dass vangelis viel mehr auf dem kasten hat, als kitschige und bombastische melodien zu schreiben beweist dieses sehr beeindruckende werk.
leider ist es das einzige werk in seinem werdegang geblieben, dass über so eine vielfalt an klanglichen experimenten strotzt und beweist dass vangelis wahrlich ein magier auf dem synthesizer ist (bzw war).
auch wenn das werk für viele bloss chaotisch zu erscheinen mag, die klangstrukturen haben durchaus einen logischen aufbau, auch wenn sich "eingängige" melodien kaum ausmachen können. doch hier hat vangelis bewusst versucht "klangmalerei" zu betreiben, wobei ich finde dass ihm dass auch sehr gelungen ist. die abwechslung an klangfarben als auch die abfolge verschiedener "themen", die alle eine andere stimmung vermitteln und ineindander blenden haben etwas ganz besonderes. man muss sich in das werk vertiefen und wirklich genauer reinhören. jemand der ein bisschen ahnung von "elektronischer musik" hat, wird beeindruckt sein, wie vangelis mit diesem klangwerkzeug umgegangen ist. man muss beachten dass diese aufnahme lange vor der computer und sequencer-ära aufgenommen wurde, und alle parts manuell spur für spur eingespielt wurden, mittels overdub überblendet, neue klänge dazugemischt usw... damals gabs keinen "preset-sound", jeder klang wurde neu erstellt und war auch einmalig und kaum ein zweites mal 100%ig gleich reproduzierbar. wie auch im jazz die improvisation mit skalen eine wichtige rolle spielt, so spielt sie hier mit den klangfarben eine genauso wichtige.
einiges von vagelis' faible für improvisation lässt sich noch in nachfolgewerken wie albedo 0.36 bzw. spiral erahnen, doch hat vangelis dies im laufe der zeit zugunsten einer strikten melodie- und harmonieführung und orchestralen klängen aufgegeben.
ich trauere dem ehrlich gesagt ein bisschen nach und hätte mir noch mehr vom "experimentellen vangelis" gewünscht.