Dieses Buch steht schon seit vielen Jahren (1982) in der Familienküche. Und es wird immer noch verlegt...
Vorneweg muss man sagen, dass die meisten Rezepte für Leute geschrieben sind, die schon richtig gut kochen können und schon auch historisch interessiert sind. Beispiel gefällig? Bitteschön:
"Einen dick gehaltenen Eierkuchenteig mit möglichst vielen Eiern giesst man auf zwei- oder dreimal in eine gut gefettete Form und bäckt ihn hell aus" -> danach geht das eigentliche Rezept los.
Damals lernte man den Eierkuchenteig halt noch im Hauswirtschaftsunterricht :)
Nun denn, wer die gängigen Grundrezepte kennt und vermutet, bei welcher Temperatur ein Truthahn im Ofen gart, der kommt bei diesem Buch voll auf seine Kosten.
Viele Gerichte sind schnell, einfach, und einfach gut - zum Beispiel das Rührei mit Pfifferlingen. Die Dampfnudeln. Die Fingernudeln.
Meine liebsten Backrezepte sind die ohne Backpulver, wie der Münchner Guglhupf (ein Traum!) oder der luftig-dünne Zwetschgendatschi-Boden, der übrigens auch ohne Hefe auskommt (das Geheimnis dazu sind gekochte Kartoffeln)
Dazwischen gibt es einigen Platz für Anekdoten und Erklärungen, z.B. warum der Truthahn in Altbayern "Indiana" hiess/heisst. Einige Rezepte sind aus dem späten 18., frühen 19. Jahrhundert und einfach spannend. Es gibt ein Rezept für Bratwürschtl-Brät von 1788, welches auch im deutsch von damals geschrieben ist (ohngefähr = ungefähr).
Alles, wirklich alles, was ich bisher an Essen aus diesem Buch meinen Gästen vorgesetzt habe, wurde ratzfatz mit leuchtenden Augen verschlungen. Es schmeckt einfach so, wie es schon geschmeckt hat, als wir noch Kinder waren (und ja, ich bin unter 35), und wie es unsere Eltern von unseren Grosseltern serviert bekommen haben.
Ein wertvoller, oft und gerne benutzter Schatz bayerischer Traditionsküche.