In den vorangegangenen Rezensionen wurde schon viel richtiges und nützliches gesagt. Das braucht man nicht zu wiederholen. Ich will deswegen hier nur meinen ganz subjektiven Eindruck zu dieser Einspielung kundtun. Richtig ist sicherlich, das die Zusammenstellung der beiden Violinkonzerte etwas ungewöhnlich erscheint. Ob das an sich schon ein Fehler war, da bin ich mir aber nicht so sicher. Die Beethoven-Einspielung erweist sich aus meiner Sicht als gekonnte, professionelle Aufnahme, bei der vor allem die akzentuierte, gut abgestimmte Spielweise der "Deutschen Kammerphilharmonie Bremen" unter Paavo Järvi voll überzeugt. Janine Jansens Spiel weist wie gewohnt die für sie so typische Geradlinigkeit und Lebendigkeit auf und ist auch technisch durchaus in Ordnung. Dennoch wurde ich gleich beim ersten Hören das Gefühl nicht los, das hier irgendwie mit angezogener Handbremse gespielt wurde. Die Violine ist immer ein klein wenig hinten dran. Vielleicht war hier etwas Angst oder Vorsicht in Anbetracht des Nimbus von Beethovens Konzert im Hintergrund dabei. Alles relativ perfekt aber es fehlt einfach das gewisse Etwas, zu dem Janine Jansen ja fähig ist, wie man vor Allem aus einigen Live-Konzerten weis. Zugegebenermaßen ist dies Kritik auf hohem Niveau und sie trifft in abgeschwächter Form auch auf frühere Einspielungen von Ihr zu. Von anderen Solo-Violinisten will ich in diesem Zusammenhang erst gar nicht sprechen.
Das Britten-Konzert ist aus meiner Sicht der absolute Hammer. Hier zeigt Janine Jansen all das, was sie immer schon erhoffen ließ und endlich auch einmal in einer Studio-Fassung. Hier finden technische Raffinesse und leidenschaftlicher Ausdruck zusammen. Die Violine windet sich wie eine einzige stehende Linie durch das gesamte Stück hindurch - immer voll auf der absoluten Höhe des Geschehens. Einmal beinahe wild - dann wieder sanft und alles vollkommen in Einklang zueinander. Ich hatte das Gefühl, hier wurde mit vollem Risiko gespielt, um das Beste aus sich rauszuholen. Mich hat das jedenfalls begeistert und verzaubert. Ich bin beim Hören jedes mal richtig weggeflogen. Natürlich passt Janine Jansens Spiel- und Ausdrucksweise zu solchen Werken aber auch von vorne herein besser als zu Beethoven. Im Endeffekt halte ich Janines Britten-Konzert für so gut, das ich ihm einen Referenz-Charakter zuweisen möchte. Das bedeutet, ich kann mir nicht vorstellen, das irgend jemand dieses Stück noch einmal besser spielen wird - höchstens vielleicht anders und genau so gut. Bisher gibt es zu dieser Fassung nach meinem Kenntnisstand und Musikverständnis jedenfalls keinen Vergleich. Wenigstens erwähnen muss ich auch, das das "London Symphony Orchestra" bei dieser Aufnahme ebenfalls eine absolute Glanzvorstellung bietet, was natürlich für das Erreichen eines solchen Ergebnisses absolut zwingend ist.
Abschließend will ich sagen, das allein das Britten-Konzert den Kauf dieser CD vollauf rechtfertigt! Schön ist es aber, das noch ein anderes Stück mit dabei ist.