Ich bin seit jeher ein Riesen-Fan von Jacq's Werken, habe seine Reihen Ramses und Stein des Lichts verschlungen.
Demgemäß habe ich mich auch sehr auf die neue Osiris-Reihe gefreut. Leider nicht ganz zu Recht...
Es wirkt leider fast ein wenig einfallslos, was der Gute hier zu Papier gebracht hat. Zwar mag der Ansatz wie so oft gelungen sein und sicher, er erzählt farbenprächtig wie sonst kaum jemand (eventuell noch Sabine Wassermann), aber scheinbar war der Zwang etwas Neues zu veröffentlichen Größer als die Lust dazu:
Der mysteriöse Prophet, der eine neue, monotheistische Religion einführen will und damit Ägypten bedroht...gab es schon, wir erinnern uns an "Ramses" und dessen Freund Moses...
Der unfassbare Siegeszug von Sesostris, er nimmt Gebiete ohne jegliches Blutvergießen...erinnert mich doch stark an "Der schwarze Pharao".
Der junge Iker...von einer seltsamen Macht beseelt, unbeirrbar; kommt vom Regen in die Traufe, gefangen in der Wüste und schafft es doch immer wieder...wer hat denn Jacq's (brillanten und zu Unrecht wenig bekannten) 3-Teiler um den jungen Richter Paser gelesen?
Steht für mich insoweit fest, dass der Meister bei sich selbst klauen musste, was zwar einerseits verständlich, andererseits aber extrem schade ist. In Sachen Vorhersehbarkeit bin ich mal gespannt, inwieweit sich meine Vorstellung vom Verlauf der Geschichte und der Bedeutung der Hauptpersonen bewahrheitet...es ist aber zu befürchten, dass man tatsächlich nach dem ersten Teil die Storyline durchblickt hat.
Die hier gelobte Mystik liest sich leider eher wie aus einem Kinderbuch und ist der stellenweise etwas zu abgedriftet. Vor allem wiederholen sich viele Dinge, wie das "Geführt-werden" durch die tierische Verkörperung verschiedenster Götter. Wer wahrhaftig in die ägyptischen Mythen und das Zusammenspiel der Götter eingeweiht werden möchte, dem empfehle ich Guy Rachet!
Ich hoffe mal, dass in Verbindung mit den anderen 3 Bänden doch noch etwas zu retten ist, für das vorliegende Buch als solches kann ich schweren Herzens leider nur 2 Sterne vergeben.