Das Fotobuch "Beauty in Decay" ist ein Projekt mehrerer Fotografen, die dem Hobby "Urban Exploration" nachgehen, sich also dort rumtreiben, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben. Es sind Fotos von unterschiedlichen, verlassenen Orten vertreten: ein Märchenschloss, ein Kraftwerk, ein Vergnügungspark, eine Universität um nur einige zu nennen.
Da ich selber dem Hobby nachgehe, einige der im Buch veröffentlichten Orte besucht habe und im Internet vorher ein paar eindrucksvolle Bilder gesehen habe, war ich sehr gespannt auf das Buch.
Insgesamt wurde ich aber eher enttäuscht.
Das liegt hauptsächlich am Stil der Bilder. Die Bearbeitungs-Technik "HDR", die von den Fotografen im Buch verwendet wird, ist prinzipiell eine hervorragende Methode um eine Schwäche von Kameras auszugleichen: Durch das Verarbeiten von mehreren Bildern, die unterschiedlich lange belichtet wurden, kann man sowohl komplett schwarze, unterbelichtete, als auch komplett weiße, überbelichtete Bereiche im fertigen Bild vermeiden. Leider kann man es auch so übertreiben, dass ein Bild nur noch künstlich wirkt. Um einen Eindruck davon zu bekommen, kann man mal bei einer Internet-Bildersuch "HDR" eingeben. Im Buch sind die Bilder auch noch sehr dunkel geraten, was möglicherweise den verfallenen, gruseligen Eindruck verstärken soll. Das ist bei den an sich großartigen Motiven eher kontraproduktiv.
Ich bin ein Fan von Bildern, die perspektivisch "korrekt" sind. In Wirklichkeit senkrechte Linien, sind auf Bildern oft schräg, wenn die Kamera nach oben oder nach unten gerichtet wird. In der Architektur-Fotografie werden diese so genannten "stürzenden Linien" korrigiert, was dem menschlichen Seh-Eindruck entspricht. Im Buch kommen stürzende Linien sehr häufig vor, was mir bei den meisten Motiven nicht gefällt.
Die Begleittexte sind nett, allerdings ein wenig pathetisch. Natürlich kann man in das Hobby wer weiß was für Beweggründe hineininterpretieren, ich mache mir allerdings nicht so tiefschürfende Gedanken über mein Hobby. Im Wesentlichen ist es ein Abenteuer in Orte, die die meisten nicht zu Gesicht bekommen, einzudringen und Fotos von dort mitzubringen, die man mit anderen teilen kann.
Die Lage der einzelnen Orte ist nicht näher angegeben. Das ist verständlich. In der "Szene" werden Adressen bzw. Koordinaten nur eingeschränkt weitergegeben und selbst in nicht-öffentlichen Foren nicht genannt, um das entsprechenden Objekt zu schützen. Ein paar geschichtliche Informationen o.ä. wären trotzdem wünschenswert.
Nicht beschweren kann man sich über den Preis. Für den erhählt man ein Fotobuch mit vielen Fotos von interessanten Orten. Ob einem die Fotos gefallen, muss jeder für sich entscheiden.