,Becks letzter Sommer' ist die Geschichte des Enddreißigers Robert Beck und seinem Schüler, Rauli Kantas. Die Geschichte beginnt an einem Punkt, an dem man Becks Lebensentwurf, zumindest aus seiner Sicht, als gescheitert bezeichnen könnte. Er wollte ein gefeierter Rockstar werden und wurde Lehrer. Anstatt ausverkaufte Stadien, organisiert er Literaturcafes und Ausflüge zu Max Goldt Lesungen. Aus seiner früheren Band war er rausgeflogen. Das Einzige was ihm davon bleibt, ist die Freundschaft mit dem ehemaligen Schlagzeuger Charly, einem manisch depressiven, drogenabhängigen Deutschafrikaner und Hypochonder, der jeden Tag davon überzeugt ist an einer anderen schweren Form von Krebs zu sterben. Doch dann erkennt Beck, dass es in den Reihen seiner Schüler einen gibt, der ihm den Weg aus der Mittelmäßigkeit leuchten könnte, wie der Stern von Bethlehem die heiligen drei Könige zum Jesukind - Rauli Kantas, Wunderkind und Musikgenie.
Beck beschließt den Jungen unter seine Fittiche zu nehmen und ihm das zu ermöglichen, was ihm selbst immer verwehrt geblieben war - ein Karriere als Musiker. Von Anfang an nicht selbstlos und schon gar nicht neidlos, versucht Beck den Jungen in die richtige Richtung zu lenken. Vielleicht der schwierigste Part, den Rauli Kantas ist auch nicht ohne Geheimnisse. Was irgendwann unweigerlich zu der Frage führt - Wer manipuliert hier eigentlich wen?
,Sie wollten Musik, ich hatte Musik. Ich wollte Anna, sie hatten sie.' Vielleicht der Satz der die Geschichte zwischen den Beiden am besten beschreibt.
,Becks letzter Sommer' ist ein rasantes Buch über Musik, die Liebe, über unerfüllte Wünsche und Träume, der Frage nach einem Leben nach dem Scheitern und dem Mut aus dem gesicherten Leben auszubrechen, um es vielleicht doch noch einmal zu versuchen. Ein Trip der Sonderklasse quer durch Europa und die Gefühlslagen der Protagonisten. Bis man sich auf ein Ende zu bewegt, das einen bangen lässt auf den letzten Seiten doch noch über die Klippe zu fallen, nur um einen dann fast sprachlos und zugleich tief berührt, mit Tränen glänzenden Augen und einem Lächeln zurück zu lassen. So sieht Hoffnung aus.
Benedict Wells schafft es mit seinen Figuren - nicht nur Beck und Rauli, sondern auch Charly und Lara, die Frau, die Beck zwar hübsch findet, die aber nicht sein Typ ist, aber für die er trotzdem nicht mehr nur der Drei-Monate-Mann sein will, die Kantas Familie, Anna Lind, Grabowsky u.v.m. eine Universum zu schaffen, das einen direkt in seinen Bann zieht. Wobei sein eigener Auftritt dem Buch noch eine zusätzliche, ganz neue, eigene Dimension gibt.
Der Schreibstil des Autors ist spritzig, voller Sprachwitz und passt sich perfekt dem Beat der Geschichte an. Dass das Buch im letzten Drittel für mich die eine oder andere, kleine Länge aufwies kann ich leicht verschmerzen. Es ist ein gutes Buch und ein grandioser Erstling. Ich freue mich darauf, in Zukunft mehr von diesem vielversprechenden jungen Talent zu lesen.