Produktinformation
|
Zwei unterschiedliche Musikerpersönlichkeiten treffen da aufeinander: hier der immer noch temperamentvolle und -- wenn es um Musik geht -- streitbare Nikolaus Harnoncourt, dem selbst die Zeit nichts anhaben konnte, und dort der feinsinnige Aimard, in dessen Spiel die über zwei Jahrzehnte andauernde Arbeit als Solo-Pianist beim Ensemble InterContemporain ihre Spuren hinterlassen hat. Denn im Entdecken neuer Klänge, im intensiven Nachspüren der Bedeutung eines jedes einzelnen Tons erweist sich Aimard wieder als eine Koryphäe. Hinzu kommt noch: Nichts Eitel-Manieristisches verunklart seinen Stil. Und auch Harnoncourt bleibt sich treu: wie gewohnt scharfe Ecken und Kanten und ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber allem billigen Titanen-Pathos und Schönklang. Das Ergebnis ist deshalb auch keine "schöne Musik", sondern vielleicht eine wahrhaftige. --Teresa Pieschacón Raphael
Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten(Was ist das?)Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
|
So sind dabei herausgekommen: sehr differenzierte, sensible, in hohem Maße spontane, sinnliche und sinnvolle Lesarten der Konzerte, die den lyrischen Anteilen jedes einzelnen Konzertes ebenso ihren Platz einräumen wie ihren epischen Schwerpunkten.
Wer Pierre-Laurent Aimard einmal - z. B. in einem Gesprächskonzert - dabei erleben durfte, wie er etwa ein Klavierwerk von Boulez in seinen Einzelheiten und Strukturen diskutiert, dabei häppchenweise vorträgt und schließlich im Ohr des Zuhörers zusammenfügt und verstehbar macht, wird seine überlegenen analytischen, ebenso aber auch seine pädagogischen Fähigkeiten hinreichend schätzen. Diese Analytik ist Grundlage jeder Arbeit an der vielgeschundenen, hinreichend verkarajanisierten Ästhetik Beethoven'scher Musik, und zugleich ist sie offenbar der Treffpunkt zweier scheinbar so gegensätzlicher Ansätze, von denen Harnoncourt hie und Aimard dort herkommen.
Dabei ist es ganz hinreißend, was die beiden aus den so sattsam bekannten Werken an Neuem, Unerhörtem herausholen. Die Durchsichtigkeit des Orchesterklangs, den Harnoncourt aus dem Chamber Orchestra of Europe herauszaubert, schreitet von einem Hörgenuss zum nächsten musikalischen Höhepunkt. Und die Art und Weise, mit der Aimard sich in das Geschehen einfügt, ist vom Feinsten - übrigens nach den (leider im Substantiellen auf der Sachebene recht dürftigen) Ausführungen im Booklet in Verfolgung eines der erklärten Ziele: sich fernab vom Tastendonner und Virtuosentum zu bewegen.
Feinsinniges, hochsensibles Spiel mit dem Gespür für jede Kleinigkeit kennzeichnet das, was Aimard hier darbietet, ein Spiel, das durch eine Charakteristik besonders auffällt: es "perlt", mit einer ganz besonderen Leichtigkeit, und diese Leichtigkeit tut dieser Musik unendlich gut. Sie paart sich mit einem ungetrübten Gefühl für alle lyrischen, epischen und sonstigen Ausdrucksmomente in dieser Musik, die aufzugreifen Aimard mit seinen Mitstreitern versteht; man höre nur einmal darauf, wie er in der Exposition des Kopfsatzes im 2. Konzert die Solopassage angeht - dieser Ausdruck dürfte selten geworden sein.
Andererseits will ich auch noch ein wenig nörgeln: Vielleicht sind die ersten beiden Konzerte die schwierigsten überhaupt. Vielleicht aber schreien gerade sie nach historischem Instrumentarium. Jedenfalls: so überzeugend, wie die Einspielung der Konzerte Nrn. 2 und 1 durch Levin und Gardiner (diese möchte ich nicht missen!), empfinde ich das, was Aimard und Harnoncourt hier vorlegen, nicht. Und ein Ankerpunkt hierzu wird das völlig andere Tempo sein. Aimard merkt hierzu an, die Nutzung des modernen Instrumentariums erfordere langsamere Tempi, als vom Komponisten vorgeschrieben. Die Prämisse mag man mit einem Fragezeichen versehen dürfen. Mindestens mag sie die Frage erlauben, ob dies denn nicht der Nutzung des modernen Instrumentariums gerade entgegenstehe.
Vergleicht man Aimards und Harnoncourts Tempi mit anderen Aufnahmen, gehören sie ganz sicher nicht in die Kategorie Raser - ganz im Gegenteil. Dessen ungeachtet gilt: Es dürfte schwer fallen, ähnlich rundum überzeugende Aufnahmen der Klavierkonzerte unter den bisherigen Einspielungen zu finden oder aber vorzulegen. Das gilt auch und sogar für die ersten beiden Konzerte, wenn man denn die grundsätzliche Entscheidung gutheißt, modernes Instrumentarium zu verwenden.
Bevor er Harnoncourt kennenlernte, hatte Aimard nicht daran gedacht, jemals die alten "Schlachtrösser" der Klaviersymphonik einzuspielen. Wie gut, dass Harnoncourt ihn überzeugen konnte! Diese Live-Einspielungen sind echte Bereicherungen des an - auch sehr guten - Parallelaufnahmen wahrlich nicht armen CD-Marktes. Dafür sei den beiden großer Dank gesagt!
Nach mehrmaligem Hören schwinden dann auch die Zweifel am Sinn einer Neuaufnahme dieser Werke, die schon hundertfach auf dem CD-Markt existieren. Alle Konzerte sind live in Wien oder Graz aufgenommen, und die Spontaneität des Zusammenspiels im Konzertsaal trägt positiv zum Gesamteindruck bei. Der Gedankenaustausch zwischen Orchester und Pianist wirkt ungezwungen, die Balance zwischen beiden gelungen. Die Entscheidung, die Werke mit einem Kammerorchester zu spielen, ist unter diesen Vorzeichen zu begrüßen, zumal es den vielfach aufgeführten Werken etwas von dem ihnen manchmal anhaftenden Pomp und Behäbigkeit nimmt. Harnoncourt sorgt dabei für eine Transparenz und Deutlichkeit der Artikulation, die man schon an seinen Beethoven-Sinfonien vor etwa 10 Jahren zu schätzen wußte. Ergänzt wird dies durch die musikalische Intelligenz und den Ideenreichtum von Aimard - man hört, daß der französische Pianist mit Elan und ungebremster Neugier an diese fünf Klassiker herangeht. Seine eleganten, nie aufdringlich auf Originalität abzielende Phrasierungen und die makellose Technik beeindrucken. Die musikalische Konzeption von Aimard und Harnoncourt geht in den ersten drei Konzerten am besten auf, bei denen man viele Details neu entdeckt und Passagen dem Hörer plötzlich in neuen Licht erscheinen, selbst wenn man sie schon sehr oft gehört hat. Hier steht diese Einspielung meines Ermessens nach gleichberechtigt neben den ebenfalls sehr gelungenen Kombinationen Brendel/Rattle, Oppitz/Janowski und Pollini/Abbado. Zwar wählt Aimard durchweg langsamere Tempi, macht dies aber durch sein durchdachtes, einfallsreiches Spiel wett.
Weniger gelungen erscheinen mir die Interpretationen der letzten beiden Werke - im vierten fehlt mir das nötige emotionale Engagement, die energiegeladene Lyrik, die etwa Hélène Grimaud (Teldec) auszeichnet. Auch im fünften Konzert wirkt die noble Zurückhaltung, die Abwesenheit einer gewissen Prise Monumentalität, etwas unangebracht. Gerade hier gibt Beethoven dem Pianisten - und auch dem Orchester - die Möglichkeit zur Dramatik; Aimard und Harnoncourt entdecken zwar auch hier im Notentext noch musikalische Kleinodien, wirken aber im Vergleich zu anderen Einspielungen etwas blaß.
Die Klanqualität ist - gemessen an der Tatsache, daß es sich um eine Live-Aufnahme handelt - gut. Der Preis ist allerdings - gemessen an der Konkurrenz hervorragender Mid-Price-CDs - vergleichsweise hoch, vor allem da andere Gesamteinspielungen entweder die Chorfantasie (Brendel/Haitink) oder das transkribierte Violinkonzert (Oppitz/Janowski) mit dazu bieten.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|