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Beck'sche Reihe, Geschichte des Osmanischen Reiches
 
 
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Beck'sche Reihe, Geschichte des Osmanischen Reiches [Taschenbuch]

Suraiya Faroqhi
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 127 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck; Auflage: 5 (3. Mai 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406460216
  • ISBN-13: 978-3406460210
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 11,8 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 93.975 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das historische Buch

Vorzeitig vergessene Grossmacht

Suraiya Faroqhis Einführung in die osmanische Geschichte

Ein Reich, das ein halbes Jahrtausend währte, an Grösse nur dem Römischen vergleichbar, das immer wieder kriegerisch an die Grenzen Mitteleuropas klopfte und uns zeitlich so nah steht, dass die europäischen Konflikte, die in den letzten Jahren die grausigsten Schlagzeilen machten, nicht zu verstehen sind, wenn man die Geschichte dieses Reiches nicht studiert.

Ein Reich, dennoch, das so gut wie vergessen ist, dessen Sprache nur wenige Spezialisten weltweit überhaupt noch beherrschen, an dem selten ein gutes Haar gelassen wird, erst recht nicht, wenn seine Nachfahren davon sprechen: Das Osmanische Reich ist ein Paradebeispiel für Geschichtsverdrängung an allen Fronten. 1923 fand es sein Ende, seit dann erst gibt es die Türkei. Osmanisch lernt dort heute fast niemand mehr, und an kaum einer europäischen Universität findet man Lehrstühle für Osmanistik.

Nun ist es jedoch nicht so, dass zum Osmanischen Reich keine Publikationen vorlägen; selbst auf deutsch und für eine breitere Öffentlichkeit findet sich Literatur. Eine populäre, mit Anekdoten gespickte Darstellung etwa bietet das 1995 erschienene Buch «Das Imperium der Sultane» des Journalisten Wolfgang Gust. Ein Werk ohne wissenschaftlichen Anspruch, das angesichts der herrschenden Ödnis gleichwohl dem Bedürfnis nach einer eingängigen, leicht zu lesenden Einführung entgegenkam. Welcher Mangel an brauchbaren Publikationen zum Osmanischen Reich auch auf akademischer Ebene herrscht, belegt indes gerade die Neuauflage der monumentalen, fünfbändigen «Geschichte des Osmanischen Reiches nach den Quellen dargestellt» von Nicolae Jorga (Primus 1997). Immer noch scheint dieses Werk vom Anfang des Jahrhunderts für alle Interessierten, zumal für Historiker ohne Osmanisch-Kenntnisse, unentbehrlich – obwohl sich Jorga wie seine Vorgänger allzu häufig unkritisch auf die osmanischen Historiographen stützte. Ein eher unreflektierter Umgang mit den osmanischen Quellen war bis weit in die siebziger Jahre üblich.

Umwertungen

Mit charakteristischer Verspätung geriet die Osmanistik dann jedoch ebenfalls in den von Edward Saids «Orientalism» (1978) ausgelösten methodischen Strudel der Orientwissenschaften. Mit polemischer Emphase manifestierte sich dies 1991 in dem Werk des amerikanischen Osmanisten Abou Al-Haj: «Formation of the Modern State» (Albany, N.Y., 1991). Abou Al-Haj prangerte an, dass die Osmanistik einerseits von den abschätzigen, aus osmanischen Quellen entnommenen Wertungen und Deutungsschemata durchsetzt ist, andererseits das Osmanische Reich nach den Kriterien des modernen europäischen Nationalstaats beurteilt – und demgemäss nur verurteilen konnte. Zur gerechten Einschätzung der Entwicklungen des Osmanischen Reiches müssten statt dessen unabhängige und wertungsfreie Kriterien angewandt werden.

Eines der spannendsten und einleuchtendsten Beispiele für den mittlerweile eingetretenen Wandlungsprozess der Osmanistik bietet das in der traditionellen Literatur als «Weiberherrschaft» titulierte Kapitel der osmanischen Geschichte. Gemeint ist der nach dem Tod Süleymans des Prächtigen (1566) gewachsene Einfluss des Harems, vor allem der Sultansmütter, auf die Staatsgeschäfte. Noch in dem bis heute an allen Universitäten gerne genutzten Standardwerk von Joseph Matuz, «Das Osmanische Reich. Grundlagen seiner Geschichte» (1985), finden sich dazu Ansichten, die mit einem unangenehmen Einschlag von Misogynie (und Rassismus) den osmanischen Quellen folgen:

Nicht nur der Sultan, sondern auch die hohen und höchsten Würdenträger hingen in erheblichem Masse von den höhergestellten Haremsdamen ab [. . .]. Auch bei politischen Entscheidungen sprachen sie ein gewichtiges Wort mit, obwohl sie dafür in keiner Weise qualifiziert waren. [. . .] Um der Macht willen waren ihnen selbst die verwerflichsten Mittel recht. [. . .] Die Damen im Serail lebten verschwenderisch und luxuriös, während sich gleichzeitig die Staatskasse immer mehr leerte. Natürlich wuchs auch der Einfluss der schwarzen Eunuchen, der Vertrauenspersonen der Haremsdamen. Diese schwarzen Agas, so ihr Name, waren ebenfalls bestrebt, ihre Macht auszubauen und Reichtümer anzuhäufen.

Zu einer Revision solcher Urteile, die nur den Gipfel des Eisberges darstellen, kam es dank der gender studies, die hier einen geradezu idealen Gegenstand vorfanden. Leslie Peirces bahnbrechende Studie «The Imperial Harem. Women and Sovereignty in the Ottoman Empire» (Oxford 1993) stellt heraus, dass die Herrschaft der Sultansmütter vielmehr einen stabilisierenden Faktor in einer Zeit intensiven Wandels und ständiger Machtvakuen darstellte, weil mehrere Generationen lang kein geeigneter Thronfolger im Amt und die Nachfolgeregelung unklar war. Ohne die vorübergehende Herrschaft des Harems hätte die osmanische Dynastie womöglich nicht überlebt.

Konzis und nötig

Die nun erschienene «Osmanische Geschichte» aus der Feder der Münchener Osmanistin Suraiya Faroqhi ist die erste Darstellung, die den Wandel in der Osmanistik an eine breitere, nicht spezialisierte Leserschaft weitergibt. Darin vor allem liegt die Bedeutung des zunächst unscheinbaren, denkbar knapp gehaltenen Buches. Am Beispiel «Weiberherrschaft» lässt es sich ablesen: Statt der Behauptung, die Sultansmütter seien «in keiner Weise qualifiziert», lesen wir bei Faroqhi: «Der Harem war eine komplizierte, stark hierarchisch gegliederte Institution; und es war kaum möglich, sich ohne beträchtliches politisches Geschick darin durchzusetzen.»

Die Kürze der Darstellung bewirkt, dass Faroqhi auf jede Art von narrativen Einlagen verzichtet. Die anekdotenreiche Eroberung von Istanbul, die bis heute die Phantasie türkischer Schriftsteller anregt – zuletzt in Nedim Gürsels auch auf deutsch erschienenem Roman «Der Eroberer» –, handelt Faroqhi in drei kargen Sätzen ab und stellt sich damit implizit gegen alle Geschichtsschreibung, die sich an vermeintlich einschneidenden Fakten orientiert und das hermeneutische Bemühen durch leicht vermittelbare Oberflächenreize ersetzt. Diese Enthaltsamkeit schafft auch Platz, der es erlaubt, selbst auf diesen kaum mehr als 120 Seiten noch einen Blick auf Künste und Hofkultur zu werfen. Und so steht nun in der Reihe «Beck Wissen» neben vergleichbar kurzen Abrissen zu «Kleopatra», «Haydns Streichquartetten» oder «Neurodermitis» auch eine «Geschichte des Osmanischen Reiches».

Leider ist es auf Grund der Knappheit der Einführung eher unwahrscheinlich, dass sie die überalterten bisherigen Standardwerke voll ersetzt; sie sollte aber als unabdingbares Korrektiv neben sie treten. In Zeiten der Balkankriege, der Diskussion um den türkischen EU-Beitritt, der Bürgerkriege, Grenz- und Unabhängigkeitskonflikte in kaum mehr zu überblickender Zahl dort, wo noch zu Zeiten unserer Grossväter das Osmanische Reich herrschte, ist die Osmanistik keine Orchideendisziplin mehr. Ihr die dringend benötigten Mittel und Foren zu verschaffen ist daher nicht mehr nur Aufgabe der Universitäten und Verlage, sondern wäre dringendes Gebot einer weitsichtigen Bildungs- und Aussenpolitik.

Stefan Weidner

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2000
In seiner kenntnisreichen und gut verständlichen Rezension lobt Stefan Weidner den kleinen Band als "unabdingbares Korrektiv" für die bisher erschienen Bücher über das Osmanische Reich. Sein Bedauern über die "Knappheit" kann nur als Ermunterung für die Autorin verstanden werden, gleich eine ausführlichere Darstellung in Angriff zu nehmen. Weidner gibt einen äußerst informativen Überblick über die bisherige Literatur, die er als veraltet empfindet. Als Beispiel nennt er die Zeit der "Weiberherrschaft" nach dem Tod Süleymans des Prächtigen (1566), als der Harem großen Einfluss auf die Staatsgeschäfte nahm. Noch Joseph Matuz` Beschreibung dieser Zeit in seinem 1985 erschienenen Standardwerk "Das Osmanische Reich. Grundlagen seiner Geschichte" hafte ein "unangenehmer Einschlag von Misogynie" an. Das es seitdem einen "Wandel in der Osmanistik" gegeben hat, macht Weidner an Leslie Pierces "bahnbrechender" Studie "The Imperial Harem" (1993) fest. Faroqhis Buch mache diesen Wandel jetzt auch einer nicht spezialisierten Leserschaft verständlich. Und überhaupt: In Zeiten der Balkankriege und kurz vor einem baldigen EU-Beitritt der Türkei verdient die Osmanistik, die Weidner als eine Art Dornröschenfach beschreibt, endlich mehr Aufmerksamkeit, fordert der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von pl TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Kentnisse über die osmanische Geschichte sind für die Autorin unerlässlich, um viele Ereignisse und Entwicklungen im spätmittelalterlichen un neuzeitlichen Europa zu verstehen. Schon im 15.-17. Jh. kam es zu Kontakten osmanischer Muslime mit dem christlichen Mitteleuropa: "Es gibt ... so etwas wie eine verschüttete gemeinsame Geschichte von Osmanen und Mitteleuropäern, die über religiöse und politische Gegensätze, aber auch über die improvisierte Bündnissuche des durch eigene Fehler isolierte Hohenzollernreiches hinausgeht."
Anliegen der Autorin ist es auch, Verbindendes in der Geschichte der Osmanen und den christlichen Abendländern aufzudecken.

Für ihre Darstellung bedient Farqhi sich eines Interpretationsansatzes des französischen Historikers Fernand Braudel, nach welchem poltische, wirtschaftliche und kulturelle Phänomene mit einander in enger Beziehung stehen, sich aber nicht in gleicher Zeit mit gleicher Intensiät verändern. So geht die Autorin davon aus, dass sich die osmanische Wirtschaft, trotz ihrer Nähe zu Europa, vergleichsweis langsamer entwickelt hat; was letztlich auch ein Grund für den Niedergang des reiches bildet.

Das Buch gliedert sich chronologisch in vier Kapitel. Das erste widmet sich der Entstehung der Osmanenstaaten seit 1300. Das zweite Kapitel erörter das 15. u. 16. Jh.; hier kam es v.a. zur Ausbreitung des Osmanenreiches und zu dessen Konsolidierung. Das dritte Kapitel (1600-1774) befasst sich mit der Zeitspanne, in der es zu ersten Rückschlägen für die osm. Herrschaft kommt. Das letzte Kapitel schließlich erörtert gründlich die letzten Jahre des Osmanenreiches und die Gründe für dessen Niedergang.

Ist die übergeordnete Struktur chronologisch gegliedert, so werden in den einzelnen Kapiteln "synchron" verschiedne politische, kulturelle, und wirtschaftlich soziale Veränderungen abgehandelt. Hinzu kommen zahlreiche Informationen zur Mentalitätsgeschichte des Osmanenreiches, darunter bsws. immer auch ein Unterpunkt zur Stellung der Frauen und einfachen Bevölkerung.

Insgesamt eine gelungene Darstellung, sprachlich verständlich und mit Zeittafel sowie weiteren Leseempfehlungen gespickt.
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13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schönfärberei 15. September 2009
Von R. Funk
Format:Taschenbuch
Faroqhi gehört neben Inalcik und Islamoglu-Inan zu dem Historikerkreis, der die Osmanische Geschichte umschreiben und "dekolonisieren" will (vgl. Islamoglu-Inan: The Ottoman Empire and the World-Economy, S. 2).

Was das in der Praxis heisst, kann an folgenden Beispielen verdeutlicht werden:

Faroqhi schildert Piri Reis als erfahrenen Nautiker des frühen 16. Jahrhunderts, "dem wir eine auf verlorenen Arbeiten des Kolumbus beruhende Amerika-Karte verdanken" (S. 40) und "vergisst" zu erwähnen, dass die Karten unbeachtet im Topkapi Serail verschwanden, wo sie erst 1929 ein deutscher Wissenschaftler entdeckte (vgl. Lewis: What Went Wrong?, S. 43).

Durch die sogenannten "Kapitulationen" sicherten sich Frankreich, England und Holland im 16. Jahrhundert das Privileg, im Osmanischen Reich Handel zu treiben, ohne der dortigen Steuergesetzgebung und Jurisdiktion zu unterliegen. Sie exportierten und schmuggelten die für das Reich wichtigen Grundnahrungsmittel und Rohstoffe in ihre Heimatmärkte. Faroqhi bezeichnet diese durch Privilegien sanktionierte Ausbeutung als "positive Handelsbilanz" gegenüber den Europäern (S. 56 - 57)

Inkompetente Sultane konnten das Osmanische Reich in seiner Entwicklung lähmen. Die Bürokratie war starr und alleine auf die Vorgaben des despotischen Herrschers ausgelegt. Faroqhi deutet eine Bürokratie, die "zur Not ohne einen aktiven Sultan auskommen konnte", als Stärke des Osmanischen Reiches um (S. 63) und ignoriert das türkische Sprichwort "der Fisch stinkt am Kopf zuerst", das auf die dynastische Degeneration der Sultane gemünzt war (vgl. Stavrianos: The Balkans since 1453, S. 118).

Faroqhi rühmt die bibliographischen und geographischen Schriften des im 16. Jahrhundert lebenden osmanischen Historikers Katip Celebi (S. 72) und erwähnt dabei nicht, dass dieser seine Zeitgenossen, welche die naturwissenschaftlichen Entdeckungen des Westens völlig ignorierten, davor warnte, dass sie künftig das Universum mit den Augen von Ochsen betrachten würden (vgl. Stavrianos, S. 132 - 133).

An gleicher Stelle erwähnt Faroqhi, dass Celebis Werke 1732 im Druck erschienen. Die Tatsache, dass die Sultane von 1485 bis 1727 ein Druckverbot verhängten, taucht in diesem Zusammenhang nicht auf (vgl. Diner: Versiegelte Zeit, S. 127, 130).

Diese Beispiele ließen sich weiter fortsetzen. Sie genügen aber, um zu veranschaulichen, dass Faroqhi zwar nicht die Unwahrheit schildert, jedoch alles Negative einfach weglässt.
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21 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Frau Prof.Dr. Faroqhis Büchlein ist eine sehr gute, knappe Einführung in die Geschichte des Osmanischen Reiches für jedermann. Man erfährt hier viel über die Geschichte von den Anfängen des Osmanischen Reiches bis zum I. Weltkrieg. Außerdem einiges über kulturelles und gesellschaftliches Leben im Osmanischen Reich. Ich kann es nur jedem sehr empfehlen, dem diese Thematik neu ist, aber auch Studenten und wer sich noch tiefer in die Geschichte des Osmanischen Reiches einlesen will, dem sei Ihr Werk: "Kultur und Alltag im Osmanischen Reich" empfohlen, sozusagen der große Bruder zu diesem Buchlein.(ebenfalls hier bei amazon!) T.Z., Uni München, 14.06.2001
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