So unterhaltsam diese Stories auch sind, ganz deutlich schimmern hier die tiefen Verletzungen eines zu klein geratenen, zurückgestoßenen Jungen durch, der dieser herausragende Schriftsteller einmal war. Und doch ist man geneigt, seine Verzweiflung als Glück für die Literatur zu betrachten, weil frühes Leid, gepaart mit wacher Intelligenz, den Blick ungeheuer schärft. Menschen mit Talent zum Glücklichsein sind ja immer ein wenig langweilig.
So tauchen wir hier in die Zeit um die 1930er, 1940er Jahre in den Süden der USA ein, in von wenig Ablenkung geprägte ewig heiße, staubige Sommernachmittage und kurze, kalte Winter, in denen die Armut ihre Krallen mit Wucht ausfährt. Es sind vor allem junge Menschen, um die es in diesen Geschichten geht, fast noch Kinder auf der Schwelle zur jungen Frau, zum jungen Mann. Capote muss sie mit Adleraugen beobachtet haben; was Fantasie ist, was Realität, was Ausschmückung - wir werden es nie wissen.
Die Gnadenlosigkeit seiner Betrachtungen wird, wie immer bei diesem Schriftsteller, nur durch sein Können und die Klarheit seiner geschliffenen Sprache gemildert. Dem Wunderkind, als das er selbst galt, war kein langes und auch kein glückliches Leben vergönnt, aber seine Geschichten sind in dieser Welt als verschwörerische Gaben für dafür anfällige Leser geblieben.
Helga Kurz
24. Mai 2012