AZUL nennt sich das dritte Album der gebürtigen Brasilianerin und Wahl Konstanzerin Bê, ein Album das der blauen Stunde huldigt, der Zeit der Dämmerung, wenn die Schatten lang werden und die Gedanken in die Ferne schweifen. Songs mit denen Betina Ignacio, die ihre Freunde schon seit Kindesbeinen Bê nennen, ihre Selbstfindung mit uns teilt und das Beste der beiden Welten, die sie ausmachen, zusammen führt.
Als Tochter einer deutschen Mutter und eines brasilianischen Vaters, wurde sie aufgewachsen in Monte Azul, Sao Paolo, durch eine schwere Krankheit im Teenageralter vom Leben geprüft und nennt doch ihre Karriere als Sängerin und Songwriterin ihre grösste Herausforderung. „Ich hatte zwar Gelegenheit durch eine Theaterausbildung und die Arbeit als Model für u.a. Strenesse viel Selbstbewusstsein zu entwickeln, aber als Sängerin mit der Musik Eins zu werden, war ein viel längerer und von Zweifeln behafteter Prozess.“ Mit diesem Album ist sie angekommen. Reife und Gelassenheit prägen ihre Gedanken und somit auch ihr Werk. Wenn Bê über den Ursprung dieser Gelassenheit spricht, gerät sie ein wenig ins Schwärmen. „Die ersten beiden Alben tragen eher das Prädikat „speziell“, weil sie aufwendig in Brasilien, Deutschland und in den USA produziert wurden. Azul dahingegen ist
komplett am Wasser, am Meer komponiert worden! Ganz nah dran am Ursprung, ohne großen Technikaufwand. Die Stücke haben so viel Tiefe, Harmonie und Sehnsucht; so war für mich klar, dass nur dieses Wort, diese Farbe Azul (Blau) dem Rechnung tragen kann.“
Wenn man Bê nach ihrem Sound fragt, erwähnt sie stolz die Jazz und Samba Einflüsse ihrer Kindheit: Gilberto Gil und Al Jarreau prägten die Jahre, die sie neben dem Radio ihres Vaters in Sao Paulo verbrachte. Sie scheut aber auch den Begriff Pop nicht. Und das hört man. Songs wie „Yeneney“, der nicht zufällig an eines ihrer Vorbilder Sade erinnert, oder die Single „Rhythm Of The Sea“ strotzen vor Eingängigkeit und Pop-Appeal. Brasilien Klischees lassen grüssen, schwer der Spagat zwischen Tradition und Leichtigkeit. Es stellt sich die Frage, wie man dem Publikum hier zu Lande vermittelt, was diese Mischung ausmacht, ohne in der Latin Ecke zu landen? Bês Antwort darauf ist so selbstbewusst, wie berechtigt: „Mit Wärme und Nähe!“. Sie „spielt“ und kommuniziert mit ihrem Publikum. Sie bringt das Meer mit. Da muss jede Skepsis guter Laune weichen.
Wie bei den beiden vorangegangenen Alben entstand auch AZUL zusammen mit ihrem Mann Marquinho da Silva, getragen von einer sensiblen Balance zwischen Privatleben und Musik. Auch hier setzt Bê auf ihr Credo „Wärme und Nähe“ und lächelt milde wenn sie die endlosen Autofahrten von Konzert zu Konzert und die zärtlichen Kabbeleien bzgl. Bühnenoutfits oder Textzeilen beschreibt. Ihre Fröhlichkeit bleibt ihr treuester Berater und so schafft sie das als Ehefrau, Mutter und Künstlerin immer sie selbst zu bleiben.
Mit dem Engagement für Monteazul hat sie sich einen Lebenstraum erfüllt und unterstützt die seit 30 Jahren bestehende Organisation mit einem Teil der Einnahmen aus ihrem musikalischen Schaffen und als Botschafterin mit ihren zahllosen Besuchen vor Ort, in den Favelas Sao Paolos. Keine Show bei der sie nicht auf Website und Engagement des NGO hinweist, in dem ihre Eltern Gründungsmitglieder sind. Kein Wunder, denn die Geschichte dieser Kinder könnte ihre sein und so gibt sie zurück, was sie an Glück in ihrem Leben erfahren hat.
So ist „Azul“ nicht nur ein Album, es ist ein Manifest der harmonischen Verbindung von Gegensätzen. Musik für die Zeit zwischen Tag und Nacht, zwischen Hell und Dunkel, für die Macht der Poesie im Alltag, für die blauen Stunden eben!
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