Ein Film, der genauso gut in der Mitte hätte beginnen können und mit dem Prolog hätte enden können.
Ole Bornedal überrascht das europäische Publikum nun mit einem etwas anderen Film, wie man es sonst von ihm erwartet ist (er schuf u.a. den Horrorklassiker "Nattevagten" und die skurill-amüsante Science-Fiction-Groteske "Alien Teacher").
Kommen wir nun zu "Bedinungslos", der im Original glaub ich schlicht und einfach "Julia" heißt. Und um die geht es auch. Ein Film, der sich keiner durchgehenden Handlung verpflichtet fühlt aber dennoch eine erkennbare Struktur vorweist, die allerdings nicht gerade originell ist, jedoch mit originellen und innovativen Wendungen als auch inszenatorische Spielerein gespickt ist.
Es ist im Grunde die Inszierung an sich, was diesen Film auszeichnet. Bornedal wagt sich auf das Gebiet seinens Landesvetter Lars von Trier. Auch wenn er dessen Originalität und Stilmittel in keinster Weise erreicht, schuf er einen Film, der sich durchaus mit von Triers einfacheren Werken messen kann.
Die Story an sich ist relativ schlicht und ich werde darauf nicht weiter eingehen. Die 2 Hauptdarsteller machen ihre Sache ziemlich gut und viele Szenen leben allein von den Bildern, was dazu führt, dass sehr oft einfach der Ton stumm ist und man nur die Kraft der Bilder inhaliert. Das ist für Mainstreamler harte Kost, muss ich zugeben. Der Film ist für Popcorn-Kinogänger sehr zäh und etwas träge erzählt, da er sich auch jegliche konventionellen Erzählweisen verweigert. Es gibt da eine sehr starke Szene, welche aus mehreren zusammengesetzt ist und teilweise auch elegant mit den Zeiteben spielt. Diese Szene ist allein mit Vivaldis "Die 4 Jahreszeiten" untermalt. Das hört sich jetzt etwas komisch an, aber dieser Szenenzusammenschnitt ist so unglaublich stark und mitreißend, bei der ich das Gefühl hatte, das ist der beste Film, den ich je gesehen hatte.
Ist er aber nicht. Dafür ist die Grundidee nicht gut genug ausgereift und auch verschenkt die deutsche Tonspur viele Punkte
(Ich schaue bei Erstsichtungen immer erst den Film auf deutsch an, um die Geschichte 100% zu verstehen. Alle Sichtungen danach erfolgen in der Originalsprache).
Noch etwas zum Technischen.
Die Musik ist ruhig gehalten, hypnotisiert aber durch die Kraft der Bilder zugleich auch die Zuschauer. Das Ende ist meiner Meinung nach ein heftiger Schlag in die Magengrube und ist nicht leicht zu verdauen (sprich es ist künsterlisch ziemlich verstörend - erwartet da keinen Splatter oder ähnliches.;))
Ich kann diesem Film keinen Genre zuweisen. Es ist im Grunde ein kammerspielartiges Drama mit Anleihen beim Film-Noir, hat jedoch auch einige Elemente eines Thrillers, streift aber teilweise auch Elemente der Mediensatire.
Ich könnte noch 100 Seiten über den Film schreiben - ich bin einfach fasziniert. Die Kurzfassung sollte reichen.
Absolute Filmempfehlung für Fans des europäischen Kinos.
Ich würde diesen Film auch als Einstieg in das sogennante "Arthouse"-Genre empfehlen. Nicht zu schwer, aber dennoch interpretationsfähig.
Punkt.