Der Film 'Beautiful Boxer' ist ein im Jahre 2003 erschienenes Coming of Age-Action-Drama, das in Thailand gedreht wurde. Der Film wurde unter anderem mit dem Preis der internationalen Filmfestspiele in Berlin sowie dem Thailand Academy Award ausgezeichnet. Regie führte der aus Singapur stammende Theaterregisseur Ekachai Uekrongtham, welcher zu den wichtigsten Regisseuren Thailands zählt.
Der Regisseur ist in Singapur weiterhin als Gründer und künstlerischer Leiter des Action-Theaters bekannt, eines der dort anspruchsvollsten Theater. Ausserdem zeichnet er sich für eine Reihe internationaler Musical-Produktionen verantwortlich. 'Beautiful Boxer' stellt sein Film-Regiedebut dar.
Der thailändische Junge Nong Toom ist anders, als viele seiner Alterskameraden. Er fühlt sich dem weiblichen Geschlecht eigentümlich zugetan, beschäftigt sich in jungen Jahren besonders mit weiblichen Eigenschaften und findet heraus, dass er doch lieber eine Frau sein würde. Nach vielen Konflikten und Auseinandersetzungen während der Kindheit tritt er mit der Unterstützung seiner Eltern für kurze Zeit in ein Kloster der Provinz Chonburi ein, weiss jedoch kurze Zeit später, dass dies nicht sein Weg sein würde. Nach dem Austritt beginnt er sich für das Muay Thai-Boxen zu interessieren. Bei einem Kleinwettbewerb überrascht er als Laie mit einem Sieg. Er tritt einem örtlichen Box-Camp bei und beginnt, hart zu trainieren. Da er erkennt, dass er mit diesem Sport eine Geldmenge verdienen kann, die nicht nur die Situation seiner ärmlichen Familie verbessern könnte, sondern auch seinen lang gehegten Traum nach einer Geschlechtsumwandlung verwirklichen könnte.1998 erkämpft er sich im Lumpinee Boxing Stadium in Bangkok, dem Zentrum der bekannten Muay Thai-Welt, den bahnbrechenden Erfolg zum Muay Thai-Champion. Die Medien berichten kontrovers von einen Teilnehmer, der mit gefärbten Lippen und Make-Up in den Ring steigt.
Der Film beginnt mit einer in einem thailändischen Club aufgeführten exotisch-sinnlichen Bewegungszeremonie, welche ein gewisses, repräsentatives Gefühl für die exotisch-fremdartige Atmosphäre des Filmes vermittelt. In diesem Club arbeitet der gegenwärtige Nong Toom, mit dem ein Reporter ein Interview führen möchte. Dieser erfährt jedoch, dass Toom bereits gegangen sei und macht sich auf, ihn unterwegs zu erwischen. Dabei wird der Reporter in ein Strassengeplänkel verwickelt. Ausgeliefert und in die Zange genommen kommt ihm ein schlagkräftiger Unbekannter zu Hilfe, welcher seine Häscher in die Flucht schlägt und ihn befreit. Die beiden treffen sich im Club zum Interview wieder und Nong Toom beginnt, seine persönliche Geschichte, Werdegang, Kampf, Konflikte, die wesentlichen Stationen seines Lebens zu erzählen, die zum jetztigen Zeitpunkt geführt haben.
Regisseur Uekrongtham hat mit der Technik, mit der er den Hauptprotagonisten seine Geschichte selbst erzählen lässt, einen guten Weg gewählt. Da die Geschichte nicht auf alle Details eingehen kann und nur alle wichtigen Stationen seines Lebens schildern will, wirkt diese Erzählweise glaubwürdiger und authentischer, statt das Gesamte durch einen allwissenden Beobachter erzählen zu lassen. Denn Nong Toom kann selbst nicht über jede Kleinigkeit berichten. Uekrongtham hatte zudem entschieden, das Gewicht auf die Zweiseitigkeit der Figur, die Ambivalenzen zu legen. Von Schönheit und Brutalität, Sanftheit und Wildheit. Weiblichkeit des Geistes und Mannlichkeit im Körper. Diese Aspekte werden gut durch die Handlungen und Verhaltensweisen des Hauptprotagonisten gezeigt. Das Augenmerk lag offensichtlich nicht auf einer fundierten psychischen Betrachtung. Die inneren Konflikte der Figur werden nur angedeutet. Die emotionalen Reaktionen werden aber spürbar. Jedoch sind Ängste, Zweifel, die innere Zerrissenheit und die daraus entstehenden Entscheidungen nicht immer fassbar für den Zuschauer. Dies hätte dem Film sicherlich zu mehr Identifikationspotential und noch mehr Glaubwürdigkeit verholfen.
Die Filmbiographie ist eine Synthese aus Actionfilm, Drama und Coming of Age-Geschichte. Zuerst überwiegen die Entwicklungselemente des Hauptprotagonisten, in welchen Aufwachsen, Bildung des Charakters, Werdegang und Ziele des Hauptprotagonisten vorgestellt werden. Anschliessend entwickelt sich der Film in einen von häufig auftretenden Kampfsport-Szenen getragenen Actionfilm, wo die Kämpfe und Erfolge, Aufstieg und Triumph, schliesslich die Verwandlung und Wandlung des Hauptprotagonisten gezeigt werden. Obwohl die Geschichte zu jeder Zeit schlüssig erzählt ist, ist der Charakterwandel des Protagonisten nicht immer nachvollziehbar. Diese Tatsache bewirkt, dass man als Zuschauer eine gewisse Distanz zu der Figur behält. Es fällt also auf, dass die Geschichte von Nong Toom für ein westliches Publikum verarbeitet wurde. Hätte man ein solches in vielen Augen kontroverses und mutiges Thema anders verarbeitet, wäre sein Erfolg wohl nicht derartig ausgefallen.
Die Schauspieler zeigen überwiegend sehr gute Leistungen. Besonders der Hauptdarsteller Asanee Suwan glänzt in seiner Rolle. War diese doch für einen Profi-Boxer von nicht transsexueller Ausrichtung nicht einfach zu bewältigen. Doch er meistert die der Figur innewohnenden Ambivalenzen mit grosser Souveränität. Der unbeirrbare Wille nach Identitätsverwirklichung. Sein Werteempfinden, wofür er mit ganzer Leidenschaft kämpft und alles aufs Spiel zu setzen bereit ist, seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Diese Aspekte kommen stark zum Ausdruck und werden durch den Hauptdarsteller deutlich. Einmal im Film sagt dieser 'Umso mehr ich mich schminkte, desto härter schlugen meine Gegner auf mich ein und ich schlug noch härter zurück'. Diese Aussage steht metaphorisch für die Überwindung aller Hindernisse, den unbeirrbaren Willen, seinen eigenen Weg zu gehen. Auch Orn-Anong Panyawong als Mutter des Hauptprotagonisten ist gut besetzt. Ebenfalls Sorapong Chatree, der leicht verbitterte und in seinen Träumen unerfüllte Trainer Nong Tooms überzeugt.
Fazit: Inspirierend, mutig, leidenschaftlich. Dieser Film ist sehr speziell. Für offene und ehrliche Gemüter jedoch eine spannende, bereichernde und ungewöhnliche Erfahrung.