Beatrice Minda nennt das vorliegende Buch " Innenwelt". Gezeigt werden Fotographien, die die private Ebene von Menschen in Rumänien, aber auch in deren oftmals französischem oder deutschen Exil unter bestimmten Blickwinkeln beleuchten.
Die Künstlerin wurde 1968 im München geboren. Dort hat sie Kunstgeschichte studiert und später in Münster und Berlin das Studium der Bildenden Künste absolviert. Minda hat aufgrund ihres Könnens eine ganze Reihe von Förderungen und Stipendien erhalten. In Einzel- und Gruppenausstellungen haben Kunstinteressierte bereits häufiger Gelegenheit gehabt ihre Arbeiten zu bewundern.
Ein textlicher Beitrag des Leiters des Fotomuseums in München Dr.U. Pohlmann " Vom Verschwinden der Dinge" und ein weiterer vom Schriftsteller Richard Wagner " Die Botschaft des Zimmers" ( Zu Fotografien von Beatrice Minda ) erklären , was Minda mit den Ablichtungen beabsichtigt.
Private Räume sind immer Orte der Zugehörigkeit und des Abstandnehmens. Gerade in Zeiten autoritärer Regime ist, so Pohlmann, die Wohnung nicht nur eine behagliche Schutzzone gegenüber unerwünschten Zugriffen des Staates, sondern sie erlangt auch den Stellenwert als Rückfluchtsort der Meinungsäußerung und der Widerständigkeit gegen politische Einflussnahme.
Rumänien war seit 1944 sowjetisch besetzt. Die sowjetischen Okkupanten gingen mit großer Brutalität gegen Andersdenkende vor. Ziel war es die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören. Dies wurde durch die systematische Enteignung erreicht. Die betroffenen Menschen wurden anschließend in Zimmern und Kammern untergebracht, um sie entsprechend zu demütigen. Diese Zimmer , mit denen Beatrice Minda den Betrachter konfrontiert, sind die letzten Versuche einen vom Kommunismus zerstörten Lebensraum zu bewahren, so Wagner.
Nicht zu übersehen ist der provinzielle Charakter der Ausstattung, selbst bei Künstlern und Intellektuellen. Dunkel erscheinen die Räume allesamt. Auf den Tischen liegen gehäkelte Decken. Pseudo-sakrale , gewöhnungsbedürftige Bilder schmücken die Wände. Die echten Teppiche auf den Böden und an den Wänden zeugen von konservierter Bürgerlichkeit.
Das Wohnungsinterieur der bürgerlichen Exil-Rumänen im Paris und München strahlt Vertrautheit aus. Einige wenige Gegenstände aus der alten Heimat dokumentieren die Verbundenheit mit ihr. Folkloristische Elemente werden allerdings hier ausgespart. Man muss schon etwas genauer hinsehen, um zu erkennen, dass es sich um eine Wohnung eines Exilrumänen handelt. Die Integration der Menschen hat demnach visuell bereits Gestalt angenommen.
Rumänen, die als Gelegenheitsarbeiter für eine bestimmte Zeit in den Westen gehen, sind häufig mittellos, ohne Ausweisdokumente und leben in provisorischen Unterkünften, so etwa in der Peripherie von Paris. Solche Behausungen hat Minda ebenfalls thematisiert. Mit Stoffen und alten Teppichen versuchen diese Menschen die Atmosphäre rumänischer Innenräume nachzuempfinden und trotz aller Schwierigkeiten liebevoll zu gestalten.
Ein hochinteressantes Buch, das viel über das Seelenleben der Rumänen aussagt.
Empfehlenswert!