Max Beckmann (1884-1950) zählt zu den herausragenden Künstlern des 20. Jahrhunderts. In diesen Wochen und Monaten finden drei große Beckmann-Ausstellungen statt. Das Museum der bildenden Künste in Leipzig zeigt eine Porträtausstellung unter dem Titel "Von Angesicht zu Angesicht", das Basler Kunstmuseum präsentiert dagegen Beckmann als Landschaftsmaler und im Frankfurter Städel Museum findet die Ausstellung "Beckmann & Amerika" (7.10.2011 - 8.1.2012) statt. Zu allen drei Ausstellungen sind im Hatje Cantz Verlag die entsprechenden Kataloge erschienen.
Nach einem zehn Jahre währenden Exil in Amsterdam, das durch den Krieg von Isolation, Angst und Entbehrungen geprägt war, ging Max Beckmann im Spätsommer 1947 nach Amerika. Hier verbringt er seine letzten drei Lebens- und Schaffensjahre. Beckmann ist fasziniert von den Metropolen und der außerordentlichen Weite des Landes, das er mit zahlreichen Reisen ausgiebig erkundet und dabei immer wieder Anregungen für seine Kunst erhält.
Die Frankfurter Ausstellung "Beckmann & Amerika" präsentiert nun die bedeutendsten Arbeiten aus diesem Spätwerk, sie zeigt vor allem den "Expressionisten" Beckmann. Bereits in Europa keiner künstlerischen Gruppe und Richtung zugehörig, war Beckmann auch in Amerika ein Einzelgänger geblieben.
Diese Abgrenzung und Nachbarschaft zur zeitgenössischen amerikanischen Kunst machen einige Begleitexte von renommierten Kunstwissenschaftlern deutlich. So beschäftigen sich die Beiträge u. a. mit Beckmanns Stillleben während seines amerikanischen Aufenthalts oder mit dem Einfluss der "amerikanischen Wilden" auf sein Werk. Auch auf die paradox erscheinende Frage "Was verbindet Beckmann mit dem Abstrakten Expressionismus?" wird eine Antwort gegeben.
Neben diesen interessanten Textbeiträgen bringt der Katalog auf ca. 260 Abbildungen nicht nur die 110 ausgestellten Gemälde und Arbeiten (meist ganzseitig und in einer ausgezeichneten Druckqualität) sondern auch zahlreiche Skizzen und historische Zeitdokumente. So entsteht ein faszinierendes Panorama der europäischen und amerikanischen Kunstszene zur Mitte des 20. Jahrhunderts.
Ausstellung und Katalog gelingt es hervorragend, auf das bisher weniger bekannte Spätwerk des Künstlers aufmerksam zu machen. Eine kurze Biografie, eine Bibliografie sowie ein Verzeichnis der ausgestellten Werke runden diesen schwergewichtigen und umfas-senden Katalog ab. In Verbindung mit den beiden anderen Beckmann-Katalogen liegt hier ein Standardwerk zu Max Beckmann vor. Das äußerst gelungene Trio macht deutlich, welch große solitäre Künstlerpersönlichkeit Max Beckmann im 20. Jahrhundert war.
Manfred Orlick