Wer die früheren Aufnahmen der Pires kennt und schätzt, v.a. ihre vier Beethoven-Sonaten aus den 70er Jahren, wird von dieser CD enttäuscht sein. Wie bei ihrer jüngsten Interpretation des Schuhmannkonzerts und wie auch bei ihren jetztigen Auftritten geht die Piansistin etwas zu verhalten und sanft ans Werk. Das stört geradezu bei der Sonate op. 109, die mir im prägnanten Zugriff von Pollini (Präferenz!) oder von Grimaux weitaus besser gelungen scheint. Zwischen der neuen und der 25 Jahre alten Aufnahme der Mondschein-Sonaten liegen (fast) Welten, aber wie frisch und zupackend ist die ältere Interpretation im Gegensatz zur neuen, zwar sehr sensiblen, aber auch zu romantisch verträumten. Dass Pires es mit dieser Romantik und Innerlichkeit Ernst meint, ziegt die von ihr konzipierte und mit von ihr ausgewählten Gedichten ausgestattete CD-Verpackung, die nicht jedermanns Sache sein wird, ich denke, hier ist zuviel des Vollmondes getan worden. Auch wäre auf der Hochpreis-CD noch genügend Platz für eine vierte Sonate gewesen. Bleibt zu hoffen, dass Pires bei ihren künftigen Aufnahmen wieder mehr zu ihren früheren, kernigen und direkterem Zugriff findet, wie er auch in ihren Mozart-Sonaten zu hören ist.