SACD Fans die das Siechtum ihres Lieblingsmediums betrauern.
Der Ton: erst DTS-HD mit Sub - die Pauke dröhnt, der Bass wummert, Sub weg hilft nicht, also zurück auf PCM (CD Qualität, kein Surround). Der Flügel steht jetzt fast blechern überm Orchester und die Pauke ballert immer noch mit Nachhall rein (vielleicht hatte er einfach auch einen schlechten Tag und zu doll und manchmal zu spät draufgehauen?). Wenig Räumlichkeit, der Flügel wirkt separat aufgenommen und nicht eingebunden, die Bässe dumpf. Wie bei guten audiophilen Anlagen üblich, kann ich (und will ich) die Bässe nicht manipulieren, das ist doch Aufgabe des Tonmeisters. Ach ja, Tonmeister: bei 12:40 z.B. rumpelt jemand gegen ein Mikrophon, später noch mal - das fand man auch überflüssig rauszuschneiden. Hat er stattdessen mit dem Loudness-Knopf gespielt?
Das Bild: positiv gewendet - der Saal lenkt nicht von der Musik ab. Und ordentliches HD, aber das hat inzwischen auch das Morgenmagazin von ZDF und ARD. Aber irgendwie transportiert der Saal die Stimmung einer Nachmittags-Probe von Wetten das? (Ok, da war ich noch nie, aber halt wie man sich's vorstellt) Aber wirklich schlimm: die irgendwo am Flügel montierte Kamera für die Großaufnahme von Barenboim's Gesicht: im Stil einer billigen Web-Cam ruckelt sie mit Stellmotoren ferngesteuert den Bewegungen hinterher.
Die Interpretation: da mögen andere kompetenter urteilen, mir stand der Ärger über Bild und Ton im Weg. Überkritisch geworden fällt dann auf, dass die Staatskapelle Berlin zwar eines der höchstsubventionierten Orchester einer der vielen Opern in Berlin ist, aber zu Recht nicht zur absoluten Weltspitze gehört. Zum Vergleich lohnt die Aufnahme Brendel/Rattle/Wiener Philharmoniker. (Die Entscheidung für die - viel billigere - Live Produktion hier nimmt natürlich auch Fehler und Unzulänglichkeiten in Kauf, insofern ist der Vergleich gemein. Aber live kann auch Leidenschaft und Risiko bedeuten, das fehlt hier).
Fazit: nehmt diese Produktion vom Markt! Wir audiophilen Klassik-Fans warten, bangen und hoffen auf das nächste Referenz-Medium. Blu-Ray hat das Potential und lustlose Tonmeister im Verein mit indisponierten Bild-Regiseuren treten den Markt tot bevor er sich entwickeln kann. Bei SACD waren es auch die schlechten und hochgesampelten Produktionen die eine Verbreitung verhindert haben.
Aus Respekt vor dem verehrten Daniel Barenboim der zweite Stern.