Madlib ist unbestritten einer der schrägsten Vögel der Musikszene. Wer in Interviews mal locker als Anekdote nebenbei erzählt, letztens in einem Pariser Plattenladen 20 000 Dollar auf den Kopf gehaut zu haben, hat unbestritten einen an der Waffel. Aber Madlib ist nunmal der vielleicht größte Musiknerd des Planeten. Kennt alles, mag alles, und genauso sieht auch seine recht beachtliche Diskographie aus: Ob als Ein Mann-Jazz-Kombo (Yesterday's New Quintet), drogensüchtiger Clown mit Heliumstimme (Quasimoto) oder im Verbund mit anderen Produzenten oder Rappern (Jaylib, Madvillain), die Beats des Produzenten aus Oxnard haben mittlerweile eine weltweite Fangemeinde. 35 dieser Kleinode legt uns Madlib auf der neuen Platte vor, die seine letzten beiden 12''-Veröffentlichungen auf Stones Throw Records zusammenfasst. Freilich sind die Tracks mehr Soundskizzen als Songs, ein Musikkaleidoskop, mit offenen Enden und von überallher aus der Musik zusammengesamplet und mit Drums unterlegt. Kaum ein Track ist länger als zwei Minuten.
Aber diese zwei Minuten haben es immer wieder in sich. Als Highlights wären da zum Beispiel "Gold Jungle" zu nennen, auf dem Madlib leicht orientalische Samples und Gesangsamples mit rohen afrikanischen Drums unterlegt. Oder "Understanding", mein persönlicher Favorit, mit gepitchter Frauenstimme und wunderbaren Drums. Oder "The Comeup", das sich schamlos an den 60'ern bedient und wunderbarerweise zu Beginn im Hintergrund immer wieder ein Sample mit dem Gesang "Got To Have That Threesome" bedient. Würde zu gerne wissen, wo das schon wieder her ist. Aber so geht es einem ständig bei dieser Platte. Es wäre wohl eine Lebensaufgabe, all diese Referenzen und Samples zu identifizieren. Madlib gräbt in allen Ecken der Musikwelt und verspinnt diese Fäden zu einem unbestritten großartigem Ganzen. Super Platte. 8,5/10