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Der Baum blüht trotzdem
 
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Der Baum blüht trotzdem (Gebundene Ausgabe)

von Hilde Domin (Autor)
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Wohnsitz im Wort

Hilde Domins neuer Gedichtband

Als ihn ein Literaturkritiker einmal bedrängte, es wäre doch höchste Zeit, endlich wieder neue Gedichte zu liefern, antwortete Reiner Kunze mit einem Vers: «Höchste Zeit kommt von innen.» Hilde Domin hat sich Zeit gelassen mit ihrem neuen Lyrikband «Der Baum blüht trotzdem», der nun knapp dreissig Jahre nach ihrem letzten Gedichtband «Ich will dich» (1970) und über zehn Jahre nach den «Gesammelten Gedichten» (1987) erschienen ist: pünktlich zu ihrem 90. Geburtstag, der in diesen Tagen gefeiert wurde.

Der Band enthält bekannte, bisher unveröffentlichte und schwer zugängliche Texte aus allen Schaffensphasen der Dichterin, die zu den grossen Leitfiguren der nachgeholten Moderne in der deutschen Lyrik gehört. Das Unterwegssein gehört zu ihrem «Vokabular der Erinnerung» von Anfang an. Ihr Lebensweg hat sie aus Köln, wo sie am 27. Juli 1909 in einem assimilierten jüdischen Elternhaus geboren wurde, nach Heidelberg geführt, wo sie seit 1961 lebt. Hier, in Heidelberg, ging sie seinerzeit, bei Karl Mannheim und Karl Jaspers, in die Schule der Sprach- und Ideologiekritik.

Früh, schon im Jahre 1932, reifte der Entschluss, ins Exil zu gehen, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Erwin Walter Palm, den sie 1936 in Rom heiratete und der 1988 starb. Palm ist der Adressat der drei Widmungsgedichte, die den Auftakt des Bandes bilden; von ihm, der Bahnbrechendes auf dem Gebiet der ibero-amerikanischen Kulturgeschichte leistete und mit Hilde Domin die Hauptvertreter der modernen spanisch-amerikanischen Lyrik ins Deutsche übersetzte, stammt der «Vorrat für den Rest des Jahrhunderts», den Hilde Domin als sein «zu schneller [s]ein zu langsamer / Weggefährte» benötigt.

Sprache und Exil, dieser existentielle Zusammenhang ist der Nährboden, aus dem Hilde Domins Gedichte wachsen. Über 22 Jahre lebte sie ausserhalb ihres Vaterlandes, vertrieben und verbannt, aber immer kämpfend um ihren «Wohnsitz im deutschen / Wort». Die deutsche Sprache war ihr der einzige Trost und Halt im Exil. «Nur eine Rose als Stütze», und so war es nur konsequent, dass sie mit dieser Metapher Ende der fünfziger Jahre als eine vielbegrüsste neue und unverwechselbare Stimme die deutsche Lyrikszene betrat. Bei alledem ist Hilde Domins Sprache durch die Jahrzehnte von grosser Klarheit und eindringlicher Appellkraft geblieben. Ihre Gedichte sind «Depeschen aus der Agentur der praktischen Vernunft» (Iso Camartin), abgesandt in dem festen Glauben, ein «Alphabet [zu] erfinden / von tätigen Buchstaben».

Ihren vorsichtigen Optimismus gegenüber Deutschland hat sich Hilde Domin, anders als Paul Celan etwa oder Nelly Sachs, eisern bewahrt und in einem frühen Gedicht die Losung ausgegeben: «nicht müde werden / sondern dem Wunder / leise / wie einem Vogel, / die Hand hinhalten». Doch sie wäre nicht Hilde Domin, würde sie nicht zugleich warnen vor Menschenblindheit und der «Angst vor dem Mitmensch», würde sie nicht trotzdem ihre Stimme erheben gegen das «goldene Sterben der Bäume» ebenso wie gegen den «übernächste[n] Krieg», der «wieder mit Pfeil und Bogen geführt» werde.

Einmal Exilant, immer Exilant: Von dieser Erfahrung zeugt nicht zuletzt der Wahlname Domin. Als Hilde Palm 1954 nach Deutschland zurückkehrte, nach einer Odyssee um den halben Erdball und der Bitternis des Exils, das sie zum grössten Teil auf der diktatorisch regierten Karibikinsel Sto. Domingo verbracht hatte, da sagte ihr einer, es war Wolfgang Weyrauch: «Nennen Sie sich . . . / mit dem Namen Ihrer Insel.» Das sind die letzten Verse in dem Gedichtband, den man als eine Bereicherung des bisher vorliegenden Werkes, ja als eine kleine lyrische Lebensbilanz bezeichnen kann – und als eine schöne Nachlese, die der Verlag ihr und ihren Lesern gebracht hat.

Michael Braun

Kurzbeschreibung

Diese von Hilde Domin selbst ausgewählten und geordneten Gedichte, die Bekanntes und Neues miteinander verbinden, bestätigen aufs schönste, was Marcel Reich-Ranicki bereits den früheren attestiert hat: wenn sie »etwas aktivieren sollen, dann im Leser den Menschen«. Und er begründet dies mit der Feststellung: »Hilde Domin glaubt an die Erlösung durch das Wort, durch die Sprache.«

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