Nachdem die Golani-Brigade im Libanonkrieg 1982 die alte Kreuzfahrerfestung Beaufort (sprich: Bofor) eingenommen hatte, besetzten die Israelischen Streitkräfte diesen Punkt bis zu ihrem Abzug im Jahre 2000. Die Burg wurde nach und nach zu einem komplexen Bunkersystem ausgebaut und diente als Stützpunkt in der neu geschaffenen Schutzzone im Südlibanon, um den Raketenbeschuss auf Nordisrael einzudämmen.
Der Film beginnt wenige Wochen vor dem Rückzug aus der Festung Beaufort. Obwohl kein genauer Abzugstermin bekannt ist, wandert das Gespenst Rückzug immer mit den Soldaten. Jeder weiss, das dieser Posten über kurz oder lang aufgegeben wird, doch bis dieses geschieht, ist die Stellung zu halten.
Die jungen Soldaten verbringen ihre Zeit in dem Bunkersystem, kämpfen gegen die Langeweile, halten wechselnd Wache und verlassen die Festung fast gar nicht mehr. Der Film plätschert vor sich hin, die Trübsinnigkeit wird durch sehr wenig, und dann auch noch sehr leise, Hintergrundmusik untermalt. Selbst der ständige Mörser- und Granatbeschuss der Hisbollah wird von den Israelis nicht allzu ernst genommen. Das typischen "Plop" der Mörserabschüsse wird vom Überwachungszentrum mit einem recht gelangweilten "Abschuss, Abschuss" und "Achtung Einschlag" kommentiert. Erst als die Hisbollah Bunkerabschnitt Grün mit TOW-Raketen unter Beschuss nimmt, kommt ein wenig Action in den Film und die Soldaten werden notgedrungen aus ihrer Lethargie gerissen.
"Beaufort" ist kein Kruiegsfilm im Stil von "James Ryan", "Stalingrad" oder "Hamburger Hill". Im ganzen Film sieht man nicht einmal den Feind. Außer dem ständigen Beschuss, kommt es zu keinerlei anderen Kampfhandlungen. Der Film lebt von seinem Realismus, der relativ soliden, schauspielerischen Leistung, der guten Kulisse und natürlich von der Originalausrüstung der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), die diesen Film technisch unterstützten. Trotz allem haben wir hier keinen Hurrapatriotismus auf die IDF, im Gegenteil, kommt dieser Film doch recht kritisch an. Gezeigt werden Soldaten, die sich aus politischen Gründen nur eingraben dürfen, ohne die Abschussstellen der Hisbollahraketen und Mörser anzugreifen. Der Dauerbeschuss und das ewige warten auf den letzten Befehl, Rückzug und Sprengung der Festung, zerren an den Nerven der 19- 20 jährigen Rekruten.
Der Film hat einige Längen, vermag dennoch gut zu unterhalten. Ich schwankte mit der Bewertung zwischen 3 und 4 Sternen, entschied mich dann jedoch für 4, auch aufgrund des recht gelungenen Bonusmaterials und des günstigen Preises.
Specials: Making Of (gelungen, mit interessanten Interviews und Aufnahmen vom Nachbau der Bunkeranlagen.)
Deleted Scenes (auf Hebräisch mit Dt. Untertiteln, leider kein Audiokommentar, weswegen auf diese
Szenen verzichtet wurde. Einige sehr schöne Aufnahmen, die ich mir im Film gewünscht hätte.)
Trailer
Bildergalerie
Fazit: Gelungener Kriegsfilm über den Grenzkonflikt im Libanon. Leider einige Längen, Schauspielerisch okay, Ausrüstung top, Effekte wie Explosionen sind handgemacht und sehenswert. Kein Actiongeladener Kriegsfilm, eher melancholisch und teilweise zäh. Dennoch sehenswert.