Es handelt sich um eine spannende Nacherzählung von "Die Schöne und das Biest", die in die Gegenwart verlegt und mit jugendlichen Darstellern besetzt wurde.
Das Salz in der Suppe sind für mich die witzigen Einfälle, mit denen die Story gewürzt ist: Jeder neue Teil beginnt mit einem kurzen Ausschnitt aus dem Chatroom der "Unglücklich Verwandelten", in dem sich viele Märchengestalten tummeln, die alle mit sehr weltlichen Problemen zu kämpfen haben. So wie Kyle, ehemals gut-aussehender, reicher Superstar einer exklusiven Privatschule. Dumm nur, dass er durch sein überhebliches, oberflächliches und menschenverachtendes Verhalten den Unmut einer Hexe heraufbeschwört. Um ihm eine Lektion zu erteilen, passt sie sein Aussehen seinem Charakter an und aus dem blonden, blauäugigen Schönling wird ein überaus hässliches Biest mit Fell, Klauen und Reißzähnen. Nur wenn er innerhalb von zwei Jahren ein Mädchen findet, das ihn so liebt, wie er ist, kann er erlöst werden. Und er muss dieses Mädchen ebenfalls lieben, was für Kyle, der bisher niemanden außer sich selbst geliebt hat, zunächst noch unvorstellbarer erscheint als die Erfüllung der ersten Bedingung.
Obwohl das Buch ein Jugendroman ist, habe ich mich als erwachsener Leser gut unterhalten gefühlt. Insbesondere die Art, wie die Autorin die bekannten Motive neu gestaltet, fand ich interessant und einfallsreich gelöst. Kyle ist z. B. ein "echter" Prinz, weil er auf dem Schülerball zum "Prinzen" gekürt wird; ebenso gibt es den magischen Spiegel, das verwunschene Schloss, die Rosen und natürlich die "Schöne", die von ihrem Vater an das Biest ausgeliefert wird.
Für alle, die gerne englische Bücher im Original lesen, kann ich es empfehlen. Es ist gut geschrieben und liest sich trotz Jugendsprache sehr flüssig. (Da ich die deutsche Übersetzung nicht kenne, kann ich mir kein Urteil über deren Qualität erlauben.)
Den einen Stern habe ich abgezogen, weil es das Buch trotz aller guten Ideen nicht geschafft hat, mich zu fesseln. Vielleicht lag es zum Teil daran, dass der Ausgang der Geschichte von Beginn an feststeht. Aber was mir vor allem gefehlt hat, war die Chemie, das berühmte Prickeln, zwischen dem "Biest" und der "Schönen". Die Lovestory entwickelt sich für mich zu rund und zu schnell, was ich sehr schade fand, denn die charakterliche Entwicklung des Biests wird von der Autorin nachvollziehbar und glaubhaft dargestellt.