Beautiful Girls ist ein Film über alte Freundschaft, Ziele im Leben und überhaupt im Allgemeinen die Lossagung von der Jugend um selbst einen Platz im Leben zu finden.
Und natürlich um den Begriff "Beautiful Girls" und wie man ihn deuten/definieren kann.
Die Umgebung, von Ted Demme sehr passend ausgewählt, kommt in einem melancholischen, Alt-Amerikanischen Stil her, der bestens in die Geschichte passt. Obwohl an zwei verschiedenen Orten gedreht wirkt alles wie ein großes Ganzes, und passt zusammen. Ganz ohne Kitsch!
Die Hauptdarsteller sind eine ehem. Highschool Clique Mitte/Ende 20, die sich wie gesagt mehr oder weniger in ihrem Leben zurecht finden.
Der eigentliche Hauptcharakter Willie (Timothy Hutton), der von seiner Heimat in eine Großstadt gezogen ist um seinem Jugendtraum vom Pianospielen nachzueifern, allerdings nur in einer Bar sein täglich Brot verdient, kommt zu einem Klassentreffen in seine verschneite, alte Jugendumgebung zurück. Zusammen ist er mit einer Anwältin namens Tracy, doch hat er Bindungsängste. Obwohl er mit ihr allem Anschein nach einen Glücksgriff gemacht hat und eigtl. zufrieden ist hat er Angst davor, dass die Liebe langsam erlischt und sehnt sich innerlich nach einem Neubeginn, voller Euphorie und den üblichen Glückshormonen, die einen am Anfang verfolgen.
Voller jugendlichem Enthusiasmus wird er von seinem alten Freund Michael "Mo" am Busbahnhof abgeholt.
Michael hat eine Familie gegründet, Kinder und fühlt sich in seiner Rolle als Vater sichtlich wohl.
Abgesetzt am Elternhaus trifft Willie seinen Vater, zu dem er anscheinend nie ein großes Verhältnis hatte, was durch das lakonische Aufeinandertreffen und dem verwegen Vorschlag zusammen "Golf" anzuschauen verdeutlicht wird.
Außerdem trifft er auf Nachbarskind Marty (Natalie Portman in gewohnter Bestform), die für ihr Alter sehr reif und clever ist. Trotzdem spricht aus ihr im Laufe des Films noch kindliche Naivität.
Willie ist von ihr begeistert und erahnt, das aus ihr mal was wirklich "großes" wird. Zwischen beiden entwickeln sich Ansätze platonischer Liebe, die leider keine wirkliche Zukunft hat.
Die Story nimmt ihren Lauf... wobei es hier NICHT um eine "Lolita" Story wie in Lèon der Profi geht!
Marty ist nur eine Nebenrolle, wenn auch eine größere.
Die anderen Hauptcharaktere sind Tommy (Matt Dillon), der sich noch weniger von seiner Highschool Zeit verabschieden möchte und trotz guter Beziehung zur verzweifelten (da nicht unwissenden) Sharon (Mira Sorvino) eine Affäre zu seiner Highschool Liebe hat. Paul (Michael Rapaport), der realitätsfremde Pseudo, der auf seine Freundin nicht klar kommt und alle Menschen mit TV Berühmtheiten und Situationen mit irgendwelchen Filmen vergleicht (zum brüllen!).
Und Kev, dessen Charakter nicht besonders groß gezeichnet ist. Entnehmen kann man aber, dass er eine krasse Schüchternheit vor Frauen hat, wie Paul und Tommy immer noch im Heimatkaff lebt und sein täglich Brot bei einem Schneeräumservice verdient.
Die Leben dieser Charaktere stagnieren.
Die Charaktere der Frauen sind größtenteils nur dezent angeschnitten, spielen sie dennoch eine große Rolle im Film. Rosie O'Donnell z.B. spielt eine frustrierte Emanze, die gerne alle Männer über einen Kamm scheren würde und Tommy's verzweifelter Freundin gut gemeinte, aber schlechte Ratschläge gibt, die sie sich mit Nachdruck von Michael's Frau bestätigen lässt. Ansonsten gibt es noch diverse andere, leicht gezeichnete Nebendarsteller, auf die ich nicht weiter eingehen will, da sonst diese Rezension kein Ende nehmen würde.
Der Humor wird meist durch die Eigenarten der Charaktere - insbesondere Paul - dargestellt.
Was auch wirkt und die Darsteller trotzdem eigentlich nie wirklich ins Lächerliche zieht.
Der Film nimmt sich eigentlich nicht zu ernst und es gibt auch gelegentlich ein bisschen Selbstironie.
Das gefällt und trotzdem ist dieser Film meiner Meinung nach einer, wenn nicht DER reifste Film übers Älter werden, den ich je gesehen habe. Nebenbei sei noch die Musik erwähnt, die mit einem Gastauftritt der Afghan Whigs (u.A. mit einem genialen Barry White Cover) aufwarten kann.
Die Atmosphäre ist, wie schon erwähnt optisch, sowie akustisch absolut klasse.
Man kann sich den Film sowohl auf Deutsch, als auch auf Englisch anschauen, obwohl ich die englische Fassung vorziehe, da nicht immer alles Wort für Wort übersetzt werden konnte und die Stimme von Marty doch schon ein wenig zu erwachsen klingt. ...einer meiner Lieblingsfilme...