"Bedenke Phlebas" passt in kein vorgefasstes Schema.
Die Geschichte hat sicherlich Elemente der Space Opera, also riesige Raumschiffe, gigantische Raumschlachten, Artefakte untergegangener Zivilisationen, heroische Helden, das Entrinnen aus Gefahren um Haaresbreite und einen epischen Konflikt Gut gegen Böse.
Aber welche Seite ist denn nun die Gute? Beide Seiten glauben sich moralisch im Recht und verwenden doch Massenvernichtungswaffen, wenn auch zunächst mit Vorwarnung. Am Ende des Buches wird ein Ausblick auf die Zukunft gewährt und die genannten Zahlen sind gross genug um die aktuelle Erdbevölkerung zig-mal darin untergehen zu lassen.
Aber zurück zur eigentlichen Geschichte, Horza ist ein Gestaltwandler, eine Mitglied einer genetisch modelierten Spezies von Humanoiden die in der Lage sind die genetische Struktur von Personen zu übernehmen um diese dann zu ersetzen. Das geht natürlich in der Regel nur wenn die ersetzte Person umgebracht wird. Horza ist also ein gemeiner Meuchelmörder oder, aus einem anderen Blickwinkel, ein genialer James Bond, dessen Körper eine der gefährlichsten Waffen ist.
Als Agent der Iridianer, einer religiös motivierten sehr langlebigen Spezies, versucht Horza ein Raumschiffsgehirn der "Kultur" zu Bergen damit die Iridianer daraus Erkenntnisse und u.U. Gegenmassnahmen im Kampf gegen die "Kultur" finden können, da die künstlichen Intelligenzen der "Kultur" zu deren gefährlichsten Aspekten zählen.
Dummerweise ist das "Bewusstsein" des Raumschiffsgehirns noch unterentwickelt gewesen und es hat sich, als es "abgeschossen" wurde auf einer verbotenen Welt versteckt. Ein Verteidigungssystem einer uralten, inzwischen wohl transzendenten Rasse, schützt den Planeten effektiv sowohl vor dem Zugriff der Iridianer als auch der Kultur. Auf diesem kommt es dann Schlussendlich zu einem, in seiner Brutalität dem Konflikt angemessenen, Showdown.
Aber davor muss Horza es noch schaffen einer Söldnertruppe beizutreten. Der Kultur immer einen Schritt voraus sein.
Eine Fahrt auf einer Inselgrossen Titanic auf einer Ringwelt machen.
Den Tod eines Psychopathen unter den Söldnern überstehen.
Auf einer Insel stranden.
Einen seltsamen Kult kennenlernen.
Wieder Anschluss bei den Söldnern finden und dabei eine Agentin der Kultur mitnehmen.
Einen Hindernisflug seines Raumschiffs in einem anderen Vehikel absolvieren.
Die Barriere um den Museumsplaneten überwinden.
Ein wenig Atom-Ubahn fahren.
Am Ende der Achterbahnfahrt, denn so aufregend ist das Buch, bleibt die Gewissheit das das Universum ein brutaler Ort ist. Und das nicht jeder findet das der Konflikt es Wert war ausgefochten zu werden. Dafür, dass die künstlichen Lebensformen so intelligent sind, ist ihre Vorgehensweise im Endeffekt bemerkenswert primitiv. Die beste Verteidigung ist für die Kultur auch nur eine möglichst gute Offensive.
Ich finde das "Bedenke Phlebas" ein sehr gutes, vielschichtiges Buch ist, das einem einige Wunder und einige Abgründe zeigt. Die Figuren sind eher realistisch als heroisch gezeichnet, was einen starken Kontrast zu der überlebensgrossen Technologie bietet.
Lesen, lesen, lesen.