Übers kurze Auf und lange Ab s/einer Karriere in der Popmusik sang der New Yorker Loudon Waiwright III einmal: "The next thing you're having your first come-back/ And you're wonderin` where you'd gone".
Leicht hat es sein Seelenverwandter von der Westküste, Dan Hicks, auch nie gehabt. Als er 1964 mit Mike Wilhelm in San Francisco die Charlatans gründete, war er seiner Zeit musikalisch um Jahre voraus. Aber während Jefferson Airplane, Grateful Dead, Kaleidoscope oder Country Joe & The Fish je einen Plattenvertrag ergatterten und den Westcoast-Sound etablierten, stolperten The Charlatans von einem Fehlstart zum nächsten. Als 1969 ihr einziges Album bei Philips (US) erschien, hatte das Woodstock-Festival die Sechziger schon beendet, und auch Dan Hicks war nicht mehr dabei. Von ihm sah die Welt im gleichen Jahr eine LP mit dem Titel "Orignal Recordings" und die Cover-Fotografie - Hicks im Outfit eines "Bufallo Bill"! - suggerierte (augenzwinkernd) Countrymusik aus den Tagen Hank Williams` oder Woody Guthries. Vollständig akustisch eingespielt, mit Sid Page an der Violine und einem Chor aus drei Blondinen betitelt "The Hot Licks" brachte das Album eine Mischung aus Folk, Blues, Ragtime und Lagerfeuer nebst Marihuana.
Im Rückblick erscheint die gesamte Attitüde aus Art Deco, Teetrinken und Coolness selbst fürs San Francisco der Spätsechziger eine originelle Mixtur. Die Ära des Hardrocks und die mit Pink Floyd, Genesis etc. aufkommende Gigantomamie in der Popmusik wollte von Dan Hicks and The Hot Licks nicht mehr viel wissen. Ein Labelwechsel zu Blue Thumb brachte weitere Alben, Dan Hicks wurde Kritikerliebling und von San Francisco bis San Diego zur Kultfigur. Doch das war es dann auch! Als er 1994 mit dem Live-Album "Shootin` Straight" zurückkehrte - 14 neue Stücke von seinen "Acoustic Warriors" begleitet - hatte man sechzehn Jahre nichts von ihm gehört. Die Kölner Musikzeitschrift "Spex" hielt es für angebracht, ihn in ihre Chartliste aufzunehmen und gehört noch im Nachhinein dafür gelobt.
Aber erst "Beatin` The Heat" war das geplante, inszenierte und mit einer Serie von Gastauftritten gepfefferte Comeback von Dan Hicks and The Hot Licks. Elvis Costello, Tom Waits, Rickie Lee Jones und Bette Midler offenbaren sich hier als Dan-Hicks-Fans und leihen ihre Stimmen zum Duett. Der ex-Stray Cats Brian Setzer steuert einige Soli bei, und auch Sid Page - längst Arrangeur von Rang - ist als Violinist der ersten Stunde mit von der Partie. Ältere Stücke - "I Scare Myself", "Hell, I'd Go!" - werden stilsicher neu eingekleidet, doch im Ganzen geht es auf "Beatin` The Heat" traditionell zu. Wie Dr. John oder Neil Young verzichtet Dan Hicks auf Zeitgeist. Was im Gestern wie Vorgestern klang, klingt heute interessanterweise nicht mal angestaubt. Dan Hicks und seine Produzenten Dave Kaplan und Gary Hoey haben diese 15 Titel vorbildlich arrangiert. So garantiert der sympathische Tunichtgut die Abwesenheit von Klischees und Langeweile. Dafür sei ihm auch zukünftig unter kalifornischer Sonne die eine oder andere Schaffenspause gegönnt: "That's why I am who I am baby..."