Als Vergleichsaufnahmen liegen mir die Gesamteinspielung mit Pierre-Laurent Aimard und dem Chamber Orchestra of Europe unter Harnoncourt sowie die alte Gesamtaufnahme mit Leon Fleisher und dem Cleveland Orchestra vor, sowie zu einzelnen Konzerten Aufnahmen mit Brendel und Pollini - allesamt erstrangige Einspielungen.
Im Vergleich dazu machen Michael Roll und Howard Shelley eine überraschend gute Figur. Es ist eine frische, schwungvolle Einspielung mit einem sehr genau und perlend spielenden Pianisten. Diese Aufnahmen zu hören, macht einfach Freude! Beethoven wirkt dabei weniger ernst und schrecklich tiefsinnig-bedeutend als sonst schon mal. V.a. das 5. Konzert, das meiner Meinung und Erfahrung nach sehr flach und oberflächlich klingen kann oder aber aufgeblasen und bedeutungsschwer, kommt hier so spontan und in gutem Sinne unkompliziert rüber, wie ich es noch nie gehört habe. Ich habe mir zum Vergleich danach noch einmal meine vorhandenen Aufnahmen mit Harnoncourt und Szell angehört, die eine schwerfällig und übergenau die Akzente ziselierend, die andere wie eine plumpe Militärkapelle. Gerade in diesem Konzert scheint mir die vorliegende Aufnahme deutlich überlegen. Dasselbe gilt aber auch für die anderen Konzerte: spritzig, in der großen musikalischen Linie "atmend" und schwingend, eher extrovertiert als grüblerisch. Ein faszinierender Zugang zu Beethoven!
Michael Roll ist Engländer, die Eltern stammen aus Wien. Er leitet eine Meisterklasse für Klavier an der Folkwang-Hochschule in Essen. Die Gesamtaufnahme der Beethoven-Konzerte ist von der Kritik enthusiastisch aufgenommen worden und erhielt u.a. den Editor's Choice der renommierten Fachzeitschrift Gramophone.