Im Allgemeinen ist "der Schneider" an den meisten Hochschulen das standardisiert verwendete Tabellenwerk. Berechnungen, Formelwerte, Bemessungsgrundlagen etc. werden anhand dieser Sammlung durchgeführt und in vielen Klausuren ist er aus diesem Grund auch als Hilfsmittel zugelassen.
Ich studiere Bauingenieurwesen an der Hochschule Darmstadt. Meist ist es nicht erforderlich im Laufe eines Studiums jede neue Auflage zu erstehen, da sich die Tabellenwerte selten und wenn dann nur minimal ändern. Die Schneider Bautabellen werden aber bezüglich der neuen DIN EN Normen auf dem Laufenden gehalten, so finden sich in der 19. Auflage auch Werte, Forderungen und Grundlagen der 2009 in Kraft getretenen EnEV 09, die gegenüber der 2007er Version etwas erweitert und verschärft wurde.
Der Vergleich zur 18. Auflage zeigt auf den ersten Blick ansonsten keine weitreichenden Neuerungen. Die meisten Kapitel sind in ihrem Umfang kaum verändert. Lediglich auffällig ist, dass im Kapitel "Statik" ein neuer Untertitel dazu gekommen ist und im hinteren Teil des Kapitels weniger verallgemeinerte Diagramme abgebildet wurden. Die Formatierung wurde größtenteils überarbeitet, was es ermöglichte, die Kapitel teilweise kompakter zu gestalten und der Übersichtlichkeit sehr dienlich ist. In den Übersichtstabellen zur Berechnung von Trägern und Einspannungen wurden einige Zeilen dadurch eingespart, dass die Herleitungen in den Zellen entfernt wurden und nur noch die letztendlich gültige Vereinfachung abgedruckt wurde - denn dafür wurden diese Tabellen ja eingeführt.
Beim Lernen für Klausuren und Sachverhalte wurde deutlich, dass der Schneider nicht als Lehrbuch geeignet ist, aber sehr hilfreich beim erweitern von unvollständigen Vorlesungsscripten. Durch kurze Erläuterungen und Beispiele zu einzelnen Berechnungen (z.B. Teilsicherheitskonzept an verschiedenen Trägern und Stützen) ist er auch noch Jahren noch zur Auffrischung von Wissen geeignet und für Einsteiger in diesem Bereich eine gute Unterstützung.
Auf der beiliegenden CD-ROM sind diverse DIN-Exemplare zu finden, die man sonst für teures Geld kaufen müsste. Ferner sind EDV-Tools enthalten, die wir im Rahmen von Tutorien auch zur Bemessung von Stahlbetonträgern und Plattenbalken nutzen konnten. Obendrein ist noch das Stabwerksprogramm "IQ 100" zu finden.
Eine kleine, aber unnütze Neuerung ist das integrierte Lesezeichen. Praktibabel wären hier mindestens 10 verschiedenfarbige Bändchen, enthalten ist nur eines, was hauptsächlich zusätzlichen Platz für Werbung bietet.
Fazit zur 19. Auflage: wirkt wesentlich aufgeräumter und nicht ganz so "übereilt" wie die 18. Auflage, macht einen solideren Eindruck und mit der Neuordnung der Teilkapitel wird man auch schnell klar kommen. Wert ist der Schneider sein Geld allemal und wenn die 18. und 19. Auflage das gleiche kosten, warum dann die ältere Version nehmen?
Nachtrag:
In den Kommentaren wurde ich bereits darauf hingewiesen, dass besonders das Kapitel Stahlbau weitreichende Änderungen erfahren hat. Mittlerweile bin ich im Rahmen der Vorlesungen zu Stahlbau 2 auch mit diesem Kapitel in direkten Kontakt getreten und kann das tatsächlich bestätigen. Scheinbar hat man hier für den Eurocode einfach alles in die Tonne getreten und neu aufgebaut. Besonders Anwenderfreundlich sind dabei die Profiltafeln ins Auge gefallen. Auf mehreren aufeinander folgenden Seiten ist eine Auflistung der genormten Stahlprofile zu finden, die nun aber neben der Querschnittsgeometrie auch gleich alle weiteren Werte enthält. Kein Blättern mehr zwischen Trägheitsmoment am Ende des Kapitels und dem plastischen Grenzmoment in der vorderen Hälfte. Hier ist gleich alles vereint und erspart lästige Sucherei. Ganz gelungen ist die Art der Tabelle meiner Meinung nach noch nicht, da alle Zellen weiß hinterlegt sind und man die Zeile und Spalte gern einmal aus dem Blick verliert. Ein Grauschatten in jeder zweiten Spalte wäre wohl ganz angebracht gewesen.
Wichtig: Wenn man den Schneider nur zum Nachschlagen nutzt und sich nicht mit den Texten auseinander setzt (oder gar ein "Versionsupdate" vollzieht, ohne zu beachten, dass es neue Normungen gibt) ist zu beachten, dass es sich beispielsweise bei den plastischen Grenzwerten hier um Designwerte handelt (also mit Sicherheitsfaktor auf der Materialseite, z.B. "Mpl,y,d" o.ä.), allerdings ist der hier verwendete Sicherheitsfaktor = 1,0. Das steht auf der Seite vor den Tafeln, fiel mir aber erst nach einer Woche auf, als ich rätselte, warum der Professor andere Werte als ich aus der Tafel abliest. Bis zur 18. Auflage wurden die Werte noch mit 1,1 designed (Unterschied zwischen DIN 18800 und EC3).