Die Sopranistin Danielle de Niese wird hier von ihrem Label gekonnt in Szene gesetzt. Optisch. Und musikalisch? Mit ihrem Mozart-Rezital von 2009 wusste Danielle de Niese nicht recht zu überzeugen. Dort wirkte sie überfordert; ihre Stimme tendierte zu einem unkontrollierten Vibrato und die Textverständlichkeit ließ zu wünschen übrig. Und jetzt, zwei Jahre später? Nun, in einigen Punkten ist Danielle de Niese auf Nummer Sicher gegangen. Das neue Album darf sicher als kleine Hitliste barocker Gesangspreziosen bezeichnet werden. Das ist völlig legitim; nur der Repertoirewert bleibt gering. Mit dem English Concert, gegründet von Trevor Pinnock, und dessen heutigem Leiter Harry Bicket hat Danielle de Niese zudem höchsten Sachverstand in barocker Musik als Unterstützung engagiert. Und das lässt sich hören. Fürwahr. Wenn hier auch eine insgesamt etwas gemächliche Gangart vorgelegt wird.
Genug der Vorrede, und um es kurz zu machen: "Beauty of the Baroque" ist das mit Abstand beste Rezital-Album von Danielle de Niese; reif, stimmungsvoll und klug. Die Sängerin verfügt jetzt über einen klaren, geschmeidigen Sopran von mittlerer Tönung; sie füllt lange Passagen mit einem angenehmen Legato und vermeidet exaltierte Spitzen. Stimmlich liegt ihr das mittlere Temperament der barocken Innerlichkeit eindeutig besser als die hysterische Emotionalität dramatischer Opern. So meistert sie ein ums andere Mal die Kompositionen von Dowland, Händel oder Monteverdi. Und versteht es dabei durchaus, eigene Akzente zu setzen. Das Italienische liegt ihr jetzt mehr als noch auf dem Mozart-Album. Nur an den letzten beiden Stücken, zwei Kantaten von J.S. Bach, verhebt sich Danielle de Niese erneut: Ihr liegt das deutsche Idiom nicht und außerdem verfällt sie (gerade hier!) zu sehr ins Opernhafte. Trotzdem lohnt das Hinhören, weil eine Entwicklung erkennbar wird. Sehr schön gelungen sind die Duette mit Andreas Scholl, dessen Expertise in der barocken Musik das südländische Temperament von Danielle de Niese sublimiert. (Für Pergolesis "Stabat Mater" gilt das mit kleinen Einschränkungen.) Als Vergleich oder Zielgröße drängen sich die Händel-Duette von Nuria Rial und Lawrence Zazzo auf, womit bereits annonciert wäre, welches Niveau Danielle de Niese zu erreichen imstande ist. Insgesamt ein schön gesungener Querschnitt über die barocken Schlager, der neugierig macht auf weitere Projekte von Danielle de Niese. Den Photographen von Decca sei es gegönnt!