Mit einem kraftlos gehauchten "Ach" sich aus der Welt zu stehlen, ist seit den todessehnsüchtigen Romantikern bekannt. Novalis gehörte zu diesen Weltflüchtigen im Geiste, Brian Wilson der Beach Boys liebte dieses Genre, wie Doors Frontman Jim Morrison oder Pink Floyd in den ersten psychedelischen Hymnen seit The Pipers at the Gates of Dawn.
Victoria Legrand besticht mit ihrer Stimme bei Beach House. Sie haucht die Lyrics zum herbstlich todesfarbenden Blätterwald nun im August als wäre sie aus der Zeit gefallen, sie tanzt mit dem Tod auf eine absurde Weise, sie geht in Anti-Stellung zu den Formeln des Diesseits, wenn sie die Schönheit der tiefen Trübsal in diesen Dream-Pop verkündet. Dass die Zurückgezogenheit in die innere Welt der Gefühle musikalischen Reiz gebiert, zeigt dieses Duo bravourös. Zelebrierte Monotonie untermalt den Pathos dieser ins Jenseits gehenden Leidenschaft, sanfte Klänge untersteichen das entfernte Empfinden, ein paar Keyboards, sparsam eingesetzte Slide-Gitarren und eine Handvoll billig klingender Bontempi-Rhythmen gehen oft bis an die Grenzen des Stillstands. Hallräume scheinen aus den letzten Tönen zu kommen, die das Verlorensein in dieser Welt spiegeln. One, two, three, four! in Apple Orchard ... kein Aufbruch, sondern zögernde Angst, ein Start für Lebenstränen. Dass die beiden in diese nahezu unbewegt verlangsamten Songs klitzekleinste Swing-, Jazz- oder Countryklänge unterschieben, macht dieses Album zur visionär audiophilen Entdeckungstour. Im Geist entstehende Bilder zeigen endlos herab fallende Herbstblätter, gar leere Strände unter grauem Himmel, Sand, der gerade noch sich zurückbildende Fußabdrücke im geschäumten Wasser zeigt, einsame, regennasse Strassen auf dem Weg ins Nirgendwo, oder zur Hälfte geleertes, schales Bier oder umgefallene Weingläser in abgewirtschafteten Bars, denen die Morgendämmerung ein letzten Licht gewährt. Zwischen Hass und Liebe wird es nichts mehr geben. Es klingt wie Blakes Hochzeit zwischen Himmel und Hölle. Dieses Fremdeln im Diesseits zeigt den Weg in eine andere Welt. Childhood ist eine kleine Ausnahme, hier mag man den Zweifel an der Todessehnsucht erkennen, das Beschwingte der Kindertage ist aber vielleicht nur der Anfang des Endes.
Neun Songs in 36 Minuten versetzen in die pathologische Schwermut einer transzendenten Welt.