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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
47 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The World according to Dörner,
Von
Rezension bezieht sich auf: Bauplan für eine Seele (Taschenbuch)
1. AusgangspositionAnhand einer Dampfmaschine entwickelt Dörner seine These, dass sich Denken, Fühlen, Wollen und Bewusstsein aus den Merkmalen eines Steuerungssystems ergeben. Die Maschinen-Metapher wird durchgehalten, sodass die ganze dörnersche Seele durch diese Klammer als aus einem Guss wirkt und damit auch überzeugend ist. Dörner gehört zur experimentellen Psychologie, wo bewiesen gehört, was behauptet wird, mit segensreichen Folgen. 2. Beispiele Alle Motive kennen einen Sollbereich. Wird dieser unterschritten, dann bemühen wird uns, den Sollbereich wieder zu erreichen. Das gilt zum Beispiel für das Streben nach Legitimität, das zu entsprechendendem Verhalten führt und zur Affiliation, zu Kollegialität, Freundschaft und Liebe. Ein grosses Motiv ist die Bestimmtheit, denn unter Unbestimmtheit scheinen wir zu leiden. Das Dumme dabei ist, das mit dem Sprechen und Denken jede geklärte Frage eine Vielzahl offener Fragen bringt, also mehr Unbestimmtheit. Die erste Lösung der Menschen dafür, sagt Dörner, ist die Religion, die Zweite die Ideologie. Hauptsache, wir fühlen uns irgendwo zuhause, wo alles klar ist, bestimmt und nach Möglichkeit einfach. Dafür nehmen wir gerne in Kauf, dass die Realität beschnitten wird, dass vieles ausgeblendet wird, dass wir einer Wirklichkeitsstörung unterliegen. Wichtigkeit, Bedürfnisstärke, Erfolgserwartungen bestimmen die Motivselektion und die bilanzierende Lust-Unlust-Bilanzierung greift ein, wo nötig. Das setzten wir um in ein Handeln, das aufgedröselt wird nach Auflösungsgrad, Aktiviertheit, Dringlichkeit und mitbestimmt wird durch die Kompetenz. So ungefähr. Bei Dörner werden alle Begriffe aufgeklärt und es geht hier mehr darum, in welche Detailliertheit, Fülle und Tiefe der Stoff ausgebreitet wird. 3. Ausweitung der Kampfzone Weil jeder lernt, indem er sich selber einen Weg sucht, sagt Dörner im Vorbeigehen, dass elterliche Fürsorge ein Lernhindernis sei und an Berliner Balkonen analysiert er die Unbestimmtheitsreduktion auf homöopathische Dosen, die gerade noch erträglich sind. Solche Kicks liest man immer wieder, so auch gegen die verbreiteten, wolkigen Unklarheiten in gewissen Wissensgebieten. Kommen wir zum Eindruck, denn wir können hier nicht 800 Seiten ausbreiten. 4. Der dörnersche Ton Der dörnersche Ton ist heiss: Es geht Schritt für Schritt, ganz vor- und umsichtig. Bei Gelegenheit werden Witzchen eingestreut und an Beispielen für die Thesen mangelt es nicht, sodass wir z.B. oft vom Leberkäsebrötchen hören, das der Bäcker bei der Uni anbietet. Jeder Schritt wird in Schemen und Grafiken aufgelöst, sodass man bei Bedarf alles daran memorieren oder verfestigen kann. Immer wieder fallen Stoffrepetitionen an, weil alles zusammenhängt. Die Fragestellungen werden klar aufgerissen und die Beantwortung wird zusammengefasst. Das verweist auf den Vorlesungshintergrund und macht das Buch lesbar und didaktisch. Der Autor nimmt einen bei der Hand und erklärt die Welt according to Dörner. Der Bezug zum eigenem Verhalten ist oft eklatant, sodass wir im Ergebnis bewusster agieren und vielleicht Fehler vermeiden, also auch ein aufklärerisches Buch. 5. Fazit: Bauplan einer Seele" ist ein hochinteressantes, detailliertes, lesbares und hilfreiches Buch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Ein interessantes Modell, nicht mehr und nicht weniger,
Von Harmbold (Bamberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Bauplan für eine Seele (Taschenbuch)
Die Stärken von Dietrichs Dörners Ansatz liegen vor allem in seinem integrativen Potential: es ist schon beachtlich innerhalb eines Modells die unterschiedlichsten Felder der Allgemeinen Psychologie - wie Wahrnehmung, Motivation, Kognition und Emotion - derartig treffend zusammenfassen zu können. Dabei über den Tellerrand der klassischen Psychologie zu blicken ist eine weitere Stärke und gleichzeitig aber auch die zentrale Schwäche des Bauplans: Erklären lässt sich sicherlich viel mit dem kybernetischen Ansatz, die Frage ist nur wieviel Substanz dabei die einzelnen Erklärungen noch besitzen. Sobald sich Dörners Seelenmaschine nämlich in philosophische Höhen begibt wir die Luft zusehends dünner - bis zu einem asthmatischen Kollaps im Bereich der Religionskritik. Bei aller Liebe zu einem schlichten und verständlichen Wissenschaftsstil: Religionskritik zu betreiben ohne eine einzige religionswissenschaftliche Referenz (außer "Sophies Welt") ist doch gelinde gesagt etwas zu sorglos.Alles in allem: ein in sich stimmiger Ansatz, der Grund zu manchem (produktiven) Ärger gibt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein hervorragend durchdachtes Buch ueber den unfreien Willen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Bauplan für eine Seele (Taschenbuch)
Dietrich Doerner packt den Stier bei den Hoernern und wartet mit einer These auf, die wir alle schon gehoert haben, aber eigentlich nicht recht glauben wollen und auch nicht moegen: Der Mensch ist nicht frei. Ja, wir fuehlen uns frei, aber das ist eine Illusion. Alles, was wir denken, alles, was wir entscheiden und wer wir sind, all das laesst sich aus unserer Erziehung, Erfahrung und Vererbung begreifen.Wenn wir denken, wir entschieden uns frei, dann ist das eine Illusion, und in Wirklichkeit entscheidet fuer uns - unbewusst - jene Basis aus Erziehung, Vererbung und Erfahrung, die uns tagtaeglich lenkt. Wenn wir nun zum Beispiel eine Schokolade nicht essen, obwohl wir eigentlich Hunger haben, und dabei gluecklich, befriedigt denken, dass wir hier bewiesen haben, wir seien frei, dann, so Doerner, irren wir uns. Denn unser Koerper entscheidet fuer uns in jedem Augenblick danach, was fuer uns im Moment der optimale Zustand waere. Und wenn dieser optimale Zustand im Moment darin besteht, dass wir uns gut fuehlen, weil wir uns bewiesen haben, dass wir stark und frei sind, dann ist dies eben die optimalste Entscheidung in diesem Moment. Augenwischerei? Ganz und gar nicht. Doerner legt in diesem grossen Buch alles nieder, was wir als Entscheidungsbasis fuer einen Prozess - unbewusst oder bewusst - heranziehen. Er erklaert, warum Menschen die Illusion haben, sie seien frei (denn das kann man sich ja fragen: Warum gaukelt uns die Natur einen freien Willen vor?), und er erlaeutert alle Raedchen und Parameter, die zu unserem Ich-Bild und der Entscheidung des Ichs fuer oder gegen etwas beitragen. Ein ganz wunderbares, herrlich durchdachtes, logisches Buch, viele gute kluge Kapitel. Eine gute Gliederung und ein langer Index ermoeglichen dem Leser, auch einfach Abschnitte zu lesen oder das Buch sogar als Nachschlagewerk zu nutzen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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