Dieses massive Kompendium nennt sich zu Recht Standardwerk -- in Sachen "Europäische Architektur von der Antike bis zur Gegenwart" dürfte es kaum Konkurrenz geben: Wilfried Kochs "Baustilkunde" besticht gleichermaßen durch Ausführlichkeit wie durch Übersichtlichkeit.
Unterteilt ist das Werk in die Großkapitel "Sakralbau", "Burg und Palast", "Bürger- und Kommunalbauten" und "Stadtentwicklung". Diese Kapitel sind chronologisch detailliert nach Stilepochen aufgebaut, und diese Gliederung ist ihrerseits geographisch gegliedert.
Jedes Kapitel (bzw. Unter-Kapitel) beginnt eine kurzen, aber präzisen und anschaulichen Einführung; man erfährt die Charakteristika einer jeden Epoche; bei ausgeprägten regionalen Besonderheiten wie z.B. der Gotik in England werden auch diese Abschnitte gesondert eingeleitet.
Anschaulicher geht's schier nimmer: Das Buch ist großzügig illustriert, zum einen durch Übersichtskarten zur Verbreitung eines bestimmten Stils, vor allem aber durch unzählige exakte Zeichnungen des Verfassers, die viel mehr verdeutlichen, als es die zugrunde liegenden Fotografien könnten. Hinzu kommen weitere Skizzen, von prototypischen und echten Grundrissen, Säulenformen, Gewölbekonstruktionen, Fassaden, Dachformen, Proportionen...
Man gewinnt so einen Überblick über das Wesentliche, und gleichzeitig einen Sinn für zeittypische und regionale Ausprägungen und Varianten. Schließlich kann man erst dann die Bedeutung einer Abweichung von der zeitgenössischen Norm "entziffern", wenn man die Bedeutung des "typischen" Formenkatalogs kennt. Die zahlreichen Querverweise regen zusätzlich zum Vergleichen beispielsweise regional oder chronologisch unterscheidbarer Architekturbeispiele an.
Allein dieser Hauptteil von Kochs "Baustilkunde" würde den Kauf rechtfertigen, aber auch die umfangreichen Anhänge haben es in sich: Beim Stichwortregister handelt sich's in Wirklichkeit um ein 70seitiges Glossar, in dem alle Fachbegriffe noch einmal kurz erklärt werden, und auch diesem Glossar hat Koch zahlreiche erhellende Skizzen beigegeben, oft sogar skizziert er verschiedene markante Beispiele für einen Gegenstand -- typisierte und echte. Und der Vollständigkeit halber sei vermerkt: Freilich gibt es auch Orts- und Personenregister.
Hinzu kommt ein Verzeichnis der englischen, französischen, spanischen und italienischen Äquivalente der Fachbegriffe, die durch ein intuitiv eingängliches System aufeinander bezogen sind; dieses Verzeichnis ist das schlechteste Fachwörterbuch nicht.
Man braucht nicht Kunstgeschichte studiert haben, um von diesem Werk zu profitieren.