Ska-Punk muss nicht immer nach nullachtfuffzehn klingen; die Band beNuts beweist es. Man hört gleich beim ersten Track deutlich, dass diese Band, freilich mit veränderter Besetzung, seit 1994 zusammen spielt. Das Zusammenspielen macht ihnen aber immer noch Spaß -- auch das hört man sofort bei ihrem respektlosen Parforceritt durchs weltmusikalische Kulturerbe, und das Gitarrenriff in "Chop Off" tut ein Übriges. Es groovt, das Ganze; dafür sorgt schon die Bläsersektion: Kein orchestrales Geschwader, sondern je einer an Posaune, Trompete und Saxophon, die das im Titel angekündigte "Ska" in atemlosem Tempo wahrmachen, ohne aus der Kurve zu fliegen. Aber schöne Melodielinien kriegen sie auch hin, vor allem der Herr Huber mit der Posaune. Der Schlagzeuger hält wacker mit, die anderen nicht minder an Gitarre, Bass und Orgel.
Und so wildern sie sich fidel durch die Weltmusik. Freilich muss auch mal die Russendisko dran glauben in "13-31" und noch mehr in "Russia", aber warum auch nicht? Immer zu, wenn man's kann. Und die Mannen von beNuts können das sogar mit Turbo-Karacho -- nicht zuletzt dieser Bläser-Sektion sei Dank. Das gilt sinngemäß ebenso für die Latino-Anleihen in "I Can't Hide" oder "Common Rude Boy" -- das ist präzise und dennoch locker und unambitioniert und gerade deswegen einfach gut. Es gilt sinngemäß eigentlich für alle eher an Punk und Ska orientierten Tracks auf "Bavarian Ska Maniacs".
Kommen wir zu den Schwachstellen: Konrad "El Konno" Wissmath ist nicht gerade das, was man einen charismatischen Sänger nennen würde, und leider ist er auch keiner, der das Nichtsingenkönnen zur Hohen Kunst kultiviert hat. Und richtig rotzen tut er leider auch nicht immer, wenn's eigentlich angebracht wäre, vor allem bei furiosem Punk-Tempo. Da geht die Punker-Attitüde gelegentlich etwas in die Lederhosen, und weniger wäre dann mehr gewesen.
Und sonst -- nein, sie können was, alle acht. Das ist es nicht. Nur klingen manche Tracks manchmal ein wenig merkmallos, haben zu wenig Wiedererkennungswert. Nicht schlecht, aber man hat sowas schon öfter gehört. "Disco Queen" ist so ein Fall, "Selfdestruct" auch: Gut gemacht, aber es fehlt der letzte Kick, der's zu etwas richtig Originellem machen würde. Und für eine Parodie des Disco-Genres ist's zu brav. Weder Fisch noch Fleisch, leider.
Weitaus mehr Klasse haben die Tracks im Beschleunigungsgang, denn hier kann auch der Sänger seine Stärke ausspielen: in hohem Tempo noch präzise artikulieren. Das beweisen sie zum Schluss gleich zweimal, mit "On and On" und "Diehard". Da lassen sie's schnörkellos krachen, beide Male mit Finale furioso. Punk, Ska und Bläser, und hier singt der Sänger auch richtig schön dreckig, wie es sich für solche Songs gehört.
Keine CD für die Eiserne Notration, aber immer wieder gut für den kleinen musikalischen Hunger zwischendurch.