Schade, dass immer wieder der diaphanes-Verlag wichtige französische Bücher schlecht übersetzen läßt. Auch hier ist wieder von der luziden Eleganz und Strenge von Badious Prosa nichts geblieben, stattdessen stammelt sich der Übersetzung mit unverständlichen Sätzen durch das schmale Werk (!).
Das Verdienst dieses Buches ist es, dass endlich den existentialistischen bzw. negativ-dialektischen Lektüren Einhalt zu gebieten. Man denke nur an den desolaten Versuch Adornos, Becketts Endspiel zu verstehen. Der wohl Generationen von Lesern geschädigt hat und noch schädigt. Was Badiou hier vorführt ist ein anderer Beckett, der "überzeugt ist, dass es außerhalb der Ostination der Worte und der Schwärze und der Leere" noch etwas anderes gibt. Allein die Titel der Kapitel werden die Adorniten zusammenzucken lassen: Die Schönheit, Das Ereignis und sein Name, Die Anderen, Die Liebe, Noch einmal die Schönheit.
Besonders hervorzuheben ist das wunderbare Kapitel in dem Badiou dem Geschlechterverhältnis nachspürt: also der Unmöglichkeit der Eins bzw. der Unrealisierbarkeit der Liebe im Sinne von Lacans ENCORE. Hier finden sich auch die sprachlich - also übersetzerisch schlimmsten Entgleisungen -.
Wer versteht bitte folgenden Satz: "Die Liebe ist das Interval, in dem eine Art Ermittlung über die Welt endlos fortgeführt wird" oder "In der Liebe ist es nicht die Welt, die uns damit befasst, was sie ist, nicht sie ist es, die sich unser bemächtigt" (p. 52) Hier blitzt bedrohlich das elliptische Französisch Alain Badious durch und wendet sich ins vollkommen Undruchsichtige.
Fazit: Ein wichtiges Buch, das leider mies übersetzt wurde. Deshalb sollten wirklich nur Leser, die kein französisch können, dieses Buch anschaffen. Die anderen sollte das schmale Bändchen im Original kaufen, um sich vor stilistischen Härten zu schützen, die leider auf Badiou und nicht auf den Übersetzter zurückfallen. 3 Sterne.