Es gab vor einigen Jahren eine TV-Doku über das Thema Beatles und Rolling Stones. Die war sehr unterhaltsam und informativ. Das Buch "Beatles gegen Rolling Stones" von Jim Derogatis und Greg Kot ist eher ein Coffee Table Book mit vielen, schönen (meist s/w) Fotos und einem locker-flockigen Geplauder der beiden Autoren. Es liest sich wie eine Sendung eines Classic Rock Senders. Für die Generation der ersten Fans der Fab Four und der Stones ist dieses Buch bestimmt ein hübsches Geschenk, Spielerei. Das Cover bietet ein Hologramm, das je nach Neigung (Wortspiel! ;-)) des Buches entweder Stones oder Beatles zeigt. Nett. So wie das ganze Buch. Ich habe mir beim Lesen des öfteren das Gezeter der Hardcore-Fans vorgestellt. Mir fiel dazu ein etwas verwirrter Fan ein, der beim McCartney Konzert in Köln Flugzettel mit wilden Verschwörungstheorien verteilte. Man kann sich seine Anhänger halt nicht aussuchen. Wer nicht gerade absoluter Neuling ist, wird wenig bis nichts Neues durch die Lektüre dieses edel aufgemachten Werkes erfahren. Es gibt zwei aufklappbare Zeitleisten und zahlreiche Verweise auf andere Bücher, die den Autoren empfehlenswert erscheinen. Filme und zentrale Aufnahmen der Musiker werden kurz beleuchtet und empfohlen.
Die Autoren vergleichen das Werk der beiden Bands aus den 60er und frühen 70er Jahren. Wer war der bessere Drummer, wer der bessere Bassist. Ist Sgt. Peppers so gut wie Their satanic majesties request, ist Exile besser als das Weisse Album? Mitunter werden eindeutige Meinungen vertreten (die dann aber der jeweils andere Autor relativiert, damit sich niemand auf die Füße getreten fühlt). Meist laufen die Vergleiche eh auf ein Unentschieden hinaus. Als Frontmann kann Jagger gewinnen, bei der Qualität des Gesangs die Liverpooler. Erfreulich aber das die beiden Journalisten nicht ausschließlich in der Vergangenheit leben und sich der Nostalgie hingeben, sondern zumindest auch Bands wie Led Zeppelin und Slayer erwähnen. Ist ja sonst auf Dauer etwas fragwürdig die Energie der Rockmusik zu lieben, aber dann doch nur in der Vergangenheit zu leben.
Sehr gut gefallen haben mir die Großaufnahmen und die Anmerkungen zu den Instrumenten und den technischen Aspekten, dem Handwerk, der Musiker. Da ich die Beatles eindeutig stärker verehre, konnte ich aus diesem Buch auch eher etwas über die Stones lernen, denn deren Alben verstauben doch eher in meinem Regal. Dieses Buch erinnert dann doch daran, dass sie in den Anfangsjahren größer und wichtiger waren als in den letzten Jahrzehnten, bei denen 90.000 Zuschauer auf einem Acker zusammengetrieben wurden, um dann Phantasiepreise zu verlangen. Das ist kein Rock, das ist ätzend! Aber die Konzertbesuche sind ja freiwillig. ;-) What a drag it is getting old... Aber es geht ja auch anders, wie etwa die Karriere von Neil Young gezeigt hat. Nicht ausbrennen, nicht verbleichen, sondern immer neugierig bleiben. Aus einem seiner Songs stammt auch die Überschrift meiner Rezension.
Schöner Bildband mit Texten im Plauderton für Neulinge und Komplettisten.
192 Seiten, Hardcover, durchgehend illustriert s/w & Farbe, Übersetzung: Alan Tepper, Register, Hannibal 2011