Diese CD habe ich gekauft, nachdem ich bei Arte eine Doku über die Aufnahme selbst gesehen habe. Das Zusammenspiel von Interpretation und den Bildern dazu war über alle Maßen beeindruckend. Natürlich hat seinen Teil dazu beigetragen, daß Anderszewski etwa eine halbe Stunde lang erklärt hat, warum er es so spielt und nicht anders -- so eine Gelegenheit, etwas über den Hintergrund einer Interpretation zu erfahren, bekommt man nicht oft.
Die Interpretation an sich ist vor allem eines: überaus differenziert und mitreißend. Kein Einheitsgedudel wie bei Weissenberg, aber auch emotionaler als die relativ neue Einspielung von Maurizio Pollini. Selbst wer die Bilder nicht vor Augen hat, kann zum Greifen nahe erfühlen, wie involviert Anderszewski ist -- die Leidenschaft hat hier durchaus auch manchmal etwas mit Leiden zu tun.
Anderszewski schafft es, jeder einzelnen der ja recht vielfältigen und zahlreichen Variationen etwas Eigenes abzugewinnen und alles zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Sein Spiel bringt eine sehr wichtige Struktur (den roten Faden) in das Werk, durch die sich der Hörer im Strom der Musik mitgezogen, manchmal in der Tat mitgerissen fühlt. Hier wird Musik nicht analysiert, hier wird Musik gelebt.
Obwohl es eine Studio-Aufnahme ist, kommt nie das Gefühl auf, die Musik sei beengt. Auch ein Konzertsaal muß sich nicht besser anhören. Der Klang ist sauber und vor allem direkt, mit höchstens leichter Vernachlässigung des Baßbereichs -- aber selbst dieses Manko, so man es denn so empfindet, verblaßt hinter der Kraft, die der gesamten Einspielung entströmt.
Ein Erlebnis!