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5.0 von 5 Sternen
Fantastisch!, 2. Juli 2001
Rezension bezieht sich auf: Bech in Bedrängnis (Taschenbuch)
Während mir der erste Band mit Stories über Updikes satirisches Alter Ego Henry Bech wenig behagte, habe ich diese neueste Bech-Anthologie mit sehr großem Vergnügen nahezu verschlungen. "Bech in Bedrängnis" ist eine wahnsinnig witzige, pointierte, detailreiche und informationsschwangere Abrechnung mit dem amerikanischen Literaturbetrieb, aus der Sicht eines Autors, der es sich leisten kann, Kollegen, Agenten, Verlage und Autorengruppen bloßzustellen; Updike "fehlt" schließlich nur noch der Literatur-Nobelpreis.
Henry Bech hat in den Fünzigern einen Achtungserfolg erzielt, mit dem Beatnik-Roman "Travel Light" - eine Anlehnung an Kerouacs "On The Road". Danach mühte sich der Autor, den wechselnden Strömungen und insbesondere der Kritikerschar gerecht zu werden. Sein "Opus Magnum", "The Chosen", geriet zum Flop, während die nachgereichte, leichte Novelle "Think Big" die Bestsellerlisten anführte. Nach und nach zog sich Bech aus dem aktiven Literaturbetrieb zurück. Ein Autor, der eigentlich nie seinen eigenen Stil gefunden hat, seinen Erfolg auch nie verstand - und nicht erklären konnte -, aber mit wachem Auge jede Reaktion auf sein Schaffen zur Kenntnis nahm.
"Bech in Bedrängnis" erzählt in fünf Geschichten, hauptsächlich in den Achtzigern/Neunzigern angesiedelt (bis auf die kurze Story "Bech bekennt" aus den Anfangszeiten des Autors), vom späten Bech, vom Sechziger, Siebziger, dessen Kontakt mit der "Branche" vornehmlich aus Parties, Festschriften, Kritikertodesanzeigen und einem anachronistischen Autorenclub namens "Die Vierzig" besteht. Mit mehr als einem Augenzwinkern begleitet Updike seinen wachsamen Helden durch die Niederungen des Biotops, in dem sich arrivierte Autoren wohlfühlen, zeigt das Balz- und Konkurrenzverhalten. Seinen Höhepunkt erreicht die Anthologie mit der vorletzten Geschichte, "Bech noir", in der der Autor fünfzig Jahren aufreibender Literatukritik gleichsam erliegt - und zum Mörder seiner Hauptkritiker wird.
"Bech in Bedrängnis" hat mit dem jüngsten Updike, "Gegen Ende der Zeit", glücklicherweise nur gemeinsam, daß der Held das Pensionsalter erreicht hat, ansonsten ist diese Sammlung ein kompakter, brillanter Faustschlag in den Magen der kommerziellen Literatur. Empfehlenswert nicht nur für angehende Erfolgsautoren.
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Abschied von Henry Bech, 5. September 2005
Von Ein Kunde
Über Bech bin ich überhaupt auf John Updike gestoßen, diesen Autoren, der sicher zu den besten der Welt zählt. Desto erfreulicher, dass es ein neues Bech-Buch gibt. Und die Geschichten darin sind genauso humorvoll und gut geschrieben, haben den gleichen Reiz der anderen Bech-Erzählungen, in denen der amerikanische Erfolgsautor auf das alte Europa trifft. Dazu gibt es noch eine amerikanische Variante von "Tod eines Kritikers", die offensichtlich von dem britischen B-Movie "Theater des Grauens" inspiriert wurde und in der Bech sich als raffinierter Serienkiller betätigt...Allerdings ist diese auch die schwäche des Bandes, denn sie führt die literarische Figur Henry Bech ad absurdum und macht ihn unglaubhaft. Bech mag seine Macken haben, aber ein Killer ist er nicht. Aber nach Bech in Bedrängnis muss der Leser mit seiner Killer-Identität leben. Und dieser kann er den Nobelpreis am Ende nicht zugestehen, der Bech zuerkannt wird. Und daher fällt der Abschied von Henry Bech etwas leichter. Ansonsten ist das ganze natürlich auch wieder sprachlich brillant, die Übersetzung hervorragend.
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Mitempfundene Bedrängnis, 3. Mai 2001
Rezension bezieht sich auf: Bech in Bedrängnis (Taschenbuch)
"Bech in Bedrägnis" beschreibt verschiedene Episoden im Leben des Schriftstellers Henry Bech. Bei seinen Erfahrungen in Tschechien musste ich mich noch mit Bech und Updike anfreunden. Aber bereits bei "Bech präsidiert", konnte ich seine Empfindungen bereits mitfühlen. Beginnend bei seiner inneren Auseinandersetzung mit einem Festschriftbeitrag für seinen mehr oder minder verhassten Kollegen Thornbush, folgt dann die Ernennung als Präsident einer Vereinigung der besten Künstler des Landes, "der Vierzig", die dann nur noch um die 30 Mitglieder umfasst. Obwohl er anfangs sehr skeptisch auf Vereinigung und Präsidentenamt blickt, identifiziert er sich immer mehr damit und leidet, als ein Antrag auf Auflösung -von Thornbush- gestellt wird. Später "Bekennt Bech" in früheren Jahren wegen Verleumdung in Los Angeles vor Gericht gestanden zu haben. Er hatte, aus projektiven Verliebtheitsgefühlen einer Sängerin gegenüber, deren Agenten Ohrbach als "Erzgauner" bezeichnt. Im Laufe des Prozesses empfindet er ein tiefes Gefühl für Ohrbach und meint ihn ihm seinen verstorbenen Vater zu erkennen. Und dann die Morde. Die U-Bahn fährt ein und schon liegt einer seiner schärfsten Kritiker auf den Gleisen. Bech begeht einen Mord und macht weiter - und trotzdem fühlt man alles aus seiner Perspektive. Er mordet und man findet es beim Lesen fast als "Banalität", fast als "Recht so!". Egal wie abstrus oder paradox die Dinge sind, die Bech tut, man fühlt mit und lernt, die Welt mit seinen Augen zu sehen.
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