Kurzbeschreibung
Im Vordergrund stehen unüber-sehbar Wertfragen, insbesondere die Frage, welchen Stellenwert der Autonomie eingeräumt werden soll. Gegenüber der weitreichenden Autonomie, wie sie durch ein bedingungsloses Grundeinkommen als einer "Demokratisierung der geistesaristokratischen Muße" ermöglicht würde, erheben die Vertreter der "Arbeitsgesellschaft" Einwände, die vor allem ein Autonomiemisstrauen bekunden, sodass sich die Frage stellt, wie viel Autonomie können und wollen wir uns und unseren Mitmenschen zumuten und zutrauen? Haben traditionelle Sprichwörter der "Arbeitsgesellschaft" wie "Müßiggang ist aller Laster Anfang" recht oder kommt darin umgekehrt genau die Borniertheit zum Ausdruck, die Arendt im Auge hatte, wenn sie sagte "diese Gesellschaft kennt kaum noch vom Hörensagen die höheren und sinnvolleren Tätigkeiten, um derentwillen die Befreiung sich lohnen würde"?Mit der Durchführung der Schröderschen Arbeitsmarktreformen ist der schon einmal in den 1980er Jahren diskutierte Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens und die mit ihm verbundene Diagnose einer "Krise der Arbeitsgesellschaft" in die reformpolitische Debatte zurückkehrt. Sie bilden eine sich zunehmend artikulierende "Antithese" zu dem in Deutschland von der rot-grünen Bundesregierung eingeführten Modell der "aktivierenden Arbeitsmarktpolitik", das unter anderem eine Kultur des Misstrauens gegenüber Arbeitslosen institutionalisiert hat. Vor diesem Hintergrund versammelt das vorliegende Buch sozialwissenschaftliche Diskussionsbeiträge. Im Anschluss an eine Rekapitulation und Neuformulierung dieser Diagnose, die in Deutschland erstmals von Hannah Arendt prononciert formuliert wurde und nun wie eine "Wiederkehr des Verdrängten" eine Renaissance erfährt, folgen darauf bezogene zeitdiagnostische Fallrekonstruktionen sowie Beiträge zu Fragen der Realisierung des Grundeinkommensvorschlags.
Über den Autor
Manuel Franzmann, geb. 1968, Magister in Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse, war bis Ende 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter im soziologischen Forschungsprojekt des DFG-Sonderforschungsbereichs »Wissenskultur und gesellschaftlicher Wandel« an der Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Der vorliegende Sammelband ist aus diesem Zusammenhang hervorgegangen. Er ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Nordrhein-Westfalen, darüber hinaus Dozent und Doktorand am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität. Jüngste Veröffentlichung: (mit Christian Pawlytta) Gemeinwohl in der Krise? Fallanalysen zur alltäglichen Solidaritätsbereitschaft (Forschungsbeiträge aus der Objektiven Hermeneutik, Bd. 10), Frankfurt am Main: Humanities Online, 2008