Beat the Beat: Rhythm Paradise ist genau das, was man vom Nachfolger von Rhythm Tengoku (GBA, nur in Japan erschienen) und Rhythm Paradise (NDS) erwartet: Fünfzig abwechslungsreiche, lustig inszenierte Minispielchen in denen das Rhytmus-Gefühl des Spielers auf die Probe gestellt wird. So spießt ihr zum Beispiel zum Beat der Musik Erbsen mit einer Gabel auf, spielt Badminton über den Wolken, begleitet Vögel auf einer Wanderung oder führt einen Tanz am Strand auf. Im Vordergrund steht dabei auch diesmal wieder ganz die Musik, denn anders als bei herkömmlichen Rhytmus-Spielen ist es bei Beat the Beat: Rhythm Paradise nicht so wichtig, was gerade auf dem Bildschirm passiert, sondern es kommt wirklich nur darauf an, den passenden Rhytmus zur Musik zu finden, die gerade läuft.
Was einfach klingt entpuppt sich zumindest für Einsteiger erstmal als ziemliche Herausforderung: Lässt man sich zu sehr vom Bild ablenken, fällt es schwer, das richtige Timing für eine bestimmte Aktion zu treffen. Dies ist nicht etwa ein Spiel-Fehler, sondern ein von den Entwicklern gewolltes Feature, das im Spiel auch häufig gezielt ausgenutzt wird um den Spieler zu irritieren. So kommt es zum Beispiel nicht selten vor, dass sich ein Charakter oder ein Objekt vor die Kamera bewegt und die Sicht auf das Spielgeschehen verdeckt, sodass der Spieler gezwungen ist, sich voll und ganz auf sein Gehör zu verlassen. Damit sind wir auch schon bei der größten Stärke des Spiels angelangt: So ziemlich alle Minispiele in Beat the Beat: Rhythm Paradise sind voll und ganz mit dem Gehör spielbar. Tatsächlich kann man alle Minispiele nach einer kurzen Trainingsphase selbst mit geschlossenen Augen spielen und genau das macht das Spiel so besonders. So wird jedes Minispiel von akkustischen Signalen begleitet, die den Spieler über die nächste Aktion und das richtige Timing informieren. Zum Beispiel eine bis drei zählende Stimme, ein schreiendes Äffchen oder das Geräusch einer Glocke.
Diese Spielmechanik ist es auch, die den Schwierigkeitsgrad des Spiels ausmacht. Herkömmliche Rhytmus-Spiele erfordern es in der Regel, dass der Spieler auf irgendwelche Symbole auf dem Bildschirm reagiert (zum Beispiel Kreise einer bestimmten Farbe oder ähnliches). Meistens ist es dabei nicht so wichtig, das Timing immer zu 100% genau zu treffen, solange es nur "ungefähr" stimmt. Das ist bei Beat the Beat: Rhythm Paradise anders, denn konzentriert man sich zu sehr auf das Bild anstatt auf die Musik, verpasst man leicht das Timing für eine Aktion und macht einen Fehler. Hier ist das Spiel besonders kleinlich, denn oft wird es schon als Fehler erkannt, wenn man bei einer Aktion im Timing nur ganz knapp daneben liegt und oft reichen schon vier bis fünf Fehler aus um bei einem Minispiel nicht zu bestehen. Das ist aber nichts schlechtes, denn gerade dieses Spielelement sorgt dafür, dass man immer eine enorme Befriedigung verspürt, wenn man das Timing einer Aktion genau trifft. Gleichzeitig sorgt es dafür, dass man bei einem Fehler unter Druck gerät und sich anschließend umso mehr bemüht, keinen weiteren Fehler zu machen. Die Aktionen des Spielers nehmen dabei direkten Einfluss auf die aktuelle Musik, sodass die Musik zum Beispiel an einer bestimmten Stelle anders klingt, wenn ihr das Timing einer Aktion verpasst. Dies hilft dem Spieler dabei Fehler zu erkennen, den Rhytmus zu finden und das Timing beim nächsten Versuch besser zu treffen. Nach jedem Minispiel wird euer Rhytmus-Gefühl dann in eine der folgenden Kategorien eingestuft:
-Noch einmal: Ihr habt zu viele Fehler gemacht und müsst es nochmal versuchen
-O.K.: Ihr habt das Minispiel gerade so bestanden und das nächste freigeschaltet
-Superb: Ihr habt das Minispiel bestanden und dabei kaum oder gar keine Fehler gemacht
Immer, wenn ein Minispiel zum ersten mal mit "Superb" abgeschlossen wird, gibt es eine Medaille. Mit Medaillen schaltet man im Spiel zusätzliche Boni frei. Und wem das noch nicht reicht, der hat, sobald er ein Spiel mit Superb ageschlossen hat, irgendwann auch die Möglichkeit, das jeweilige Minispiel noch mit "Perfekt" abzuschließen, was buchstäblich bedeutet, dass das Spiel absolut fehlerfrei gespielt werden muss. Allerdings immer nur dann, wenn ihr bei der Minispiel-Auswahl gerade dazu aufgefordert werdet und selbst dann nur bei dem einen Minispiel, dass das Spiel gerade zufällig für euch ausgewählt hat und auch nur für maximal drei Versuche in Folge. Versagt ihr dreimal hintereinander, verstreicht die Chance fürs erste und ihr müsst warten, bis dieses Minispiel wieder zufällig für eine Chance auf ein Perfekt ausgewählt wird. Durch dieses System wird es extrem schwer an ein Perfekt heranzukommen, womit man sich über jedes einzelne natürlich umso mehr freut und womit selbst eingefleischte Spieler an ihre Grenzen geführt werden. Während ich als Spieler des Vorgängers beispielsweise fast problemlos in jedem Minispiel an ein Superb rangekommen bin, fällt es mir bei den meisten Spielen selbst jetzt immer noch unglaublich schwer, diese absolut fehlerfrei zu spielen, sodass selbst ich als eingefleischter Fan der Serie immer noch ausreichend gefordert werde und eine enorme Befriedigung verspüre, wenn ich dann endlich ein Perfekt schaffe. Mit jedem Perfekt wird übrigens auch ein weiterer Bonus freigeschaltet (zum Beispiel das jeweilige Lied zum Anhören in der Jukebox).
Damit wären wir erstmal mit den Grundlagen des Spiels durch. Spieler des Vorgängers werden sich jetzt aber sicherlich fragen: "Schön und gut. War aber doch schon alles im Vorgänger so. Worin genau unterscheidet sich dieser Teil vom Vorgänger?" Nun, hier die gute Nachricht: Überhaupt nicht! Wieso sollte er auch? Der Vorgänger hat ja schon fast alles richtig gemacht und indem sich dieser Teil daran orientiert, kann er auch nicht viel mehr verkehrt machen. Das ist zumindest die kurze Antwort, tatsächlich gibt es schon einige sinnvolle Änderungen. Natürlich sind die fünfzig Minispiele an sich alle komplett neu. Neu ist allerdings auch - zumindest für die Leute, die nicht in Japan leben und den ersten Teil der Serie, Rhythm Tengoku, nicht gespielt haben - dass dieses Spiel mit den Knöpfen und nicht mit dem Touchscreen gesteuert wird. Somit dürfte der für viele Spieler größte Frustfaktor des Vorgängers ausgemerzt sein, denn während in Rhythm Paradise manchmal Aktionen über den Touchscreen nicht richtig erkannt wurden, funktioniert die Steuerung über die Knöpfe in diesem Spiel einwandfrei, sodass diesmal der Spieler für absolut jeden Fehler selbst verantwortlich ist (auch wenn das einmal manchmal nicht so vorkommt).
Ein weitere Neuigkeit, in deren Genuss nur wir Europäer kommen (was wohl auch die lange Lokalisierungszeit erklärt), ist dass jetzt zum ersten mal zwischen der englischen und der japanischen Version des Soundtracks gewechselt werden kann. Ich persönlich bin zwar ziemlich enttäuscht, dass nicht wieder (wie für Rhythm Paradise auf dem Nintendo DS) extra ein deutscher Soundtrack produziert wurde, aber das dürfte wohl an den schlechten Verkaufszahlen des Vorgängers in Europa gelegen haben und immerhin sind sowohl der englische als auch der japanische Soundtrack beide sehr gut und motivieren zum Spielen. Besonders Puristen, die mit lokalisierten Soundtracks nicht so viel anfangen können, kommen mit dem japanischen Soundtrack auf ihre Kosten.
Übrigens bietet Beat the Beat: Rhythm Paradise auch erstmalig einen Zweispieler-Modus. Da ich bisher aber noch keinen Mitspieler finden konnte, wird diesem hier keine besondere Beachtung geschenkt. Gameplay-Videos nach zu urteilen scheint er allerdings nicht weniger spaßig zu sein, als der Einspieler-Modus.
Komme ich nun zum Abschluss dieser Rezension und zur Frage "Für wen ist Beat the Beat: Rhythm Paradise geeignet?" oder besser "Für wen ist Beat the Beat: Rhythm Paradise NICHT geeignet?" Fakt ist: Die Minispiele sind allesamt ziemlich abgedreht und kommen in einem äußerst "japanischen" Stil daher. Anime-Fans zum Beispiel dürfte dieser Stil sehr zusagen, andere Leute könnte er allerdings abschrecken. Auch der Schwierigkeitsgrad ist nicht für jedermann geeignet. Macht es euch nichts aus, bei einem Spiel des öfteren Frustmomente zu erleben und dafür jeden Erfolg besonders zu genießen? Habt ihr ein ausgeprägtes Rhytmus-Gefühl, seid geuldig und wisst eine ordentliche Herausforderung zu schätzen? Dann könnte das Spiel für euch sein. Gehört ihr allerdings eher zu der Sorte Mensch, die schnell mal ihren Controller an die Wand pfeffern, wenig Geduld haben, sich über Kleinlichkeit bei Spielen aufregen und bei einem Spiel dieser Art generell lieber entspannen würden, als sich zu kozentrieren, dann ist Beat the Beat: Rhythm Paradise vermutlich eher nichts für euch. Ein Pflichtkauf ist das Spiel auf jeden Fall für all diejenigen, die mit diesem Spielprinzip auch nur das geringste anfangen können.
***UPDATE***
Ein paar Dinge habe ich noch vergessen.
Erstens:
Jedes fünfte Minispiel ist ein so genannter Remix. Dabei werden die Minispiele, die man bis dahin gespielt hat, in einer zufälligen Reihenfolge zu einer neuen Melodie zusammengeschnitten. Remixes sind besonders fordernd, weil man hier nicht nur im Takt bleiben, sondern diesen auch ab und zu wechseln muss.
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