Nachdem ich ganz begeistert von Ingrids erstem Album "girls and boys" war, kam ich nicht umher, auch den Nachfolger zu ergattern.
Vorweg die Dinge, die ich etwas schade finde: neue Songs gibt es nicht so viele. Der erste Song "Be OK" ist noch einmal als Acoustic-Version zum Ende des Albums vorhanden. Die Songs "The Way I Am" (als Live-Version) und "Keep Breathing" waren bereits auf dem Vorgängeralbum vertreten und bieten somit nichts Neues. Fairer Weise ist aber auch zu erwähnen, dass auf der 1. Auflage des Debutalbums die Ballade "Keep Breathing" fehlte und erst bei den neuen Auflagen als Bonus-Track hinzu kam.
Dennoch hat Ingrid auch bei diesem Album erneut gezeigt, dass ihr Songwriting, Kompositionen und Musikgefühl liegen. Neu ist, dass Ingrid bei dem einen oder anderen Lied sogar zu ihrer Ukulele greift. Besonders empfehlenswert ist ihre Version von "Somewhere Over The Rainbow", dass nur von den sanften Klängen ihrer Ukulele und ihrer intensiven und vielseitigen Stimme getragen wird. Ein wundervoller Hörgenuss, der ruhigen Gewissens in einem Atemzug mit Israel Kamakawiwo'ole genannt werden darf.
Auch zu empfehlen ist die Ballade "The Chain", die im Chorus in einer Art Choral mündet und immer mehr an Intensivität gewinnt. Wunderschöne Stimmen, jedoch stört am Ende leider der gekünstelte Klang des klatschenden Publikums (der Song soll eine Live-Version darstellen).
"Be OK" ist ein toller gute-Laune-bringender Opener, der schön ins Album führt und zum Mitsingen einlädt. "Lady in Spain" ist eine schöne Ballade, in der Ingrid auch ihr Talent für "Saxophon-Improvisation" beweist. Das Cover von "Can't Help Falling In Love" ist ihr ebenfalls gelungen. Wunderschönes Klavier, dazu nur ihre klare und zerbrechliche Stimme.
Aber mein Favorit neben dem bekannten "The Way I Am" und ihrer eigenen, träumerischen Version von "Somewhere Over The Rainbow" ist ganz klar die Ballade "Keep Breathing", die ja durch das Finale der 3. "Grey's Anatomy"-Staffel ihren Durchbruch erlebte. Ein wunderschöner und einfühlsamer Song, der beweist, dass Ingrid Michaelson keine 08/15-Songs produziert, sondern sich durch emotionale, tiefe, ehrliche und glaubhafte Texte hervorhebt. Ein tolles Lied, an dem ich mich nicht satt hören kann.
Fazit: Leider nicht so gut, wie der Vorgänger, da es viel zu "produziert" scheint. Das Talent, dass sie "live" beweist, kommt hier leider nicht so zur Geltung, wie es beim Debut-Album der Fall ist. Dennoch für Ingrid-Fans ein Muss und guter Nachfolger im Allgemeinen.