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Produktinformation
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Beerholms Kindheit und Jugend ist dadurch gekennzeichnet, dass er moderat unglücklich wurde. Mit zehn Jahren kam er in ein Schweizer Internat, mit 23 empfing er die niederen Priesterweihen. Diese Faszination für Theologie entstand aus einem noch undeutlichen Lebenziel heraus, "Ich wollte mir über eine Möglichkeit, die in der Ferne Gestalt annahm, klar werden, über eine irritierende mathematische Konstellation, über zwei Parallelen, die sich in einer nebligen Unendlichkeit berühren wollen.", so reflektiert Beerholm über die ersten Zauberkunststücke seiner Jugendzeit.
Vom Priesterkandidaten wechselt er zum Zauberer, macht kleine Kunststücke und arbeitet als Betrüger beim Pokerspiel. Sein Traum verwirklicht sich aber, als er sich als Schüler dem großen Magier Jan von Roden aufdrängt. Arthur Beerholm bringt es mit von Rodens Hilfe zum besten Täuschungskünstler der Welt. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens gelingt es ihm sogar, der Materie seinen Willen aufzuzwingen. Er kann Schaufensterscheiben zersplittern lassen und setzt in einem Park einen Busch in Brand. Ihn selbst lassen seine Erfolge allerdings ziemlich kalt, denn das Ziel seines Lebens, jene zwei Gegensätze, Realität und Fiktion haben sich für ihn ununterscheidbar vermischt.
Fasziniert beobachtet er, wie er als Magier so perfekt wird, dass Dinge und Welt ihm zu gehorchen scheinen und seine Zauberkunststücke wie von selbst gelingen. Am Ende kündigt er an, aus dem Fenster zu springen und seinem Leben ein Ende zu bereiten.
Beerholms Vorstellung ist ein solide erzählter Roman ohne große Aussetzer. Beerholm ist ein bemühter Selbstdarsteller, ruhig und abgeklärt erzählt er sein Leben. Sein Erzählstil ist erklärend, reflexiv, allerdings ohne geschwätzig zu sein oder Überflüssiges zu erzählen. Die faszinierende Kälte von Beerholms Empfinden fängt Kehrmann mit Hilfe eines äußerst lakonischen und zurückhaltenden Stils ein. Allerdings ist das Buch nicht ohne Längen, die vor allem auf den ersten 100 Seiten des Buches zu suchen sind.
Der Roman ist ein beachtlicher Erstling ohne große Schwächen, gut zu lesen, allerdings auch ohne große Stärken und spektakuläre Schilderungen; ein interessantes Stück reflexiver Prosa. --Christoph Steven -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
«Beerholms Vorstellung»: Daniel Kehlmanns Romandébut
Ein junger Mann sitzt auf der Aussichtsterrasse eines Fernsehturms. Einen ganzen Monat lang ist er jeden Tag hergekommen. Er hat sich immer an den gleichen Tisch gesetzt: ganz am Rand, neben dem Geländer, am Abgrund. Die Kellner kennen ihn und behandeln ihn mit zuvorkommendem Respekt. Tag für Tag sahen sie ihn kommen mit der Aktentasche unter dem Arm; jeden Tag sahen sie ihn an seinem bevorzugten Tisch schreiben, mal mehr, mal weniger. Nun ist der letzte Tag des Monats gekommen, und der bekannte Zauberkünstler Arthur Beerholm schreibt am letzten Kapitel seiner Lebensgeschichte. Bleibt ein Ausblick auf das, was noch aussteht: das freilich ist in wenigen Worten erzählt, wenn auch mit gewissen Unwägbarkeiten behaftet. Der Ausgang der Geschichte wird mit den Gesetzen der Schwerkraft, der Fallgeschwindigkeit von Körpern und der Herbeiführung der Unendlichkeit zu tun haben.
Der 1975 in München geborene und in Wien lebende Daniel Kehlmann hat in seinem Romandébut «Beerholms Vorstellung» einen diskreten, aber bis zur letzten Seite tragenden Rahmen gegeben. In zwölf Kapiteln lässt er den Zauberkünstler Beerholm von seinem erhabenen Standpunkt aus Rückschau halten: auf ein Leben, das in mehrfacher Hinsicht im Zeichen der Hyperbel stand. Erst erschütterten den Jugendlichen die mathematischen Probleme der Unendlichkeit so sehr, dass er sich von der fallenden Hyperbelkurve herunter in die Theologie rettete (um da über Pascal zu promovieren). Später und kaum den Theologen entronnen, trug ihn seine zur Perfektion getriebene Zauberkunst auf der steigenden Hyperbelkurve in schwindelerregende Höhen des Erfolgs. Nun steht ihm ein letzter Höllenritt auf dieser Kurve bevor, diesmal in entgegengesetzter Richtung: Zeit also für eine letzte Rechtfertigung.
Die Apologie richtet sich an eine Frau, die an Stehparties und ähnlichen Gelegenheiten durch das Buch geistert, sonst aber mysteriös im Hintergrund bleibt. Was der Erzähler von ihr behauptet: er habe, gerade «wie ein Bildhauer seine Figur aus dem Stein holt», sie «aus dem Reich des Möglichen geschält», wir müssen es ihm, dem Zauberer (wenn auch widerwillig), glauben. Ihr, seiner Geliebten, die ihn, kaum erschaffen, auch schon verlassen hatte, erzählt er von seiner Herkunft: Einen Vater hatte er nicht, die Mutter gab ihn zur Adoption frei, die Stiefmutter wurde vom Blitz erschlagen, den Stiefvater nannte er nur bei seinem Familiennamen. Ausführlich schreibt er ihr, wie er in die Theologie ein- und wieder ausstieg und wie er, gegenläufig, der Zauberei entrann und wieder verfiel: weit brachte er es in seiner Kunst zuletzt. Nur zu weit. Wohl wissend, dass hinter seiner Kunst die Lüge steckt, wollte er dennoch Magier sein, nicht bloss ein Clown, der «ständig zu dem, was er tut, entschuldigend grinst». Bis ihm die Sache eines Tages ausser Kontrolle geriet und seine Gedanken sich unmittelbar in Wirkung umsetzten: brennende Büsche etwa oder berstende Schaufenster. So jedenfalls behauptet er es in seinem Lebensbericht. Was folgt, ist nur noch ein trauriger Abgesang: eine letzte, missglückte Vorstellung, danach Flucht und zuletzt, einen Monat lang, der tägliche Gang auf den Fernsehturm.
Daniel Kehlmann erzählt das alles durchaus geschickt. Allenthalben setzt er wie Warnlichter Vorzeichen ins Geschehen. Mitunter beschleunigt er das Erzähltempo, doch nur, um schon Seiten später die Handlung wieder zu verschleppen. Man spürt sein Talent für die Choreographie der Figuren und die Dramaturgie der Handlung. Freilich: Mit blindem Griff bedient er sich in der Metaphernkiste und greift oft daneben: mal sind seine Bilder schlicht albern («irgendwo in mir hob sich eine schwere, schaumgekrönte Welle aus Stolz»), gelegentlich aber regelrecht hanebüchen («Das Waser auf dem Boden bemühte sich hastig, zu Dampf zu werden»).
Und noch ein Einwand wiegt schwer: Daniel Kehlmanns Roman weist verdächtige Ähnlichkeit auf mit Hermann Burgers Erzählung «Diabelli». Sowohl in der Erzählsituation (Burgers Zauberkünstler Diabelli erträgt «den Blick hinter die eigenen Kulissen» nicht mehr und zeichnet in einem Abschiedsbrief einige Erinnerungen auf) wie in der Figurenzeichnung häufen sich auffällige Parallelen. Auch Diabelli ist ein Adoptivkind und also herkunftslos und versteht seine Kunst als Versuch, die verlorene Mutter herbeizuzaubern. Wie Beerholms Lebenskurve steht auch seine im Zeichen der Hyperbel, und sein Selbst droht er im Augenblick zu verlieren, als ihm die Zaubertricks in Magie umzuschlagen scheinen. Vieles, was uns Kehlmann von seinem Beerholm sagt, liest sich bei Burger besser und konzentrierter. Mit ein wenig mehr Umsicht hätte Kehlmann dem Vergleich zuvorkommen müssen; nun fällt er für sein im übrigen beachtliches Début leider weniger schmeichelhaft aus.
Roman Bucheli -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein großes Talent und traumhaft phantastisches Buch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung. (Taschenbuch)
Mir sind nur wenige Schriftsteller bekannt, die die skurrile Leistung eines sich selbst erzeugenden Buches vollbracht haben. Daniel Kehlmann kann das, auch wenn die Phantasie dabei manchmal (nach meinem Geschmack noch zu oft) mit ihm durchgeht. In Anlehnung an M. C. Escher sich selbst zeichnenden Hände hat Kehlmann dieses Buch geschaffen. Autor und Leser wissen nicht: Träume ich oder ist das Wirklichkeit? Alles hängt mit allem zusammen. Kehlmann, Beerholm und der Leser stehen vermeintlich mehrfach kurz vor der alles umfassenden Erkenntnis, dem Verstehen der universalen Zusammenhänge. Und nicht nur Beerholm ergreift dabei der Schwindel, so, wenn er den (meta-) physischen Zusammenhang der mathematischen Unendlichkeit und dem christlichen Glauben herstellt. Immer wieder beschreibt Kehlmann in seinen Werken Menschen an der Grenze zum Wahnsinn, hier den Zauberer, Magier Beerholm. Kehlmann ist dabei nichts heilig. Allmachtsphantasien suchen Kehlmann, pardon, Beerholm heim. Selbst vor christlichen Allegorien wie der des "brennenden Busches" macht er nicht halt. Am Ende, so scheint es, gehorcht ihm gar die Materie. Doch gleich Ikarus, der der Sonne zu nahe kommt, ist der Absturz Beerholms programmiert, natürlich nicht, ohne die Fallgeschwindigkeit vorher zu berechnen. Traumgleich erschafft Beerholm sich auch seine Eva/Nimue, von der weder er noch der Leser letztlich genau sagen können, existiert sie nur in seiner Phantasie oder ist sie wirklich? Ein im wahrsten Sinne des Wortes "traumhaftes" Buch. Allerdings nur für Leser, die so etwas schätzen. Unschwer lassen sich Anlehnungen an große andere Autoren erkennen. So erinnert mich nicht nur das Kapitel 4 stark an Hermann Hesses "Glasperlenspiel". Am Ende dieses Buches wacht der Leser wie aus einem schweren Traum auf - und fragt sich "Habe ich das nun gelesen? Oder habe ich nur geträumt, so ein Buch gelesen zu haben?" Ich versichere Ihnen, ich bin mir selber nicht ganz sicher ... Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
fesselnde Melodramaturgie,
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Gebundene Ausgabe)
Lange nicht habe ich einen Roman gelesen, der mich so sehr angesprochen hat und die Identifikation mit dem äusserst sensiblen, menschenscheuem Protagonisten war rührend.Ein Idealist mit einem Traum, der es ihm kurzzeitig ermöglicht, der Realität zu entfliehen, doch schließlich in den Wahnsinn treibt. Gleichzeitig ein Kampf gegen die stumpfsinnige Masse Menschheit und der erneute Beweis für die Beschränktheit des menschlichen Geistes im Versuch Gottes Schöpfung zu verstehen. Der beste Roman Kehlmanns, obwohl der warscheinlich unbekannteste. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Mathematik + Religion = Magie ??,
Von
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
Dieser Roman des mittlerweile renommierten Autors stammt aus dem Jahre 1997, als Kehlmann gerade 22 Jahre alt war. Darauf weist auch der hohe Anspruch hin, den er in der romanhaften Verbindung von Mathematik, Religion und Magie stellt. Ein anderer hat vor ihm ein ganzes Leben gebraucht, um diese drei Gebiete in einem umfassenden Werk zu "fassen", doch Kehlmann wollte offensichtlich im Schnelldurchgang und auf 250 Seiten erfassen, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Seine schriftstellerische Qualität zeigt sich immerhin darin, dass der Versuch nicht zur Lächerlichkeit gerät, obwohl er die drei Gebiete im "Handstreich" erobert.Der Ich-Erzähler wächst - überdeutliches und dramaturgisch nicht notwendiges Symbol für die "Unbehaustheit" des Menschen - als Adoptivkind eines kinderlosen Ehepaares auf. Nach dem frühen Blitzschlagtod der Ziehmutter - nächster ironischer Symbolverweis auf das Überirdische! - bringt er die folgenden Jahre in einem Schweizer Internat zu, wo er schon bald seine Liebe zur Mathematik entdeckt. Doch die Abgründe der Mathematik, nämlich das in dieser Wissenschaft geradezu obszöne Aufscheinen des Undefinierten - vulgo: Unendlichkeit - in der Gestalt der Singularität schockieren den von der in sich geschlossenen Logik der Mathematik faszinierten Jungen geradezu elementar. Dass eine mathematische Funktion - als Beispiel nennt Kehlmann f(x)=4/x - an einer Stelle ins "Unendliche", nicht mehr Fassbare ausbrechen kann, nimmt für ihn jenseitigen Charakter an, was seine Hinwendung zur Religion zur Folge hat. Er beschließt Theologie zu studieren und bringt es auf diesem Gebiet sogar zu den niederen Priesterweihen. Doch wochenlange Exerzitien mit absolutem Rede-, Arbeits- und Leseverbot lassen ihn an der strengen, keiner menschlichen Logik zugänglichen Disziplin der Religion zweifeln. Die bedingungslose Unterwerfung unter einen nicht hinterfragbaren Glauben lässt ihn zum zweiten Mal ausbrechen und sich in seine Jugendleidenschaft, die Magie, retten. Diese Rückwendung zur ursrprünglich kindlichen Zauberei - und nichts als eine professionelle Variante dieses Zeitvertreibs ist es anfangs - wirkt wie eine Kapitulation vor den erkenntnistheoretischen Grenzen des menschlichen Geistes. Was man weder mit Mathematik noch mit Religion erklären kann, dem musss man in geradezu verzweifelter Ironie mit dem Zaubertrick gegenübertreten. So wie die Kunst des Zauberers aus simplen, wenn auch lange geübten Tricks besteht, so ist auch die Welt nur ein Zaubertrick einer höheren Instanz, die sich über die dummen Zuschauer lustig macht. Auch wenn Kehlmann mit diesem Buch eine durchaus spannende, temporeiche und über weite Strecken geistreiche Geschichte entwickelt, zielt der Themenkomplex letztlich doch höher als die Kugel schließlich fliegt. Zu schnell werden die weiten Felder der Mathematik und der Religion durchschritten und im Vorbeigehen abgegrast, zu wenig trägt die Magie wirklich als Alternative oder als Pakt mit dem Bösen; zu sehr bleibt die Geschichte im Unverbindlichen weil nur Originellen stecken. Dennoch ist die Lektüre jedem durchschnittlichen Thriller oder den pseudo-tiefsinnigen Nabelschauen schwermütiger Jungdichter vorzuziehen, und die Gedanken über Mathematik und Religion entbehren nicht einer gewissen Originalität. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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