Den Streit zwischen den Bewunderern von Virtuosentum als Selbstzweck und den Anhängern einer werktreuen Interpretation wird es immer geben.
Michael Korstick hat vor der Einspielung dieser Aufnahme ausgedehnte Studien im Autographen betrieben und legt hier eine Interpretation vor, die es sich zum Ziel genommen hat Beethovens Werk so erklingen zu lassen wie es gemeint war.
Es wäre nun paradox zu glauben, daß dieses Ziel von einem Pianisten erreicht werden könnte, der nicht über die nötigen Klangfarben verfügt oder sie - aus Gründen der Werktreue - nicht einsetzt. Selbstverständlich müssen auch bei werktreuer Interpretation alle erforderlichen Klangfarben eingesetzt werden. Wenn daran Mangel besteht, ist die Interpretation nicht werktreu sondern einfach schlecht.
Korstick verfügt über alle Ausdrucksmittel, die für eine beispielhafte Interpretation erforderlich sind. Mehr noch, sein Beethoven klingt so plausibel, daß ich den Eindruck habe, Beethoven noch nie so gut gehört zu haben wie hier.
Im übrigen ist seine Technik viel besser als die vieler Konkurrenten, die es mit Virtuosentum probieren.
Aufnahmetechnisch ist diese Aufnahme ebenfalls vorzüglich gelungen: tonale Balance (schöner Klavierklang), großes Dynamikspektrum und gute Räumlichkeit sind vorhanden.
Diese Aufnahme hat den Preis der Deutschen Schallplattenkritik Vierteljahresliste 4/2005 erhalten.