In einer Zeit, in der Rock- und Popmusik noch nicht nahezu ausschließlich Bestandteil einer vor allem auf Kommerz ausgerichteten Musikindustrie war, sondern noch ein Stück eigener Jugendidentität verkörperte, war der Beat Club eine der wenigen Sendungen, die überhaupt für Jugendliche produziert wurde und schnell einen gewissen Kultstatus erlangte. Mit dem Abstand von 35 Jahren entdeckt man heute ein Stückchen seiner eigenen Biographie neu, erinnert sich mit etwas Wehmut an gute oder auch weniger gute Jugenderlebnisse oder muss einfach über die damaligen "Marotten" schmunzeln (Art des Tanzens, Kleidung), die damals doch "todernst" genommen wurden. Musikalisch bietet die DVD eine ausgewogene Mischung und damit die Gelegenheit, die Beat Ära für sich (wieder) zu entdecken. Auf der einen Seite begegnen wir Musikgrößen, die aus heutiger Sicht Musikgeschichte geschrieben haben. Dazu gehören mit Sicherheit The Moody Blues, die mit 2 Titeln vertreten sind ("Bye, Bye Bird" und "I Really Haven't Got The Time") als auch The Spencer Davis Group mit "Keep On Running" mit der großartigen Bluesstimme von Stevie Winwood. Einen breiten Raum nehmen Gruppen ein, die auch mit einer anderen Legende der Beat Ära verbunden sind: dem Star-Club Hamburg. Hierzu gehören Aufnahmen von The Remo Four, Ian & The Zodiacs, The Walker Brothers und den auch heute noch oft gespielten Titeln von Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich ("Hold Tight", "Bend It", "Hard To Love You"). Neben den Titeln von DDDBM+T finden sich auch noch andere "Ohrwürmer", die heute bei jeder Oldieparty auftauchen, wie etwa "Friday On My Mind" von den Easybeats oder "Super Girl" von Graham Bonney. Andere Titel, die ebenfalls beim Hören zu einem Aha-Erlebnis führen (z.B. "Shout", bekannt von Lulu & The Luvers oder "Sha-La-La-La-Lee", ursprünglich von den Small Faces) werden von Gruppen interpretiert, die heute nur wenigen geläufig sein dürften, aber gerade hierin liegt auch der Reiz, da es sich damit um Aufnahmen handelt, die sonst nirgendwo zu sehen und zu hören sind. Und nicht zuletzt gibt es noch ein besonderes Highlight für eingefleischte Plattensammler: "In The Midnight Hour" von den Boots, einer Gruppe, die nur wenige Platten herausgebracht hat und die heute begehrte Sammlerstücke sind. Auch wenn scheinbar ein Widerspruch darin zu bestehen scheint, dass das technisch perfekte Medium DVD, das doch eher an effektreiche Bildaufnahmen und ausgefeilte Tontechnik denken lässt, sich mit relativ einfach produziertem und damit visuell scheinbar unspektakulärem Bildmaterial begnügt, erweist sich diese Maßnahme doch als sinnvoll, da die Aufnahmen einerseits in sauberer Qualität dargeboten werden ohne dass dabei aber andererseits die Authentizität jener Zeit verloren geht. Die DVD stellt somit ein "Muss" für jeden Musikliebhaber der Beat-Zeit dar und macht auch neugierig auf die anderen Titel dieser Reihe.